HOME

Fledermaus: Von der Schreckensgestalt zum "In-Tier"

Lange Zeit galt ausgerechnet die harmlose, schutzbedürftige Fledermaus als Schreckensgestalt der Dunkelheit. Inzwischen haben viele Menschen Gefallen an den angeblichen Vampiren gefunden - wie die Europäische Nacht der Fledermäuse zeigt.

Seit 1997 gibnt es die Europäische Nacht der Fledermäuse. In der Nacht vom 27. auf den 28. August macht sie bereits zum neunten Mal auf die Schutzbedürftigkeit der Tiere aufmerksam. "Fledermäuse haben ein Imagewandel durchzogen und sind vor allem bei Kindern das absolute In-Tier", sagt der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Hessen, Klaus Richarz. Zum einen begeistere die Kleinen das Geheimnisvolle. Zum anderen sei es natürlich spannend, Technik wie die so genannten Bat-Detektoren einzusetzen, um ihnen näher zu kommen. Diese Geräte machen die Ultraschall-Rufe der Tiere hörbar.

Am besten abends beobachten

"Am besten lassen sich die Tiere abends, mit Einbruch der Dämmerung beobachten", rät der Experte. Da gebe es beispielsweise den Abendsegler, der kurz nach Sonnenuntergang in schnellem Tempo und mit rasanten Sturzflügen auf Beutefang geht und leicht mit Schwalben verwechselt werden kann. Oder die Wasserfledermaus, die in schnellen Schwirrflügen dicht über der Wasseroberfläche bis zu 4000 Insekten pro Nacht jagt. Weltweit gibt es knapp 1000 Fledermausarten, in Deutschland sind es um die 20. "Erst vor wenigen Jahren haben wir in Europa eine neue Art beschrieben", erklärt Richarz. "Die Mückenfledermaus ist mit einer Größe von etwa drei Zentimetern zugleich die kleinste Art in der Region und wiegt gerade mal sieben Gramm."

Die Forschung hat auch gezeigt, dass Fledermäuse bereits seit Urzeiten im heutigen Deutschland aktiv sind. Fossilien aus der Grube Messel bei Darmstadt belegen, dass vor rund 50 Millionen Jahren Fledermäuse in dem damals tropischen Gebiet lebten. "Messel ist die bedeutendste Fledermausfundstelle der Welt", sagt Renate Rabenstein vom Frankfurter Senckenberginstitut. "Nirgendwo sind die Tiere so fantastisch erhalten wie dort." Die Forscher hätten sogar Fledermäuse mit Mageninhalt und schwangere Weibchen entdeckt.

Größte Gefahr bleibt der Mensch

Der Bau des Innenohrs der fossilen Tiere zeige auch, dass sich die Tiere orientierten, indem sie das Echo orteten. "Fledermäuse nehmen hochfrequente Töne als Ultraschallwellen wahr", erklärt Richarz. "Dadurch orten sie beispielsweise beim Beutefang die Insekten." Die Tiere wüssten nicht nur, wo sich ihr Opfer befinde, sondern könnten anhand der Flügelschläge des Insekts auch erkennen, um welche Art es sich handle.

Die größte Gefahr für die Fledermäuse, die bis zu 30 Jahre alt werden, ist dem Experten zufolge der Mensch. Sanierte und isolierte Gebäude führten zu einer Quartiersnot und durch das Fressen pestizidbelasteter Insekten sammelten sich Gifte in den Fettdepots der Tiere an. Dennoch kann der Fledermausschutz mit Blick auf die vergangenen Jahre eine positive Entwicklung verzeichnen: "Bei vielen Arten haben die Bestände wieder zugenommen", sagt Richarz. Die Gründe dafür seien der naturnahe Waldbau, die geringere Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und die wachsende Begeisterung der Menschen für die "faszinierenden Geschöpfe". An dem Imagewandel trage auch die Europäische Nacht der Fledermaus einen großen Anteil, die von Jahr zu Jahr ein größeres Publikum anziehe. Bundesweit sind nach Angaben des Naturschutzbundes NABU etwa 200 Veranstaltungen geplant.

Jenny Tobien/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel