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Wie ein Air-France-Pilot einem Ufo begegnete

Seit die französische Raumfahrtbehörde ihr Ufo-Archiv ins Netz gestellt hat, können Verschwörungstheoretiker und Wissenschaftler nachlesen - von Ufos, die sich als Rauchbomben entpuppten, aber auch von drei Piloten, denen ein 250 Meter breites linsenförmiges Objekt begegnete.

Von Astrid Mayer

Ein Mann, der 11.700 Meter überm Erdboden ein riesiges, linsenförmiges Objekt auf sein Flugzeug zukommen sieht, weiß, dass er das besser nicht an die große Glocke hängen sollte. Schon gar nicht, wenn er Air-France-Pilot ist, seinem Arbeitgeber also seine Zurechnungsfähigkeit und Zuverlässigkeit sehr am Herzen liegt. Jean-Charles Duboc stand zwar Todesängste aus an diesem 28. Januar 1994, und seine Co-Pilotin samt einem Stewart mit ihm, als die A320-Maschine ziemlich nah an dem bräunlichen Objekt vorüberzog. Aber sie einigten sich darauf, das lieber nicht herumzuerzählen. Sie waren keine Fans von Ufologen-Kongressen.

Bis sie zufällig hörten, dass die Radarstation der französischen Armee genau an jenem Tag am frühen Nachmittag über dem französischen Luftraum ein riesiges Flugobjekt geortet hatte, das nicht identifizierbar war. Dann packten sie aus. Das Objekt habe auch aus der Nähe keine klare Form gehabt beziehungsweise sie dauernd geändert - und sei dann auf einmal weg gewesen, wie dematerialisiert.

6000 gesichtete Ufos

Die rotbraune Linse mit einem Durchmesser von 200 bis 300 Metern ist einer der spektakulärsten Fälle, die in den Archiven der französischen Raumfahrtbehörde CNES zu finden ist. Die 100.000 Seiten werden gerade online gestellt - eine Fundgrube für Ufologen und Science-Fiction-Interessierte.

Oder für seriöse Wissenschaftler, denn die insgesamt 6000 Fälle von seit 1954 über Frankreich gesichteten Ufos sind akribisch aufgearbeitet worden. Die CNES richtete dafür 1977, auf dem Höhepunkt der Star-Trek-Manie und mit dem Segen des damaligen Staatschefs Charles de Gaulle, eigens ein Forschungsinstitut ein.

Die institutseigenen Experten waren fast sofort zur Stelle, nachdem Anfang 1981 ein Südfranzose in seinem Garten gesehen hatte, wie eine Art Schüssel mit Deckel landete und ziemlich schnell wieder abhob - fast direkt neben ihm. Der erschrockene Hobby-Gärtner berichtete der Polizei von einem Objekt mit etwa zweieinhalb Meter Durchmesser. Die Experten nahmen Erdproben mit und ein paar lädierte Pflanzen.

Der Beweis für außerirdisches Leben?

Die Auswertung hat den damaligen Leiter der Forschungsstelle ziemlich durcheinander gebracht, denn der war bis dahin wenig geneigt gewesen, an die Existenz Außerirdischer zu glauben. Aber die schienen dann doch die beste Erklärung für die 600 Grad Celsius und das starke elektromagnetische Feld, denen der Fleck Erde ausgesetzt worden war. Und für die Spuren von Phosphat und Zink, die sich an der Stelle fanden, sowie für die Tatsache, dass die Stelle dem Druck eines um die 600 Kilo wiegenden Körpers ausgesetzt gewesen war.

Es ist ja keineswegs so, dass der französischen Raumfahrtbehörde daran gelegen wäre, die Existenz von Außerirdischen zu beweisen oder bezüglich ihrer Ufo-Forschungen allzu viel von sich reden zu machen. Der erste Leiter der GEIPAN, der sich dazu bekannte, gelegentliche Besuche Außerirdischer auf unserem Planeten nicht mehr für ausgeschlossen zu halten, wurde ganz schnell kalt gestellt. Zwei Drittel der 6000 gemeldeten Vorfälle gelten denn auch als vollständig oder höchstwahrscheinlich erklärbar.

Ein Ufo entpuppte sich als Rauchbombe

Ganz einfach war es bei den Fotos von drei hintereinander fliegenden Untertassen: Der Jugendliche hatte die Silhouetten auf sein Fenster geklebt und dann durchs Fenster den Himmel fotografiert.

Etwas schwieriger und langwieriger gestalteten sich die Recherchen, als zwei Bauern 1985 beinahe von einem etwa 60 Zentimeter langen Metallzylinder erschlagen wurden, der sich, aus der Luft kommend, neben ihnen in den Boden rammte. Es brauchte ein paar Jahre, bis man darauf kam, dass es sich um eine deutsche Rauchbombe aus dem zweiten Weltkrieg gehandelt hatte, die vierzig Jahre nach Kriegsende los- und in die Luft gegangen war.

Der jetzige Leiter der Forschungsstelle GEIPAN, Jacques Patenet, sieht seine Mission ganz leidenschaftslos und glaubt nicht, dass Ufologen auf seiner Homepage sensationelle Entdeckungen machen werden. Er will eigentlich bloß, sagt er, "dass Ufos ein ganz normales Studienobjekt werden. An das man herangeht ohne blinden Glauben und ohne Vorurteile."

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