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Asteroiden-Einschlag: Astronomen sammeln Bruchstücke ein

Vor einem halben Jahr zerbrach er beim Eintritt in die Erdatmosphäre über der Nubischen Wüste. Jetzt haben Wissenschaftler die Überbleibsel eines Steinmeteoriten eingesammelt. Sie könnten Hinweise auf Prozesse liefern, in denen die Erde und ihre Geschwisterplaneten entstanden sind.

In den frühen Morgenstunden des 7. Oktober 2008 erhellte ein gleißender Feuerball den Wüstenhimmel über dem Nord-Sudan. Ein 80 Tonnen schwerer Steinmeteorit war nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre in 37 Kilometern Höhe spektakulär zerplatzt. Der lastwagengroße Brocken mit der Bezeichnungen 2008 TC3 war der erste Asteroid, den Astronomen schon vor der Kollision mit der Erde entdeckt hatten - wenn auch nur 19 Stunden vorab. Unklar war lange, ob von dem kosmischen Geschoss Bruchstücke zum Erdboden fielen oder es komplett verglüht war.

Im britischen Fachjournal Nature beschreiben Forscher um Peter Jenniskens vom kalifornischen SETI-Institut in Mountain View nun, wie sie nach Überbleibseln des Meteoriten gefahndet haben. Mehrere Tage lang stöberten die Wissenschaftler über eine Strecke von 29 Kilometern im Sand der Nubischen Wüste - unterstützt von Studenten der Universität Khartum. Mit Erfolg: Insgesamt 47 Bruchstücke sammelten sie auf. Diese Meteoriten bringen es zusammen auf 3,95 Kilogramm Gewicht.

Ein Stück des frühen Sonnensystems

"Das war die außergewöhnliche Gelegenheit, zum ersten Mal Stücke eines Asteroiden ins Labor zu bringen, den wir schon im All gesehen haben", sagt Jenniskens. Aus ihren Aufnahmen von dem heranrasenden Brocken errechneten die Forscher, dass der Asteroid einen Durchmesser von etwa vier Metern hatte. Der Gesteinsanalyse zufolge gehören seine Überreste zu den sogenannten Achondriten. Das sind Gesteinsmeteorite, die sich aus dem ursprünglichsten Material des Sonnensystems geformt haben.

Diese Materie wurde im Laufe der vergangenen 4,5 Milliarden Jahre kaum verändert. Der Asteroid habe somit ein Stück des frühen Sonnensystems auf die Erde gebracht, sagen die Wissenschaftler. "2008 TC3 könnte als Rosetta-Stein dienen, der uns entscheidende Hinweise auf die Prozesse liefert, in denen die Erde und ihre Geschwisterplaneten entstanden sind", hofft Jenniskens SETI-Kollege Rocco Mancinelli.

Der Asteroid bestand aus ungewöhnlich feinkörnigem, porösem und zerbrechlichem Material, wie es in den Meteoritensammlungen der Forscher weltweit bislang nicht vorkommt. Spektroskopischen Messungen und der Gesteinsanalyse zufolge gehörte 2008 TC3 zu einer wenig erforschten Klasse von Asteroiden. "Klasse-F-Asteroiden waren lange ein Rätsel", erläutert SETI-Planetenforscherin Janice Bishop. "Astronomen haben zwar mit Teleskopen deren einzigartige Spektraleigenschaften gemessen, aber vor 2008 TC3 gab es keine korrespondierende Meteoriten-Klasse, keine Steine, die wir im Labor untersuchen konnten."

Keine Gefahr für die Erde

Der Asteroid 2008 TC3 war mit dem Catalina Sky Survey entdeckt worden, der mit automatischen Teleskopen nach Kometen und Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde sucht. Ziel ist es, potenziell gefährliche Asteroiden möglichst früh zu entdecken. So soll noch Zeit bleiben, um sich auf Einschläge vorzubereiten oder sie gar abzuwehren. Bei dem Asteroiden, der über der Nubischen Wüste zerbrach, war das aber nicht nötig: Trotz seiner 80 Tonnen und seines Durchmessers von vier Metern war er einfach zu klein und stellte daher keine Gefahr für die Erde da, wie Astronomen betonen. Das Wissen um die Zusammensetzung der Klasse-F-Asteroiden könne sich möglicherweise aber einmal als nützlich für die Abwehr gefährlicher derartiger Geschosse erweisen.

Jedes Jahr regnen im Schnitt etwa 10.000 Tonnen Material aus dem All auf die Erde. Das meiste davon allerdings in Form winziger Körnchen, die in der Erdatmosphäre verglühen. Meteoriten, die auf die Erdoberfläche fallen, tragen nur wenige Prozent bei. Zudem droht etwa alle 500.000 ein katastrophaler Einschlag eines mehrere hundert Meter großen Brockens – allerdings rein statistisch gesehen.

DPA / DPA
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