Astronomie Riesiger Feldstecher für die Sterne


Auf einem Berg in Arizona steht das weltweit größte Einzelteleskop. Zwei riesige Sammelspiegel von jeweils 8,4 Metern Durchmesser ermöglichen einzigartige Blicke auf weit entfernte Sterne und Planeten.

Heidelberger Astronomen haben einen Traum. Sie wollen die erste Sternengeneration im Universum erkunden. Ein gigantischer Feldstecher wird den Himmelsforschern des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA) und weiteren Wissenschaftlern dafür bald zur Verfügung stehen: Das Large Binocular Telescope (LBT). Am Mittwoch stellten die Astronomen in Heidelberg das gewaltige Teleskop vor.

"Plastischer" Blick möglich

Das Instrument auf einem Berg im US-Staat Arizona gilt als weltweit größtes Einzelteleskop und ist mit zwei riesigen Sammelspiegeln von jeweils 8,4 Metern Durchmesser versehen. Zusammen spannen sie eine Fläche von 110 Quadratmetern auf. Die beiden Spiegel sind auf einem gemeinsamen Bau installiert und so gleichzeitig wie bei einem Feldstecher auf die Himmelskörper ausgerichtet. Damit können die fernen Sterne binokular, also wie mit beiden Augen plastisch gesehen werden. "Es ist unser Traum, diese erste Sternengeneration zu beobachten und zu analysieren", betonte MPIA- Direktor Hans-Walter Rix. "Mit dem LBT haben wir hierfür eine Chance."

Mit dem gigantischen Feldstecher ließe sich nach Berechnungen der Forscher das Licht einer brennenden Kerze noch in 2,5 Millionen Kilometern Entfernung nachweisen. Erwartet werde, dass das Teleskop eine bis zu zehn Mal so hohe Bildschärfe wie das Weltraumteleskop "Hubble" erreichen wird, sagte Rix.

Ein Viertel der Beobachtungszeit für Heidelberg

Das Teleskop wurde von einem internationalen Konsortium in einem Zeitraum von acht Jahren geplant und gebaut. Fünf deutsche Institute unter der Leitung des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Astronomie sind zu einem Viertel an dem Projekt beteiligt. Die deutschen Wissenschaftler waren vor allem für die Ausrüstung des Teleskops mit neuen Messgeräten und damit dem Gehirn des LBT zuständig, wie Institutsmitarbeiter Axel Quetz berichtete. Ein weiteres Viertel halten italienische Forscher, und die Hälfte des Projektes betreuen Institute in den USA.

Neben dem Heidelberger Institut haben Max-Planck-Institute in Garching und Bonn sowie das Astrophysikalische Institut Potsdam und die Landessternwarte Heidelberg an dem Gemeinschaftsprojekt mitgearbeitet. Am 16. Oktober soll das Large Binocular Telescope eingeweiht werden. Die Inbetriebnahme erfolgt dann in weiteren Teilschritten.

Die 120 Millionen Dollar (knapp 100 Millionen Euro) teure Beobachtungsstation steht auf dem 3190 Meter hohen Mount Graham in Arizona. Auf dem Berg stören weder die Lichter einer Großstadt, noch der Wasserdampf oder Staub in der Atmosphäre die Beobachtung. Durch ihren 25-prozentigen Anteil an den Kosten haben sich die fünf deutschen Institute nach Angaben des Projektwissenschaftlers Thomas Herbst auch ein Viertel der Beobachtungszeit gesichert.

Planeten anderer Sterne gesucht

Neben der Jagd nach den ersten Sternen im Universum wollen die Forscher vor allem nach Planeten Ausschau halten, die andere Sterne als unsere Sonne umkreisen - und sonst einfach die Augen offen halten: "Wir haben uns zwar einige konkrete Programme vorgenommen, aber neuartige Teleskope eröffnen auch immer wieder ungeahnte Möglichkeiten, wie wir beim Weltraumteleskop 'Hubble' gesehen haben", versichert Institutsdirektor Thomas Henning.

Bernd Glebe/DPA DPA

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