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Partnervermittlung für Vögel: Papageienmännchen, 35, sucht Partnerin fürs Leben

Rita Ohnhäuser hat schon mehr als 1.300 einsame Herzen zusammengebracht. Sie kann sicher sein, dass ihre Turteltäubchen ein ganzes Leben lang treu bleiben - denn ihre Kunden sind Papageien und Sittiche.

Ein unscheinbares Einfamilienhaus im brandenburgischen Schönefeld gleich hinter der Berliner Stadtgrenze ist der Ort der glücklichen Liebesgeschichten. Hier hat Rita Ohnhäuser in den vergangenen Jahren mehr als 1.300 einsame Herzen zusammengebracht. Die glücklichen Paare bleiben ein Leben lang zusammen, weil dies so in ihrer Natur liegt. Denn es handelt sich nicht um Menschen - Ohnhäuser betreibt die einzige Partnervermittlung in Deutschland für Papageien und Sittiche.

Unglückliche Vögel beginnen sich aus Verzweiflung zu rupfen

Deren Problem ist: Viele Halter wissen nicht, dass die Vögel sich in der menschlichen Wohnung einsam fühlen, weil sie eigentlich gesellige Tiere sind. "Papageien suchen sich einen Partner fürs Leben, mit dem sie rund um die Uhr zusammen sind", erklärt Ohnhäuser. Einen Ersatz kann selbst der sorgsamste Besitzer nur selten bieten, weshalb viele Vögel nach einigen Jahren erste Anzeichen der Einsamkeit zeigen. "Der Mensch erkennt dies aber oft erst, wenn es zu spät ist", klagt die gebürtige Münchnerin. In ihrer Verzweiflung beginnen die eigentlich lebhaften Vögel apathisch zu werden und ihr prachtvolles Gefieder zu rupfen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass ihnen Gesellschaft fehlt. Ohnhäuser will solche Papageien wieder glücklich machen.

Die gebürtige Münchnerin nimmt die Tiere in einer der Volieren auf, die in nahezu jedem Zimmer ihres Hauses stehen. Etwa 150 Vögel von Besitzern aus ganz Deutschland leben derzeit bei ihr - Auswahl genug für einsame Artgenossen. Bisher habe noch jeder Vogel einen Partner bei ihr gefunden, berichtet Ohnhäuser. Denn nicht nur verzweifelte Halter bringen ihre Tier im Schönefelder Liebesnest unter. Viele Papageien landen auch nach dem Tod ihres Besitzers dort. Immerhin können Aras bis zu 80 Jahre alt werden, kleine Agaponiden immerhin 20 Jahre.

Liebe auf den ersten Blick gibt es auch bei Vögeln

Haben sich zwei turtendelne Vögel neu gefunden, gehen die Tiere entweder zurück zum Besitzer eines der beiden, oder werden an einen neuen abgegeben. Mit den Jahren hat Ohnhäuser während der tierischen Flirts einiges beobachtet und Parallelen zum Menschen entdeckt. "Die Liebe auf den ersten Blick gibt es bei den Vögeln genau so wie bei uns", berichtet sie. "Manche aber wählen gründlich aus, bevor sie eine Beziehung eingehen. Das kann auch mal drei Monate dauern." Manchmal erhört ein Weibchen das Werben eines Männchens aber nicht. Einen Unterschied zum Menschen allerdings hat Ohnhäuser beobachtet: "Je älter die Vögel sind, umso einfacher finden sie einen Partner."

"Es gibt viel zu viele Züchter"

Zornig ist die Vogelfreundin, die ihre Vermittlungsdienste lediglich mit Spenden für den Unterhalt der Tiere finanziert, über manche Geschäftspraktiken von Züchtern. "Es gibt ja viel zu viele Tiere, die Züchter bekommen sie gar nicht mehr los", sagt sie. "Die Handzucht von besonders zahmen Vögeln führt außerdem dazu, dass diese komplett auf den Menschen fixiert sind, obwohl sie von Natur aus eigentlich scheu sind." Ginge es nach Ohnhäuser, sollten Papageien und Sittiche ohnehin nur paarweise abgegeben werden - und zwar mit dem Partner, den sie sich selbst gesucht haben. "Wenn ein Mensch sich zwei Vögel auswählt, die nicht zueinander passen, werden alle unglücklich", erklärt sie.

Einigen geplagten Geschöpfen in den Volieren sind die Spuren ihres Leidens deutlich anzusehen: Sie haben sich das Gefieder nahezu komplett ausgerupft; nackt und dürr hocken sie da. Um solches Elend zu verhindern, bietet Ohnhäuser auch Beratung an und nimmt regelmäßig Papageien zur Vermittlung aus dem Berliner Tierheim auf. Mittlerweile erfüllt das Vogelgeschrei ihr ganzes Haus, doch die meisten Tiere finden schon bald gemeinsam zurück zu einem Halter. "Man freut sich, wenn man zwei Vögel wieder glücklich gemacht hat", sagt sie. "Und die Besitzer freuen sich auch."

Sven Kästner/AP/AP