Bootsunglück von Leipzig Ermittlungen gegen Ruderverein


Ist der Ruderverein Schuld am Leipziger Bootsunfall, bei dem vier Kinder mit einem Kanu gekentert waren? Während nach dem vermissten Zwölfjährigen gesucht wird, prüft die Staatsanwaltschaft, ob der Veranstalter seine Sorgfaltspflicht verletzt hat.

Einen Tag nach dem Bootsunfall von fünf Kindern auf dem Leipziger Elsterkanal hat die Polizei ihre großangelegte Suche nach dem vermissten Zwölfjährigen fortgesetzt. Auch Taucher sollen an der Unfallstelle eingesetzt werden, die wegen der starken Strömung am Wehr mit einem Arbeitskorb gesichert werden. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Ruderverein Triton als Veranstalter der Ruderregatta ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Bei dem Unfall ist entgegen ersten Polizeiangaben ein elfjähriger Junge nicht ums Leben gekommen. "Das Kind lebt", sagte eine Polizeisprecherin. Der Junge befinde sich aber in einem kritischen Zustand und werde künstlich beatmet. "Die Polizei entschuldigt sich in aller Form bei den Angehörigen für die unzutreffende Information in der gestrigen Pressemitteilung", heißt es in der Erklärung. Die Polizeisprecherin sagte, es gebe nur noch wenig Hoffnung bei der Suche nach dem vermissten Jungen. Zur Suche wurde eine Hundertschaft eingesetzt, unterstützt von einem Polizeihubschrauber. Abgesucht werden die Uferbereiche des Elsterflutbetts vom Palmengarten-Wehr in Richtung Kläranlage Rosenthal. Parallel dazu suchen Helfer mit Booten nach dem Jungen.

Kinder wurden flussabwärts getrieben

Der Unfall geschah am Sonntagnachmittag bei einer Ruderregatta. Die Vierermannschaft mit Steuermann kam von einem Ruderclub aus Dessau. Die Ruderer trugen nach Polizeiangaben keine Schwimmwesten. Die fünf Kinder wollten sich gegen 14.20 Uhr für ihren Start vorbereiten. Doch statt wie geplant flussaufwärts zu rudern, wurden sie flussabwärts getrieben. Im Elsterflutbecken stürzte das Ruderboot drei bis vier Meter tief ein Wehr hinab, kenterte und zerbrach. Der Zwölfjährige wurde von der Strömung mitgerissen. Der Elfjährige konnte unterhalb des Wehres von Helfern geborgen werden und wurde nach der Reanimation in eine Leipziger Klinik eingeliefert.

Die drei weiteren Kinder wurden ebenfalls gerettet. Ein 18-jähriger Freiwilliger ruderte mit seinem Einerboot zu Hilfe und konnte ein Mädchen aus dem Wasser ziehen und festhalten, bis die professionellen Retter kamen. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ricardo Schulz, sagte der AP, es bestehe ein Anfangsverdacht für den Strafbestand der fahrlässigen Körperverletzung. Es werde geprüft, ob der Veranstalter der Regatta seine Sorgfaltspflicht ausreichend erfüllt habe. Denn der Fluss führe deutlich mehr Wasser als normal, und es herrsche eine relativ hohe Strömungsgeschwindigkeit. Darin schwimme zudem "eine nicht unerhebliche Menge Treibgut", das Boote gefährden könne. Laut Staatsanwaltschaft stellt sich die Frage der Sicherheitsvorkehrungen auch, weil viele Regatta-Teilnehmer die Verhältnisse auf dem Fluss nicht kannten und Kinder auch relativ unerfahrene Ruderer seien.

AP AP

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