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Kinder-Hospiz: Die "Sternenbrücke" für aufgegebene Kinder

Am 1. Mai ist Tag der offenen Tür in Hamburgs erstem Kinder-Hospiz. Seit fast einem Jahr werden dort unheilbar kranke Kinder und ihre Familien begleitet. Die meisten der todkranken Kinder leiden an seltenen Muskel- und Stoffwechselerkrankungen, einige haben Krebs.

Zuversichtlich blinzelt Pauline aus ihrem bunten Rollstuhl in die Sonne. Das vierjährige Mädchen ist schwerstbehindert und war vor elf Monaten als erste Patientin mit einer Lungenentzündung in das Kinder-Hospiz "Sternenbrücke" gekommen, denn die Ärzte sahen für sie praktisch keine Überlebenschance. Pauline hat gekämpft und überlebt. Jetzt sucht Hospiz-Chefin Ute Nerge eine Pflegefamilie für Pauline. Die meisten Kinder sind nur für wenige Wochen in der "Sternenbrücke".

Sterben ist noch immer ein Tabu-Thema

Am 1. Mai ist Tag der offenen Tür in Hamburgs erstem Kinder- Hospiz, das demnächst ein Jahr alt wird. "Wir möchten Familien und auch den zahlreichen Spendern an diesem Tag die Chance geben, die Hemmschwelle zu überwinden, hierher zu kommen und unser Haus von innen zu sehen", sagt die gelernte Kinderkrankenschwester Ute Nerge. Dass auch Kinder sterben, wenn sie unheilbar krank sind, wird meistens verdrängt.

Die betroffenen Familien sind in dieser Situation meist ganz allein, weil Sterben immer noch ein Tabu-Thema ist. Kinder-Hospize wie die "Sternenbrücke" in Hamburg-Rissen helfen aktiv: Seit fast einem Jahr werden dort unheilbar kranke Kinder und ihre Familien begleitet. Die meisten der todkranken Kinder leiden an seltenen Muskel- und Stoffwechselerkrankungen, einige haben Krebs.

Bundesweit gibt es nur vier Kinder-Hospize

Bundesweit gibt es mit der "Sternenbrücke" vier Kinder-Hospize, die auch die Angehörigen mit aufnehmen. Das besondere in Rissen ist, dass hier die Familien nicht nur Betreuung in der letzten Lebensphase der Kinder erhalten, sondern auch selbst für maximal vier Wochen eine Art Urlaub in der "Sternenbrücke" machen können. "Weihnachten waren wir als einziges Kinder-Hospiz ausgebucht, weil die Familien sich bei uns so geborgen fühlen", sagt Ute Nerge glücklich. Für die Familien wird hier das Alleinsein und die Isolation gelindert. Bisher sind in der Sternenbrücke vier Kinder gestorben, aber insgesamt wurden 153 Kinder und ihre Angehörigen betreut.

Die "Sternenbrücke" fühlt sich nicht an wie ein Krankenhaus. Im Gegenteil, auf dem 40 000 Quadratmeter großen Parkgrundstück herrscht eine offene, freundliche Atmosphäre. Die Räume sind gelb gestrichen, es gibt viele Kuscheltiere und einen großen Spielplatz. Ute Nerge ist eines besonders wichtig: "Die Familien können unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten kommen. Unser Haus ist für alle da, die unsere Unterstützung in dieser schweren Zeit brauchen." 340,- Euro pro Tag kosten Betreuung, Unterkunft und Pflege im Kinder-Hospiz. Etwa 70 Prozent davon werden von den Kranken- und Pflegekassen bezahlt, der Rest wird über Spenden finanziert.

Insgesamt zwölf Kinder und deren Familien können gleichzeitig im Hospiz leben. "Die Familien lernen sich kennen und unterstützen sich gegenseitig", sagt Nerge. In der "Sternenbrücke" gibt es viele Orte der Kommunikation: ein Spielzimmer, einen Kaminraum, eine Gemeinschaftsküche und einen besonderen Raum zur Entspannung mit Wasserbett, Musik und Sternenhimmel. 17 Kinderkrankenschwestern, ein Schmerztherapeut, eine Sozialpädagogin, ein Psychologe und ein Trauerbegleiter stehen Kinder und Eltern Tag und Nacht zur Seite.

Von Nicola Korte, DPA

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