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Schweizer Studie: Familie beeinflusst rechtsextreme Haltung

Aus welchen Gründen entwicklen Menschen eine rechtsextreme Einstellung - und wie lässt sich dies verhindern? Das erforschen Schweizer Wissenschaftler in einem groß angelegten Projekt. Eines der Ergebnisse: Die Familie spielt eine größere Rolle, als oft vermutet wird.

Rechtsextreme Jugendliche werden häufig als gesellschaftliche Verlierer gesehen, um die Ursache für ihr kriminelles Denken und Handeln zu erklären. Nach einer neuen Studie der Universität Zürich sind junge Rechtsextreme aber nicht grundsätzlich "Modernisierungsverlierer". Vielmehr seien es die Familie und das nahe soziale Umfeld, die rechtsextreme und rassistische Handlungen Jugendlicher stark beeinflussten, teilt der Schweizerische Nationalfonds mit.

Sozialpädagogen befragten 26 Jugendliche, die eine rechtsextreme und rassistische Einstellung besitzen und zu gewalttätigen Handlungen neigen, zum Klima in der Familie sowie zum Umgang mit Konflikten, zum Erziehungsstil und zur Qualität der innerfamiliären Beziehungen. Dabei bezogen sie auch sieben Elternpaare, Großeltern und weitere erwachsene Bezugspersonen aus dem Umfeld der Jugendlichen ein. Konstruiert wurden biografische Verläufe und Knotenpunkte, die zur Herausbildung von rechtsextremen Einstellungen führen.

Aus dem Interviewmaterial gewannen die Schweizer Forscher drei unterschiedliche familiäre Muster und biografische Verlaufsformen rechtsextremer Einstellungen und Gewalttaten. In der ersten Verlaufsform übernehmen die Jugendlichen politisch rechte Einstellungen direkt von den Eltern beziehungsweise Großeltern. Erklärungsmuster zwei nennen die Wissenschaftler "Gewalt, Missachtung und Suche nach Anerkennung": Hier spielt die jugendliche Erfahrung von Ohnmacht gegenüber Gewalt innerhalb der Familie eine wichtige Rolle. Bei der dritten Verlaufsform ist für die Jugendlichen der Eindruck prägend, von den Erwachsenen nicht genügend wahrgenommen zu werden. Dies kompensieren sie mit Erfahrungen im einschlägigen Umfeld.

Aus den Ergebnissen schließen die Forscher, dass Jugendliche entgegen den Behauptungen bisheriger Forschungen keine Opfer von ökonomischen und gesellschaftlichen Wandlungsprozessen seien. In den untersuchten Fällen lasse sich ein hohes Maß an "Normalität" der Lebensentwürfe nachweisen. Somit gebe es keine pauschal richtige Intervention im Umgang mit jugendlichem Rechtsextremismus. Um sinnvoll intervenieren zu können, sei es wichtig, die biografischen, mit dem "Rechtssein" verknüpften Themen der Jugendlichen zu erkennen, heißt es.

Die Untersuchung ist Teil des dreijährigen Schweizer Forschungsprojekts "NFP 40+ Rechtsextremismus - Ursachen und Gegenmassnahmen", in dem insbesondere erforscht werden soll, mit welchen Maßnahmen Rechtsextremismus bekämpft werden kann.

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