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Miniatur Wunderland in Hamburg: Ein Airport mitten in der City

180 Starts pro Tag auf einer Fläche von 125 Quadratmetern: Das Miniatur Wunderland in Hamburg eröffnet heute den größten Modell-Flughafen der Welt. Cheftechniker und Mitbegründer Gerrit Braun erklärt, was den Knuffingen Airport so besonders macht und was als nächstes geplant ist.

Herr Braun, was ist die Besonderheit der Anlage?
Erstens ist es mit Abstand der größte Miniaturflughafen weltweit. Zweitens ist das Zusammenspiel der hochmodernen Technik einzigartig. Uns war es wichtig, dass Start und Landung der Flugzeuge realistisch sind. Es läuft alles so ab wie auf einem "echten" Flughafen. Selbst Piloten sind vom Gesamtbild unseres Airports beeindruckt.

Wann und wie entstanden die ersten Pläne?
Ursprünglich war ein kleiner Flughafen für Sportflugzeuge angedacht. Aber wir wollten etwas Großes, etwas ganz Neues. Im September 2005 habe ich mit der technischen Vorbereitung und den Entwicklungen angefangen. Nach den ganzen Vorbereitungen konnten wir im Dezember 2007 mit dem Bau des Knuffigen Airports im Maßstab 1:87 beginnen.

Warum haben Sie den Hamburger Flughafen als Vorbild genommen?
Mein Zwillingsbruder und ich sind Hamburger und lieben diese Stadt. Wir hatten große Lust, den Hamburger Flughafen originalgetreu nachzubauen. Nach mehreren Gesprächen mit Michael Eggenschwiler, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Flughafen Hamburg GmbH, haben wir eine Kooperation beschlossen. Wir bekamen die Originalpläne des Flughafens. Auf der zivilen Seite ist er perfekt nachgebaut, mit einer Ausnahme: Anstatt der S-Bahn bringt ein ICE die Gäste zum Terminal. Auf der luftfahrttechnischen Seite mussten wir ihn unseren Räumlichkeiten etwas anpassen. Deshalb haben wir den Flughafen nach unserer Fantasiestadt Knuffingen benannt, jedoch mit dem Logo des Hamburger Airports.

Wie fliegen die Flugzeuge?
Sämtliche Flugzeugbewegungen auf dem Rollfeld kommen aus eigener Kraft – die Flugzeuge sind mit zwei Microcontrollern ausgestattet. Der eine kümmert sich um die Steuerung des Flugzeuges wie den Motor, die Lampen und das Akkumanagement. Der zweite Microcontroller bekommt über Infrarot seine Befehle und gibt diese Infos an die Straße zurück. Somit können die Flugzeuge über Magnetstreifen auf den Straßen geführt und über Weichen per Computer gesteuert werden.

Sobald ein Flugzeug auf die Startbahn rollt und kurz für den Preflight-Check, die tägliche Überprüfung des technischen Zustandes, hält, fährt ein 18 Meter langes Aluminiumgestell unter die Bahn. Auf dem Gestell befindet sich eine Art Schlitten, der sich ausfahren lässt. Er sucht das Flugzeug, findet es und piekst in den vorderen Teil des Rumpfs eine Stange hinein. Dann kann das Flugzeug auf umgerechnet 300 km/h Startgeschwindigkeit beschleunigen.

In dem Moment, wenn die Flugzeugnase durch die Stange etwas angehoben wird, fährt sich schnell eine zweite Stange aus dem Schlitten, piekst hinten in den Rumpf und lässt das Flugzeug "fliegen".

Wie funktioniert die Technik für Bahn und Auto in Knuffingen?
Bei den Zügen und Autos benutzen wir die seit zehn Jahren bewährte Technik, jedoch etwas optimiert. Jedes Licht, jeder Zug und jedes Auto wird per Computer gesteuert.

Waren Innovationen in der Technik erforderlich?
Und wie. Von morgens bis abends. Die Flugzeuge zum Starten zu bringen, hat viel Gehirnschmalz, viele Versuche, viel Verwerfen und viel Trickserei erfordert. Wir haben uns auch häufig aus der Industrietechnik bedient. Denn auch wenn die Ideen eigentlich ausgeklügelt waren, mussten wir oft technische Änderungen vornehmen. Es läuft halt nicht immer alles nach Plan…

Gab es Komplikationen?
Die wahrscheinlich größte Herausforderung war es, den neun Millimeter breiten Spalt des Stangen-Hebe- und Senksystem auf der Start- und Landebahn zu bedecken. Dafür haben wir einen sogenannten Schlitzschließer entwickelt, der dafür sorgt, dass sich die Öffnung hinter den sich bewegenden Stangen sofort wieder schließt.

Aber es gibt eine Sache, die uns ins Schwitzen bringt: Wenn etwas bei einer unserer Miniaturmodelllandschaften ausfällt oder nicht funktioniert, beeinflusst es nicht das ganze System. Der hoch technologisierte Knuffingen Airport hat jedoch 20 bis 30 neuralgische Punkte, die den kompletten Flughafen lahm legen können. Toi, toi, toi.

Welche skurrile Szene findet man in Knuffingen?
Mit den kleinen Details habe ich mich leider noch nicht viel beschäftigt. Aber selbst per Zufall entdecke ich jedes Mal etwas. Sie sollten sich einmal den Zollbereich genau ansehen und auch in die Zimmer des Radisson Blu Hotels einen Blick werfen. Es lohnt sich.

Ist der Flughafen Knuffingen auch "A380-fähig"?
Ja, jedoch haben wir wegen der Größe der Maschine nur eine Parkposition breit genug gemacht. Unsere zwei A380er Maschinen, eine der Lufthansa und eine der Thai Airlines, starten immer im Wechsel.

Wie sieht die Zukunft für den Flughafen aus?
Wir haben erfahren, dass der Hamburger Airport einige Veränderungen plant. Wenn das so ist, müssen wir natürlich auch den Knuffinger Airport entsprechend umbauen. Aber dafür hätten wir noch einige Jahre Zeit.

Ist schon ein nächstes Projekt in Planung?
Unser nächstes Projekt ist Italien. Aber mehr kann ich nicht sagen – es ist alles noch in Rohfassung. Ich freue mich jedenfalls sehr wenn der Knuffingen Airport fertig gestellt ist und ich ein paar Stunden mehr Schlaf bekomme.

Eva Wackerhagen

Wissenscommunity