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Schnellstraße in Indien Dieser Highway tötete fast alle Männer eines Dorfes


Peddakunta in Südindien wird auch "Dorf der Witwen" genannt: Seit eine gefährliche Schnellstraße durch den Ort führt, starben fast alle Männer bei Unfällen. Frauen wurden verschont - aus einem bestimmten Grund.

Die Schnellstraße 44 im südindischen Bundesstaat Telangana sieht so harmlos aus: Schnurgerade, eben asphaltiert, deutliche Fahrbahnmarkierungen. Sogar Zebrastreifen gibt es. Kein Vergleich zu den gefährlichen Straßen im Rest des Landes, die oft eng, kurvig und voller Schlaglöcher sind.  Für das Dorf Peddakunta bedeutet der vierspurige Highway allerdings das Grauen.

Die Straße führt mitten durch die Ortschaft - und die hat inzwischen fast alle männlichen Einwohner durch Unfälle verloren. In der Region ist Peddakunta nur noch als das "Dorf der Witwen" bekannt.

Auf der einen Seite vom Highway 44 stehen die Häuser von Peddakunta, auf der anderen Seite befindet sich die Dorfverwaltung. Nur dort bekommen die Bewohner Rente oder finanzielle Unterstützung, nur dort können sie Jobangebote aus anderen Dörfern finden. Und ganz offenbar ist es dort Männersache, die Behördengänge zu erledigen.

Frauen, Kinder und Alte leben hier noch

Seit die Straße vor neun Jahren gebaut wurde, starben etwa 25 Männer bei dem Versuch, sie zu überqueren. Heute leben in den Hütten der 35 Familien von Peddakunta nur noch Frauen, Kinder und Alte - und ein Mann im besten Alter.

Die 23 Jahre alte Kurra Asli hält ein ausgeblichenes Schwarzweißfoto ihres Ehemanns in die Höhe. "Er starb beim Überqueren der Straße, ebenso mein Bruder und mein Vater", sagt sie bitter. "In unserer Familie gibt es keinen einzigen Mann mehr, der sich um uns kümmert". Eine andere Witwe zeigt ein Schwarzweißbild von ihrem Mann, wie er mit zertrümmertem Fuß tot auf der Straße liegt.

"Niemand hilft uns"

Seit Jahren bitten die Bewohner von Peddakunta darum, eine Fußgängerbrücke zu bauen oder die vierspurige Straße zu untertunneln. Doch alle Bitten und Anträge blieben ungehört, wie die Witwen berichten. "Niemand hilft uns, sie kommen, machen Fotos oder Videos und gehen wieder - und nichts passiert", klagt K. Maani, die ihre drei Kinder allein durchbringen muss.

Die 38-Jährige kocht gerade auf einem Lehmherd das Essen für ihre Familie. Geld für einen Gasherd hat sie nicht, geschweige denn für ein Badezimmer. "Wir haben niemanden, der uns unterstützen könnte", sagt sie.

Neu Delhi will Verkehrsregeln verschärfen

Jährlich sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation mehr als 230.000 Menschen bei Verkehrsunfällen in Indien. Neben dem schlechten Zustand vieler Straßen geben Experten dem unzureichenden Fahrtraining und dem waghalsigen Fahrstil vieler Inder eine Mitschuld.

Wenigstens hier will die Regierung in Neu Delhi Abhilfe schaffen, ein Gesetzentwurf verschärft die bisher laxen Verkehrsregeln deutlich. Dass damit dem "Dorf der Witwen" geholfen wird, ist allerdings zweifelhaft.

kis AFP

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