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Kampagne für Kreuzfahrer: Auf Santorin sollen übergewichtige Menschen nicht mehr auf Eseln reiten, sondern selbst laufen

Auf der griechischen Inel Santorin gehören Esel zur Tradition. Mit ihnen bewegten sich die Einwohner "schon immer" über das hügelige Eiland – und mit ihnen werden auch Touristen transportiert. Doch für manche von denen soll nun Schluss sein damit.

Esel mit schweren Reitern in Fira

Auf der griechischen Ägäisinsel Santorin sollen Esel künftig davon verschont bleiben, übergewichtige Menschen die 600 Stufen nach Fira hinauf zu befördern

Getty Images

Niemand weiß mehr genau, seit wie vielen Jahrhunderten Esel auf Santorin dazu eingesetzt werden, auf ihren Rücken Menschen vom Hafen nach Fira, einem der Hauptorte der Insel, zu tragen, der 400 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Doch damit soll bald Schluss sein, wenn es nach Nikos Zorzos, Bürgermeister des höchstgelegenen Städtchens, geht. 600 in Serpentinen angelegte Stufen trennen Fira von der Stelle, wo täglich bis zu 17.000 Touristen Kreuzfahrtschiffe verlassen, die dort anlanden. Touristen, die oft unter starkem Übergewicht leiden und auf dem Rücken der Tiere hinauf in den Ort geführt werden. Was sich unmittelbar auf das Wohlbefinden der Esel auswirkt: Wirbelsäulenverletzungen, vom Sattel wundgescheuerte Stellen und Erschöpfungszustände haben in den letzten Jahren bei den Tieren stark zugenommen.

"Versetzt euch mal in ihre Hufe" lautet das Credo, mit dem die Sensibilität der Urlauber geweckt werden soll. Nach vielen Sommern des Leidens sind Tierschützer aktiv geworden und konnten die Kreuzfahrtindustrie als Sparringspartner gewinnen. Das Resultat ist eine beispiellose Sensibilisierungsinitiative, die Reisenden klarmacht, welchem Stress die Tiere auf der schwindelerregenden Strecke mit ihrer überdimensionalen menschlichen Fracht ausgesetzt sind.

"Die Kampagne startet jetzt"

Bereits vor Monaten war das Vorhaben geplant worden, nun soll es umgesetzt werden. "Die Kampagne startet jetzt", sagte Bürgermeister Zoros dem britischen "Guardian". "Vertreter der Kreuzfahrtunternehmen waren diese Woche hier in meinem Büro und haben versprochen, darauf aufmerksam zu machen. Wir selbst werden Informationszettel verteilen. Esel und Maultiere sind Teil unserer Tradition. Insbesondere jüngere Besitzer haben verstanden, dass man sich um sie kümmern muss."

Die Wut über die Notlage der rund 4000 Tiere wuchs, als Berichte über Missbrauch und Vernachlässigung ihren Weg in die sozialen Medien fanden – wirkungsvoll unterstrichen durch Fotos übergewichtiger Kreuzfahrtpassagiere auf ihren Rücken. Der mediale Aufschrei veranlasste die griechische Regierung, ein Gesetz zu erlassen, dass eine Last von mehr als 100 Kilogramm beziehungsweise einem Fünftel ihres eigenen Körpergewichts als unzulässig erklärte. Obwohl nicht direkt auf Urlauber Bezug genommen wurde, wurde die Regulierung als Verbot für die Tierhalter verstanden, die Esel mit übergewichtigen Touristen loszuschicken.

"Auf ihren Hufen" soll Touristen zum Selberlaufen animieren – oder dazu, die Seilbahn zu nutzen

Die Kreuzfahrtunternehmen schlossen sich der "Auf ihren Hufen"-Kampagne an, nachdem sie massive Beschwerden von Passagieren über die Haltung der Esel auf Santorin erhalten hatten. Am 2. April bestätigten sie Firas Bürgermeister, an Bord ihrer Schiffe nach Europa ein animiertes Video zu zeigen, das der Britische Tierschutzverband herausgebracht hat. Ferner soll die Anzahl von Touristen, die auf Santorin an Land gehen dürfen, auf 8000 pro Tag begrenzt werden.

Mit diesen beiden Maßnahmen dürfte die Insel ein gutes Stück ihrer Schönheit zurückgewinnen – und Kreuzfahrtanbieter sich langfristig ein beliebtes Reiseziel sichern.

Quelle: "Guardian"

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bal
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