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Ratgeber: Profis für die Seele

Die Angst vor dem ersten Gang zum Psychotherapeuten ist groß, das Angebot unüberschaubar. Was ist ein guter Therapeut? Wann braucht man einen? Wie findet man ihn? Was zahlt die Kasse? Ein Wegweiser.

Es ist bereits die 83. Sitzung, als Heike K. zum ersten Mal wagt, den Therapeuten nach den Aussichten der Behandlung zu fragen. Monatelang hatte er ihr jede Woche verständnisvoll zugehört, wenn sie von ihren unerträglichen Panikattacken, ihrer Kindheit und inneren Konflikten berichtete. Durch intensives Zuhören, Fragen und tiefes Vordringen in ihre Lebensgeschichte, so hatte ihr der Psychoanalytiker erklärt, werde er die verborgenen Gründe der plötzlichen Angstanfälle erkunden. Ein unumgänglicher Prozess, ohne den es nicht gelingen werde, ihre Probleme zu lösen. "Lassen Sie sich erst einmal Zeit", wiegelt er ab, als Heike K. auf rasche Beendigung ihrer Qualen drängt, "und legen Sie die Latte nicht zu hoch."

Da leuchten die Alarmlämpchen

Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Berliner Universitätsklinikum Charité, sieht das ganz anders. "Ein Therapeut, der so etwas sagt, würde bei mir alle Alarmlämpchen zum Leuchten bringen." Immer deutlicher zeichne sich inzwischen nämlich ab, dass jahrelange Behandlungen ohne klaren Arbeits- und Zeitplan auf Dauer nur einem nützen - dem Therapeuten. Je treuer der Patient, desto besser für die Praxis. Wer seine Patienten derart einlulle, begehe einen groben Verstoß gegen die Regeln der Kunst, ärgert sich die Medizinerin und Psychologin - selbst viele schwere psychische Störungen lassen sich mit modernen, strukturierten Verfahren oft schon nach wenigen Wochen Therapie gut in den Griff bekommen. Gerade bei Menschen, die psychisch instabil sind, warnt ihr Kollege Wolfgang Senf von der Universität Essen, kann Psychotherapie auch "manipulativ missbraucht werden, da sie tief in die Strukturen von Menschen eingreift, sie beeinflusst oder abhängig machen kann".

Wie real diese Gefahr ist, hat vor einigen Jahren die Journalistin Heike Zafar anhand zahlreicher Fälle psychischer Schädigung durch vermeintliche Psychotherapie in ihrem Buch "Du kannst nicht fließen, wenn dein Geld nicht fließt" aufgezeigt. Viele der Opfer hatten wegen Überlastung im Job oder Problemen in der Partnerschaft Hilfe in einer therapeutischen Praxis gesucht - und endeten nach mehrjähriger Behandlung als Sozialhilfefall und in der Psychiatrie.

Was kann mir denn helfen?

Hilfsbedürftige stehen allerdings vor einem Dilemma: Welche Therapien wirklich helfen, ist für den Laien kaum zu erkennen. Denn der Blick auf wirkungsvolle Behandlungsformen ist durch einen dschungelartig ausgewucherten Graumarkt der Psychotechniken verstellt: Wer soll schon wissen, dass Urschrei- und Farbtherapie, Rebirthing und Psychosynthese nach Ansicht vieler psychotherapeutisch tätiger Mediziner Unsinn sind, Gestalttherapie und systemische Familientherapie aber durchaus als respektable Verfahren gelten?

Mitschuld an der Misere trägt die lange vorherrschende Aufteilung der Psychotherapie in rivalisierende Schulen - tiefenpsychologisch und psychoanalytisch orientierte Verfahren auf der einen, Verhaltenstherapie auf der anderen Seite. Von den vielen Therapierichtungen, die es heute gibt, sind diese drei die einzigen, die seit Einführung des Psychotherapeuten-Gesetzes 1999 von den Krankenkassen akzeptiert werden. Dass gerade diese Behandlungsmethoden ausgewählt wurden, hat weniger nutzenorientierte als vielmehr historische Gründe. Die Freudsche Psychoanalyse und die tiefenpsychologischen Verfahren, etwa von Carl Gustav Jung, fanden vor allem bei Medizinern Anhänger. Im jahrelangen Gezerre um das Gesetz waren es vor allem sie, die für diese Verfahren kämpften. Die Verhaltenstherapie dagegen ist ein Kind der Psychologie, mittlerweile aber bei den Medizinern voll anerkannt. Die Psychoanalyse tritt mehr und mehr in den Hintergrund. Bei Tests über die Wirksamkeit von Behandlungen erzielt die Verhaltenstherapie immer wieder die Bestnoten. Deshalb wurde sie beim Verfassen der Psychotherapie-Richtlinien mit in den Katalog aufgenommen.

