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Alpenthermen: Badefreuden in den Bergen

Die Bäderkultur boomt besonders zur kalten Jahreszeit: Wenn draußen Schmuddelwetter herrscht, sehnen wir uns nach heißem Thermalwasser. Aus dem Buch "Badefreuden" stellen wir die schönsten Alpenbäder vor - mit moderner Architektur zum Wohlfühlen.

Von Iris Meder

Schweiz: Mineralbad Samedan

Einer der gelungensten Bäderbauten der Gegenwart wurde nach der Entdeckung einer Mineral-Heilquelle im historischen Zentrum von Samedan nahe St. Moritz realisiert. Unmittelbar neben der barocken Kirche bauten Quintus Miller und Paola Maranta 2009 das Badehaus, das seine Becken- und Ruheräume vertikal stapelt.

Äußerlich passt sich der Bau mit seinem weißen Putz und den Viereckfenstern den Bauernhäusern der Umgebung an, innen tut sich eine Vielfalt aus unterschiedlich farbig gekachelten Dampf- und Thermalbad-Räumen mit großzügigen Ausblicken auf den Dorfplatz und die Gassen auf, von Ockergelb über Pompeianischrot und Aubergine bis zum Gelbgrün des Heißbades. Die Krönung bildet das Dachbad mit Blick auf die Berggipfel der Umgebung.

Weitere Infos: www.mineralbad-samedan.ch

Schweiz: Sole Uno in Rheinfelden

Auf kontinuierliche Erweiterungen statt Komplettabriss und Neubau setzte man im Solebad "Sole Uno" in Rheinfelden an der deutschen Grenze. Das aus den 1970er-Jahren stammende Bad erhielt nach diversen Umbauten vor Kurzem ein neues Intensivsolebecken im Untergeschoss des Komplexes.

Der neue Raum nach Entwürfen des Architekten Roland Oberli ist über das Treppenhaus und ein zwischen zwei Sichtbetonscheiben gefasstes Oberlicht mit vertikal hereinflutendem Tageslicht versorgt. Die polygonale Sichtbetonkathedrale mit bewusst rauher, karger Anmutung ist räumlich geprägt durch das weiße Tageslicht in Kombination mit indirektem rotem Kunstlicht, das an den Rändern des Beckens und im Becken selbst nach oben strahlt.

Das Becken erhält durch seine tieferliegende Überlaufrinne eine schwebende Anmutung, die der Konsistenz des Solewassers entspricht, in dem man entspannt umhertreibt. Ergebnis ist ein überwältigender Raum, der die dem Sakralbau verwandte Architektur antiker wie auch moderner Thermen und Bäder in zeitgemäßer Form aufgreift.

Weitere Infos: www.parkresort.ch

Schweiz: Thermalbad Zürich

Dieselbe Schweizer Errichter- und Betreibergesellschaft wie in Samedan entwickelte auch das inhaltliche und architektonische Konzept des von Margrit Althammer und René Hochuli sowie der Münchner Innenarchitektin Ushi Tamborriello, die auch für die Einrichtung des Römischen Bades in Daniel Libeskinds Bernaqua verantwortlich war, geplanten Thermalbades in Zürichs gentrifiziertem Stadtteil Enge.

Das aus der lokalen Aqui-Quelle gespeiste Bad setzt auf dem rauhen Industrie-Charme der Räumlichkeiten einer ehemaligen Brauerei mit hohen Ziegelgewölben und Betondecken. Durch unterirdische Gänge vom Foyer in den nächsten Bau geführt, badet man in großen Holzbottichen als Reminiszenz an die Vergangenheit des Ortes, der auch ein hippes Hotel aufnimmt. Mit dem Fahrstuhl reisen die nassen Gäste nach oben, wo neben in eine gebirgig gestaltete Holzlattenkonstruktion gesetzten Ruheräumen mit Bistro das Highlight wartet: das Dachbad mit Sprudelliegen und unbezahlbarem Blick über die Stadt.

Weitere Infos: www.thermalbad-zuerich.ch

Österreich: Aqua Dome in Längenfeld

Basierend auf einer Natrium-Chlorid-Sulfat-Quelle, wurde 2004 nach Plänen von Erich Schnögass das Aqua Dome Ötztal in Längenfeld gebaut. Die große Therme in privilegierter Lage mit Blick auf die Gebirgsketten des Ötztals ist eine heterogene Kombination diverser Baukörper und Materialien in der Art Hans Holleins.

