Verhaltensforschung Hunde gähnen mit

Ein Hund lässt sich vom Gähnen des Herrchens anstecken
Ein Hund lässt sich vom Gähnen des Herrchens anstecken
© Colourbox
Gähnen ist ansteckend. Das gilt auch für Hund und Herrchen, wie britische Wissenschaftler nun beobachtet haben. Hunde lassen sich demnach von Menschen zum Gähnen animieren und zwar häufiger als Menschen oder Affen das tun. Das soll einiges über den besten Freund des Menschen aussagen.

Wenn Hunde einen Menschen gähnen sehen, dann reißen sie selbst oft das Maul auf. Das haben Forscher der Universität London nun erstmals experimentell bestätigt. Damit gähnen nicht nur Menschen mit anderen mit. Zum ersten Mal ist auch ansteckendes Gähnen zwischen verschiedenen Arten nachgewiesen worden. Dieses Verhalten könne auf ein rudimentäres Einfühlungsvermögen bei den Tieren hinweisen, schreiben die Wissenschaftler um Atsushi Senju von der Universität London im Fachblatt "Biology Letters".

In den Versuchen der Briten hatten 29 Hunde jeweils einem Forscher zunächst beim lautstarken Gähnen, dann beim lautlosen Öffnen des Mundes zugeschaut. Während beim kontrollierten Mundöffnen keiner der Hunde reagierte, ließen sich 72 Prozent der Tiere vom Gähnen des Mannes anstecken. Damit liege die Rate höher als bei ihren Herrchen. Rund 45 bis 60 Prozent der Menschen lassen sich animieren mitzugähnen. Bei Schimpansen ist es gerade einmal gut ein Drittel. Dabei ist Gähnen bei Wirbeltieren nicht ungewöhnlich.

Wieso gähnt man mit?

Wieso ein Es gibt es verschiedene Theorien, wieso ein Gähnen überhaupt ansteckt. So spekulieren einige Forscher, dass auf diese Weise die Denkleistung erhöht wird. Steigt die Gehirntemperatur, soll der Gähn-Reflex dazu führen, dass vermehrt kühles Blut gen Kopf gepumpt wird. Ein ansteckendes Gähnen könnte demnach die Aufmerksamkeit in einer kompletten Gruppe erhöhen. Ein US-Forscherteam um Steven Platek von Drexel University in Philadelphia sieht die Gründe dagegen eher in der Psychologie des Menschen. Sie konnten zeigen, dass Menschen die besonders einfühlend sind, häufiger mitgähnen als wenig empathische Zeitgenossen.

Biologisch hängt der Prozess der Nachahmung vermutlich mit den sogenannten Spiegelneuronen zusammen, mit denen zumindest Menschen- und Affenhirne ausgestatten sind. Diese Art der Nervenzellen ist nicht nur aktiv, wenn man selbst etwas tut, sondern auch, wenn man jemand anderen bei einer Handlung beobachtet. Diese Nervenaktivität wird als erster Schritt hin zur unbewussten Imitation gewertet.

Auch Hunde besitzen ein Einfühlungsvermögen

Senju und seine Kollegen vermuten, dass auch Hunde über eine grundlegende Form von Empathie verfügen müssen, um menschliche Handlungen deuten zu können. Wie sich dieses Einfühlungsvermögen bei Hunden entwickelt hat, ist noch nicht geklärt. Denkbar sei eine evolutionäre Anpassung der Hunde an die Menschen, sagen die Forscher. Das Gähnen könnte aber auch ein erlerntes Verhalten sein, etwa wenn ein Hund einen Menschen wiederholt beim Gähnen beobachtet hat. Schließlich könnten die Hunde mit dem reflexartigen Verhalten auch auf die ungewohnte Versuchssituation reagiert haben, schreibt Senju. So sei Gähnen als Reaktion auf Stress bereits von anderen Tierarten bekannt.

DPA/DDP/nis DPA

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