Auf den Erfolg kommt es an

Ein Arzt oder Psychologe, der in der Behandlung seelischer Leiden trainiert werden möchte, hat sich seither für eine Richtung zu entscheiden. Zwar erfährt er in seinem Studium viel über die Techniken der anderen, doch fehlen ihm die jeweiligen praktischen Erfahrungen. Dabei sind sich viele Experten inzwischen längst einig: Ob die Elemente ein er Behandlung aus der Psychoanalyse oder der Verhaltenstherapie stammen, ist völlig gleichgültig. Auf den - nachweisbaren und nachhaltigen - Erfolg kommt es an. Immerhin, sagt Isabella Heuser, bricht sich diese Erkenntnis inzwischen zunehmend in Kliniken und Praxen Bahn. "Die Therapieschulen wachsen zusammen und fangen an, mehr auf Erfolgskontrolle zu setzen als auf wolkige Theorien."

In der Tat hat sich das Bild von vielen seelischen Leiden und auch ihre Therapie in den vergangenen Jahren erheblich gewandelt. Während beispielsweise die Agoraphobie, also die Angst vor großen Plätzen, noch vor 40 Jahren zu den sehr schwer behandelbaren Störungen zählte und die Patienten in großer Zahl psychiatrische Kliniken bevölkerten, haben sie heute eine günstige Prognose. Auch depressive Störungen - nach Angststörungen die in Deutschland meistgestellte Psycho-Diagnose - können heute so behandelt werden, dass sich die Beschwerden nach einem überschaubaren Zeitraum bessern und zumindest seltener und weniger schwerwiegend werden.

Langjährige Therapie ist nicht nötig

Die von vielen psychoanalytischen Therapeuten vertretene Auffassung, schwer gestörte Patienten bräuchten eine langjährige Therapie, sei "eindeutig widerlegt", resümierte der renommierte Psychologieprofessor Klaus Grawe von der Universität Bern schon vor einigen Jahren, nachdem er in einer viel beachteten Untersuchung fast 900 Studien zur Wirksamkeit von Psychotherapie unter die Lupe genommen hatte. Seelenheiler, bei denen die Mehrzahl ihrer Therapien länger als 40 Sitzungen dauert, seien entweder "Opfer einer falschen Ausbildung und/oder einer selbst produzierten Realitätsverzerrung", schloss Grawe.

Auffällig ist, dass heute - trotz Psycho-Boom - beispielsweise nur ein Zehntel der etwa vier Millionen depressiven Deutschen die Hilfe erhalten, die sie brauchen. Kritiker wie Isabella Heuser wollen jedoch die Schuld nicht allein den Therapeuten in die Schuhe schieben. Die Versorgung krankt ihrer Ansicht nach auch daran, dass die Deutschen noch völlig falsche Vorstellungen von einer erfolgreichen Behandlung haben. "Gute Psychotherapien sind keine Veranstaltung, bei der man ein- bis zweimal die Woche seine Sorgen abladen kann, sondern bedeuten für den Patienten immer auch Arbeit."

Das Gehirn muss aktiviert werden

Darauf deuten nicht zuletzt jüngere Erkenntnisse der Neurowissenschaften hin. Neue bildgebende Verfahren ermöglichen Forschern, dem Hirn beim Denken zuzuschauen - und schaffen so eine neue Sicht auf unsere Seele. Für Klaus Grawe ist absehbar, dass diese Erkenntnisse zu einem tief greifenden Umschwung in der Psychologie führen werden. "Das Gehirn", fasst der Berner Psychologieprofessor die Ergebnisse von Untersuchungen an Personen mit Angststörungen und Depressionen zusammen, "muss in der Therapie auf sehr systematische und spezifische Weise aktiviert werden." Beispielsweise, indem man den Patienten scheinbar brutal mit seiner Angst konfrontiert, sein Gehirn aber gleichzeitig in einen möglichst angstfreien Zustand versetzt. "Und das geht ganz gewiss nicht durch freies Assoziieren auf der Couch." Das Allheilmittel für jedermann wird es auch in Zukunft nicht geben. Wichtiger ist vielmehr, dass der Therapeut gemeinsam mit dem Patienten einen Behandlungsplan entwickelt, der auf dessen individuelle Bedürfnisse und Probleme zugeschnitten ist. Wer Erfolge sehen will, rät Heuser, sollte zu Beginn einer Behandlung mit dem Therapeuten Ziele fest legen und nach den Chancen und Risiken der Behandlung fragen. Schließlich, so die Medizinerin, tun wir das bei anderen Krankheiten ja auch: "Wer würde sich sein Knie operieren lassen, ohne zu wissen, was dabei gemacht wird und wann er wieder normal gehen kann?"

