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Leonardo da Vinci: Ist die "Mona Lisa" ein Selbstporträt?

Um das Leben von Leonardo da Vinci und sein berühmtestes Werk, die "Mona Lisa", ranken sich viele Geheimnisse. Ist sie vielleicht ein getarntes Selbstporträt des Künstlers und Wissenschaftlers? Wo liegen seine sterblichen Überreste? Diesen Fragen sind Forscher auf der Spur.

Geheimnis umwoben ist sowohl die Todesart Leonardo das Vincis als auch die Identität der Frau, die der Künstler in seinem Porträt verewigt hat. Beidem wollen Forscher jetzt auf den Grund gehen: Sie haben die Exhumierung seiner angeblichenen letzten Ruhestätte beantragt.

Ob sich in dem französischen Grab tatsächlich die sterblichen Überreste Leonardos befinden, ist nicht geklärt. Leonardo verbrachte auf Einladung des französischen Königs Franz I. seine letzten drei Lebensjahre in Frankreich. Franz ernannte den Italiener zum "ersten Maler des Königs". Leonardo starb 1519 im Alter von 67 Jahren in Cloux, in der Nähe von Franz' Sommerresidenz Amboise. Die Original-Begräbnisstätte des Künstlers, die Palastkirche Saint Florentine, wurde während der Französischen Revolution zerstört. Die Gebeine, von denen man glaubte, es handele sich um die Überreste Leonardos, wurden schließlich in der Saint-Hubert-Kapelle in der Nähe des Schlosses beigesetzt. Heute verkündet ein Grabstein schlicht: "Leonardo da Vinci". Ein Hinweisschild informiert Besucher, dass es sich vermutlich um die sterblichen Überreste des Universalgenies handelt. Auch Reiseführer verkünden dies.

DNA-Tests umstritten

"Das Grab von Amboise ist ein symbolisches Grab. Es ist ein großes Fragezeichen", sagt Alessandro Vezzosi, Direktor des Leonardo-Museums in dessen toskanischer Heimatstadt Vinci. Italienische Wissenschaftler haben einen Antrag auf Exhumierung Leonardo da Vincis bei den französischen Behörden gestellt. Sie wollen unter anderem mit Hilfe der Radiokarbon-Methode das Alter der Knochen bestimmen und DNA-Tests durchführen. Vezzosi geht davon aus, dass Untersuchungen des Grabes Sicherheit bei der Identifizierung der Knochen bringen könnte. Auch andere Fragen wie nach der Todesursache könnte sie beantworten. Vezzosi hatte selbst 2004 um eine Graböffnung gebeten, die die Leitung von Schloss Amboise aber verweigerte. Er bezweifelt aber auch, ob ein DNA-Test wirklich weiterhilft, weil er von keinen direkten Nachfahren Leonardos weiß. Auch Gräber, in denen mit Sicherheit enge Verwandte des Künstlers liegen, sind ihm unbekannt. Damit würde Vergleichsmaterial für einen Gen-Test fehlen.

Der Anthropologe Giorgio Gruppioni ist da optimistischer. Erbgut aus den Knochen könnten Wissenschaftler beispielsweise mit DNA-Spuren aus anderen Quellen vergleichen. Einige vermuten, dass Leonardo die Farbe mitunter auch mit seinem Daumen auf die Leinwand aufgetragen und dabei vielleicht auch seine eigene Spucke benutzt hat. Mit etwas Glück könnten die Forscher Leonardos DNA dort finden. Eine allerdings recht vage Hoffnung, wie Gruppioni einräumt.

Aber selbst wenn keine DNA-Tests möglich sein sollten, würden andere Untersuchungen wichtige Informationen liefern, erläutert der Forscher. Denn sie könnten zum Beispiel klären, ob die Knochen zu einem Mann oder einer Frau gehörten, und ob der Tote jung oder alt war, als er starb. "Wir können verschiedene Grade von Wahrscheinlichkeit in der Zuordnung der Knochen erreichen", sagt Gruppioni. "Um eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit zu erreichen, sind DNA-Tests notwendig." Er ist einer von rund 100 Experten, die sich in dem 2003 ins Leben gerufenen Projekt "Nationales Komitee für das Historische und Künstlerische Erbe" zusammengeschlossen haben. Ziel der Expertengruppe ist es, die "großen Rätsel der Vergangenheit zu lösen", wie der Vorsitzende Silvano Vinceti erklärt.

Wer war "Mona Lisa"?

Auch die "Mona Lisa" gehört zu den großen Rätseln um Leonardo. Bis heute fragen sich Gelehrte, welche Frau auf dem Bild, das heute im Pariser Louvre hängt, porträtiert wurde. Die Spekulationen ranken von der Frau eines Florentiner Kaufmanns bis hin zu Leonardos Mutter. In der "Zeit Online" vermutete Roberto Zapperi, dass die Geliebte Giuliano Medicis, Pacifica di Giovanni Antonio Brandano, Modell stand. Auch von einem Selbstporträt ist mitunter die Rede. So glauben einige, dass Leonardos Vorliebe für Streiche und Rätsel den Maler dazu gebracht haben könnte, seine eigene Identität hinter dem mysteriösen Lächeln der Mona Lisa zu verbergen. Andere vermuten, dass der Künstler in dem Gemälde einen androgynen Liebhaber verewigt hat - vorausgesetzt, Leonardo war wirklich homosexuell.

Untersuchen die Experten tatsächlich die Knochen, dürften sie auch nach der Todesursache forschen. Tuberkulose oder Syphilis beispielsweise würden signifikante Spuren in der Knochenstruktur hinterlassen, erklärt Vinceti. Sollte der Schädel gut erhalten sein, will die Expertengruppe ihn mit einem Computertomographen untersuchen und das Gesicht rekonstruieren, erläutert Francesco Mallegni. Der Anthropologe hat sich auf die Rekonstruktion von Gesichtern spezialisiert und schon mehreren berühmten toten Italienern wieder ein Gesicht verliehen. Die Forscher könnten mit modernsten Techniken zunächst ein virtuelles Bild des Gesichts rekonstruieren und später ein Modell anfertigen. Das würde bei der Frage helfen, ob die "Mona Lisa" Ähnlichkeit mit ihrem Maler hat und die Frage klären, ob sie ein Selbstbildnis ist.

DDA
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