Erwähnenswerte Blickfänge sind drei über einen verglasten Treppenhaus-Kegel zugängliche höhenversetzte Thermal-Badekelche, die ihre Wirkung vor allem bei künstlicher Beleuchtung entfalten.

Weitere Infos: www.aqua-dome.at

Österreich: Drautalperle

Dem Bedürfnis, das ganze Jahr zu schwimmen, trägt das 2008 eröffnete Sport- und Erlebnisbad Drautalperle in Spittal Rechnung. Den Bau, dessen weiße Wände sich in runden Aussparungen mit Ausblicken auf das Drautal aufzulösen scheinen, wollen die Architekten vom Büro MHM als architecture parlante verstanden wissen, mit der Fassade als Abbild im Wasser aufsteigender Sauerstoffbläschen.

Kärntens Tourismus gründet sich jedoch nicht nur auf Seen, Flüsse und Skipisten, sondern auch auf Heilquellen, so etwa in Bad Kleinkirchheim. 1934 baute man ein erstes Thermalfreibad, das 1961 ebenso wie das 1968 eröffnete Thermal-Hallenbad von Adolf Bucher neu gebaut wurde.

Weitere Infos: www.drautalperle.at

Österreich: Römerbad Bad Kleinkirchheim

Mit dem von Michael und Hubert Prachensky entworfenen amphitheatralisch angelegten Römerbad entstand 1978–79 in Bad Kleinkirchheim die erste "Erlebnistherme" Österreichs. Nach der Jahrtausendwende wollte man das Bad vergrößern und den geänderten Ansprüchen der Klientel anpassen.

Den nach einem geladenen Wettbewerb Ende 2007 fertiggestellten Zubau des heute Römertherme genannten Bades realisierte das Büro Behnisch Architekten.

Weitere Infos: www.badkleinkirchheim.at/thermal-roemerbad

Österreich: Aqualux-Therme in Fohnsdorf

Besonders in der Steiermark haben viele Gemeinden auf der Suche nach neuen Einnahmequellen in den letzten Jahrzehnten auf den Bau von Thermen gesetzt - mittlerweile ist der Markt mehr als gesättigt. Auch im bis 1978 vom Bergbau geprägten Fohnsdorf fand man eine 42,2 °C warme Thermalquelle. Aus einem 2004 ausgeschriebenen geladenen Wettbewerb ging das bis 2007 realisierte Projekt von Titus Pernthaler hervor, das mit seinem mit schwarzen Faserzementplatten verkleideten monolithischen Äußeren das Motiv eines Kohlenflözes aufnimmt.

Als Aqualux-Therme wird der 2008 mit dem Staatspreis Architektur ausgezeichnete Bau von sechs den kristallinen Baukörper durchkreuzenden verglasten "Lichtadern " durchzogen, die die einzelnen Funktionsbereiche erschließen.

Weitere Infos: www.therme-aqualux.at

Italien: Terme Merano

2006 eröffnete die neue Therme von Meran, nach einem internationalen Wettbewerb realisiert vom Berliner Architekturbüro Baumann und Zillich mit einer Innenausstattung von Matteo Thun. 1934 hatte man radioaktives Wasser entdeckt und zuerst ein Hallenbad im Kurmittelhaus eingerichtet. Die Ausführung eines vom Mailänder Architekten Paolo Vietti Violi geplanten Neubaus wurde 1939 durch den Kriegsausbruch verhindert, bis 1970 die Therme von Willi Gutweniger eröffnet wurde, die 2005–06 die neue Terme Merano ersetzte.

Der transparente Glasquader steht im Stadtzentrum am Ufer der Passer vor einem grandiosen Alpenpanorama. Die Thermenhalle ist ein von dunklen Holzlamellen und geriffelten Fliesen geprägter großzügiger Raum mit Empore und zahlreichen mit weißem und blauem Glasmosaik gefliesten Innen und Außenbecken. Die Wände sind mit Kalkstein, der dicht mit Liegen vollgestellte Boden mit beigefarbenem Granit belegt, von der Decke hängen farbige Plastikringe und große lampionartige Leuchtkugeln.

Weitere Infos: www.thermemeran.it

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