Welche Therapie ist die richtige?

Der Begriff "Psychotherapie" ist gesetzlich nicht geschützt. Im Prinzip kann deshalb hierzulande jeder psychotherapeutische Behandlung anbieten, entsprechend viele unseriöse Heiler tummeln sich auf dem Markt. Hilfesuchende sollten deshalb genau prüfen, wem sie sich anvertrauen möchten, und sich nicht scheuen, den Therapeuten direkt nach dessen Ausbildung zu fragen.

Experten empfehlen, sich an die staatlich anerkannten "Psychotherapeuten" zu halten. Diese Berufsbezeichnung ist seit 1999 gesetzlich geschützt und stellt eine Art Gütesiegel dar. Den Titel dürfen nur drei Berufsgruppen führen

> Ärzte

, die nach ihrem Medizinstudium eine mehrjährige Facharztausbildung absolviert haben. Die entsprechende Zusatzausbildung führt zum Titel Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (also nicht allein: "Facharzt für Psychiatrie"!). Seit 1992 gibt es zudem den Facharzt für Psychotherapeutische Medizin. Hierbei ist die Psychotherapie zentraler Bestandteil der Ausbildung, allerdings auf einer eher allgemein-medizinisch als psychiatrisch orientierten Basis. Schwerpunkt dieser Fachärzte sind insbesondere psychosomatische Erkrankungen - körperliche Leiden also, von denen man annimmt, dass sie durch seelische Ursachen mitbedingt sind. Auch Ärzte jeder anderen Fachrichtung können eine psychotherapeutische Zusatzausbildung absolvieren und dürfen sich dann als Psychotherapeut bezeichnen. Sie führen den Zusatztitel Psychotherapie zu ihrer eigentlichen Facharztbezeichnung.

> Diplompsychologen

, die ein Hochschulstudium der Psychologie sowie eine mindestens dreijährige psychotherapeutische Zusatzausbildung abgeschlossen haben und eine staatliche Approbation besitzen. Wie die ärztlichen Psychotherapeuten können sie über die Chipkarte direkt mit der Krankenkasse abrechnen. Psychologische Psychotherapeuten verwenden keine Medikamente, zum einen, weil ihr Behandlungsansatz in der Regel mehr auf psychologische Methoden setzt, wie etwa das gezielte Einüben neuer Verhaltensweisen. Hinzu kommt: Da sie keine Mediziner sind, dürfen sie ihren Patienten keine Arzneimittel verschreiben.

> Ein Sonderfall sind die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.

Auch sie haben eine mehrjährige, psychotherapeutische Zusatzausbildung absolviert. Sie müssen weder Medizin noch Psychologie studiert haben. Ihre Grundausbildung kann auch in einem Pädagogik- oder Sozialpädagogikstudium bestehen. Wer aufgrund dieser Ausbildung die Berufszulassung (Approbation) erhält, darf Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 21 Jahren behandeln, ist aber nicht berechtigt, Medikamente zu verordnen.

Was die Kasse zahlt

Alle staatlich anerkannten Psychotherapeuten verfügen zwar über eine Approbation, einige haben aber keine Zulassung für die Abrechnung ihrer Leistungen mit den Krankenkassen. Der Patient muss seine Therapie in diesem Fall aus der eigenen Tasche bezahlen. Gesetzlich Versicherte sollten daher möglichst vor dem ersten Praxisbesuch klären, ob der Psychologe oder Arzt ihrer Wahl Vertragstherapeut der Krankenkassen ist und die vorgelegte Chipkarte akzeptiert. Von den Kassen übernommen werden nur die Kosten für analytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Verhaltenstherapie. Weitere Methoden, darunter auch wissenschaftlich weithin anerkannte wie Gesprächspsychotherapie, Gestalttherapie und systemische Familientherapie können bei ambulanter Behandlung nicht abgerechnet werden. Da die Versicherungen nur für die Behandlung von Störungen mit Krankheitswert aufkommen, zählen auch Lebens-, Ehe- und Erziehungsberatung nicht als Kassenleistung.

