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Sexueller Missbrauch: Staatsanwälte ließen Shanti laufen

Eine Entscheidung der Münchner Staatsanwaltschaft hat dazu geführt, dass der mutmaßliche Kinderschänder Oliver Shanti trotz eindeutiger Zeugenaussagen nicht schon vor zehn Jahren vor Gericht gestellt wurde - obwohl eine detaillierte Anzeige zweier Jungen gegen ihn vorlag.

Wie der stern in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe schreibt, hat der Münchner Behörde bereits im Jahre 1998 eine detaillierte Anzeige gegen Shanti vorgelegen, in der ihn zwei seiner Opfer schwer beschuldigten. Nach den Aussagen der damals 13- und 16-Jährigen habe Shanti, der mit bürgerlichem Namen Ulrich Schulz heißt, sie beide im Sommer 1990 in seiner Münchner Wohnung zu sexuellen Handlungen gezwungen und später auf seinem Landgut in Portugal "sozusagen jede Nacht" missbraucht.

In der Anzeige, die dem stern vorliegt, ist auch davon die Rede, dass "Kinder aus dem Dorf kamen, die mitmachen mussten" und von Schlägen, falls sie sich weigerten. Trotz dieser massiven Vorwürfe stellte die Münchner Staatsanwaltschaft am 10. Juli 1999 die Ermittlungen gegen Schulz ein. In der Begründung heißt es wörtlich: "Der Beschuldigte hat sich zum Tatvorwurf nicht geäußert. Die von den Geschädigten geschilderten Taten lassen nicht zwingend den Schluss darauf zu, dass der Beschuldigte ... Gewalt anwendete". Erst eine zweite, fast identische Anzeige im Jahr 2002 führte dazu, dass gegen den Musiker ernsthaft ermittelt wurde.

Sechs Jahre fahndeten Interpol und Münchner Zielfahnder vergeblich nach ihm. Erst am 27. Juni wurde der 59-Jährige in Portugal verhaftet und vorige Woche an Deutschland ausgeliefert. Die Staatsanwaltschaft München gab bis Redaktionsschluss des stern zu dem Vorgang keinen Kommentar ab.

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