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Brand in Ludwigshafen: Mieter klagten über gravierende Mängel

Nach Informationen von stern.de wies das Ludwigshafener Mietshaus, in dem neun Menschen ums Leben kamen, gravierende Sicherheitsmängel auf. Strom soll abgezapft worden sein, Decken hatten sich abgesenkt.

Von Özlem Gezer und Christian Parth

Das Haus in Ludwigshafen, in dem beim Brand am 3. Februar neun Menschen ums Leben kamen, war nach Informationen des stern.de schon vor Ausbruch des Feuers in einem maroden Zustand. Die Wohnung in der dritten Etage, in der acht Menschen starben, wurde so zur tödlichen Falle. Das berichten Zeugen, die bei dem Feuer verletzt wurden.

Vermieter verantworten Feuerfalle

Mitglieder der Familie der Hausbesitzer hätten nach der Renovierung ihrer eige-nen Wohnung zentnerschweres Baumaterial auf dem Dachboden gelagert. Aufgrund des Gewichts hätten sich die Decken der Zimmer darunter über Monate hinweg mehrere Zentimeter abgesenkt. Während des Feuers waren diese Decken eingebrochen: Zementsäcke, Ziegelsteine und mehrere alte Türen stürzten hinab. Für die Familie Kaplan, die in der Wohnung darunter wohnte, war somit der Fluchtweg abgeschnitten.

Der ehemalige Eingang zur Kaplan-Wohnung war verlegt und durch eine brüchige Gipswand ersetzt worden. Rauch und Feuer konnten so schnell in das Zimmer eindringen, in dem die Familie Schutz gesucht hatte.

Zugestellter Hausflur, unsachgemäße Strominstallation

Die Familie hatte sich bei den Hausbesitzern mehrfach über den Zustand der Wohnung beschwert, eine Reaktion sei je-doch ausgeblieben. Immer wieder soll es Streit zwischen den Be-wohnern auch wegen erhöhter Stromrechnungen gegeben haben. Man habe sich gegenseitig beschuldigt, vom Nachbarn Strom abgezapft zu haben, sagt eines der Brandopfer. In der linken Haushälfte sollen drei Wohnungen an nur einem Stromzähler angeschlossen gewesen sein.

Am Tag des Brandes hätten aufgrund der vielen Besucher bis zu sieben Kinderwagen im Treppenhaus gleich neben der Kellertür ge-standen - unweit des vermuteten Brandherdes im Keller. Dort sollen vor einiger Zeit noch Verwandte der Hausbewohner gehaust und bis zuletzt Möbel gelagert haben. Die Hausbesitzer wollten sich zu einer Anfrage des stern.de nicht äußern. Die genaue Ursache für das Feuer bleibt weiter unklar.

sh/spi

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