Wie die Therapien aussehen

> Analytische Psychotherapie ("Psychoanalyse"):

Diese Therapieform geht davon aus, dass seelische Probleme und Störungen Ausdruck von Konflikten und Traumatisierungen in früher Kindheit sind, die unzureichend verarbeitet wurden. Mit dem Patienten spürt der Therapeut in Gesprächen auf, welche unbewussten Konfliktmuster den aktuellen Problemen des Betroffenen zugrunde liegen. So soll der Patient nicht ausreichend bewältigte, frühere Entwicklungsschritte nachholen und eine weitgehende Änderung der Persönlichkeit erreichen. Die Psychoanalyse ist das längste und aufwendigste Psychotherapie-Verfahren. Ein- bis dreimal, mitunter viermal wöchentlich sucht der Patient den Analytiker auf, und das mehrere Jahre lang. Höchstgrenze bei den Kassen sind 300 Stunden.

> Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie:

Sie funktioniert nach ähnlichen Prinzipien wie die Psychoanalyse, untersucht jedoch auch aktuelle Konflikte. Der Therapeut nimmt dabei vor allem zentrale Lebensprobleme des Patienten in den Blick. Seine Hilfe besteht weniger aus praktischen Handlungsanweisungen als darin, nach Lebenssituationen zu fragen, in denen ähnliche Konflikte aufgetreten sind und die Erzählungen des Patienten zu interpretieren. Dadurch, dass dieser alte und oft verdrängte Gefühle wieder erlebt, kann er sich mit diesen Erfahrungen neu auseinander setzen und mit aktuellen Problemen anders umgehen. Behandlungsdauer: sechs Monate bis zwei Jahre bei ein bis zwei Sitzungen pro Woche. Die Kasse zahlt bis zu 100 Stunden.

> Verhaltenstherapie:

Dieses Verfahren geht davon aus, dass menschliches Verhalten - auch Ängste oder Süchte - erlernt wird und daher auch wieder verändert werden kann. Ziel der Therapie ist es, neue Gewohnheiten aufzubauen - etwa bewusst Kontakt mit Menschen zu suchen, statt sich nach Enttäuschungen zurückzuziehen. Wichtiger Teil der Behandlung ist häufig, sich gezielt mit Situationen zu konfrontieren, die das Problem hervorrufen. Eine große Rolle spielen Hausaufgaben. Etwa: "Gehe heute bis zum zweiten Absatz der Turmtreppe." Im Vergleich zu den beiden anderen Verfahren ist eine Verhaltenstherapie in der Regel nach kurzer Zeit abgeschlossen. Die Kassen zahlen bis zu 80 Stunden.

Leitfaden - So finden Sie die Hilfe, die Sie brauchen

Die Qualität einer Therapie muss über prüfbar sein. Wir haben die wichtigsten Kriterien zusammengestellt. Wenn Sie sich daran orientieren, können Sie feststellen, welches Angebot für Sie geeignet ist.

Einsamkeit, Scheidung, eine schwere Krankheit, massive Konflikte in der Familie - es gibt viele Situationen im Leben, die Menschen in eine Krise stürzen und wochen- oder monatelang mit Gefühlen der Trauer, der Angst oder der Sinnlosigkeit plagen können. Irgendwann gelingt es den meisten Betroffenen, ihre Probleme zu lösen und im Alltag zurecht zukommen. Manch einen aber macht die eigene Seele dauerhaft krank: Fast jeder fünfte Bundesbürger, so schätzen Experten, leidet an einer psychischen Störung wie Depressionen, Angststörungen oder Sucht.

Wo aber liegt die Grenze zwischen krank und gesund?

Wann genügen ein paar Stunden professioneller Lebensberatung, und wann ist eine Psychotherapie nötig, um das eigene Leben besser in den Griff zu bekommen? Der folgende Wegweiser kann eine Orientierung geben, ob fachmännische Hilfe nötig ist und wenn ja, welche.

Wann Sie Hilfe brauchen

Stimmungstiefs, Antriebslosigkeit oder Unruhe müssen nicht immer Symptome einer psychischen Erkrankung sein. Dauern die Befindlichkeitsstörungen jedoch länger als vier bis sechs Wochen an, so ist das ein Signal, dass ein Mensch psychotherapeutische Hilfe braucht. Vor allem dann, wenn die Beschwerden starke Einbußen im täglichen Leben mit sich bringen wie zum Beispiel Schwierigkeiten beim Ausüben des Berufs, beim Schlafen oder beim Essen. Ernstzunehmende Symptome sind > Angstzustände mit körperlichen Begleiterscheinungen wie Herzrasen, Schwitzen oder Schwindel und Beeinträchtigung der eigenen Aktivität,

> wochenlang anhaltende Schlafstörungen, Antriebsarmut und Freudlosigkeit oder dauerhafter Appetitverlust,

> selbstschädigende Verhaltensweisen wie etwa Selbstverletzungen,

> Selbstmordgedanken,

> deutliche Erschöpfbarkeit oder Schmerzen, die keiner körperlichen Erkrankung zugeordnet werden können,

> häufige Wutausbrüche und Aggressivität,

> Hinweise des Partners, von Freunden oder Bekannten, dass man sich deutlich verändert habe. Zum Beispiel, dass man kontaktscheuer, ängstlicher, pessimistischer geworden sei.

Worauf Sie achten sollten

> Bei anhaltenden schweren psychischen Beschwerden sollten Betroffene die erste Diagnose von einem Arzt vornehmen lassen, der über eine psychotherapeutische Zusatzausbildung verfügt. Als Mediziner kann dieser gleich zu Beginn abklären, ob die psychischen Probleme seines Patienten womöglich behandlungsbedürftige, körperliche Auslöser hat, wie etwa eine hormonelle Störung oder eine Hirnerkrankung. Als Psychotherapeuten zugelassene Psychologen sind für medizinische Untersuchungen nicht ausgebildet.

> Etliche Spezialkliniken verheißen die Lösung einer Vielzahl psychischer Probleme durch einen mehrwöchigen Aufenthalt in ihrem Haus. Experten raten jedoch, erst einmal ambulant Hilfe zu suchen. Denn häufig ist es wirksamer, wenn die Betroffenen neu erlernte Techniken direkt im Alltag erproben und einüben können als in einer künstlichen, fremden Umgebung. > Auch Psychotherapeuten haben mitunter Eigeninteressen. So raten manche Psychologen etwa von Medikamenten ab, weil sie sich damit nicht auskennen und diese selbst nicht verschreiben dürfen. Und manch ein Behandler will seinen Klienten von einer mehrwöchigen Therapie überzeugen - obwohl schon ein paar Stunden professionelle Beratung genügen würden. Wer nur ein solches "Coaching" will, sollte daher im Zweifelsfall darauf bestehen, auch genau dieses zu erhalten.

> Machen Sie sich sachkundig. Besorgen Sie sich fundierte Ratgeber-Bücher zu Ihren Problemen. So werden Sie zum aktiven Partner in der Behandlung - eine wichtige Voraussetzung für deren Erfolg.

Tipps für die ersten Gespräche mit dem Therapeuten

Psychotherapie ist keine Behandlung, die mit einem "gemacht" wird. Damit sie Erfolg hat, muss der Betroffene ernsthaft dazu bereit sein, sich mit seinen Problemen auseinander zu setzen und aktiv an deren Lösung mitzuarbeiten.

Doch auch der Therapeut oder die Therapeutin ist gefordert: Wie vor einer Hüftoperation oder einer Zahnbehandlung ist es Ihr gutes Recht, sie oder ihn danach zu fragen, wie die Therapie im Einzelnen verlaufen soll und was am Ende dabei herauskommen wird.

> Fragen Sie den Psychotherapeuten, bei der Behandlung welcher seelischen Störungen er besonders große Erfahrung besitzt.

> Fragen Sie, an welcher Erkrankung Sie genau leiden.

> Erkundigen Sie sich, was genau das Ziel der vorgeschlagenen Behandlung ist.

> Lassen Sie sich erklären, mit welcher Technik der Therapeut arbeitet.

> Fragen Sie ihn auch, woran Sie genau arbeiten werden. Der Therapeut sollte gemeinsam mit Ihnen einen konkreten Behandlungsplan entwickeln.

> Erkundigen Sie sich, ob es Studien gibt, die belegen, dass die vorgeschlagene Therapie funktioniert.

> Klären Sie zu Anfang der Behandlung, ob der Therapeut Medikamente einsetzen möchte und, wenn ja, welche und warum.

> Fragen Sie, ob Sie Hausaufgaben bekommen werden. Das wäre in vielen Fällen gut, damit eine Therapie tatsächlich im Alltag umgesetzt wird.

> Fragen Sie, ob der Therapeut den Fortschritt mit einem so genannten Rating regelmäßig überprüft und dokumentiert. > Treffen Sie eine Zielvereinbarung mit dem Therapeuten. Normalerweise sollte die Behandlung nicht länger als 40 Sitzungen dauern. Nach spätestens 20 Stunden sollten Sie eine deutliche Verbesserung spüren. Ist das auch noch 40 Sitzungen noch nicht der Fall, haben Sie womöglich den falschen Therapeuten erwischt.

Cornelia Stolze / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(