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Bekannte Kirche: Sagrada Familia: Barcelonas berühmtester Baustelle fehlte seit 137 Jahren die Baugenehmigung

137 Jahre lang wurde an der Sagrada Familia illegal gebaut - denn es fehlte eine Baugenehmigung. Hintergrund ist ein historisches Missverständnis. Doch nun darf auf Barcelonas berühmteste Baustelle endlich ganz offiziell gebaut werden.

Die Sagrada Familia in Barcelona

Die Sagrada Familia in Barcelona

AFP

Auf Barcelonas berühmtester Baustelle darf nach 137 Jahren nun endlich auch offiziell gearbeitet werden: Barcelonas Stadtverwaltung erteilte für 4,6 Millionen Euro die Baugenehmigung für die Sagrada Familia, die bis heute unvollendete berühmte Basilika von Antoni Gaudí, wie Stadtplanerin Janet Sanz mitteilte. Die Genehmigung ist für sieben Jahre gültig, bis dahin – also bis 2026 - soll das Bauwerk fertiggestellt sein. Denn dann jährt sich der Todestag Gaudís zum einhundertsten Mal.

Grund dafür, dass die Sagrada Familia so lange ohne Genehmigung gebaut wurde, liegt in einem historischen Missverständnis: Die Behörden hatten erst 2016 entdeckt, dass Gaudí 1882 ohne jegliche Bewilligung mit dem Bau seiner Kirche begonnen hatte. Drei Jahre später beantragte er zwar eine Baugenehmigung, bekam aber nie eine Antwort. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab weiterzubauen, bis er im Juni 1926 von einer Straßenbahn erfasst wurde und wenige Tage später starb.

Widerstand gegen den Sakralbau

Laut der Genehmigung darf die Sagrada Familia nicht höher als 172 Meter werden, das Budget wurde auf 374 Millionen Euro festgesetzt - der Bau wird ausschließlich von Spenden und Eintrittsgeldern finanziert. Während der Verhandlungen mit der Baugesellschaft setzte Bürgermeisterin Ada Colau zudem durch, dass weitere 36 Millionen Euro in den Umbau der Umgebung und den Unterhalt der Basilika fließen.

Die Sagrada Familia ist das meistbesuchte Wahrzeichen der katalanischen Hauptstadt. 2017 verzeichnete das Unesco-Weltkulturerbe 4,5 Millionen Besucher. Allerdings ist die berühmteste Baustelle Spaniens nicht unumstritten: In den 1960er-Jahren wurden in einer Aktion Unterschriften gesammelt, um den Bau zu stoppen – es erschien sogar ein offener Brief in einer Tageszeitung. 2008 forderte eine Gruppe von 400 Intellektuellen, darunter Architekten und Schauspieler, ebenfalls einen Baustopp, mit dem Grund, die Kirche werde "für den Tourismus gekidnappt".   

Proteste in Barcelona gegen den Massentourismus

Quellen: Nachrichtenagentur AFP,  "Tagesanzeiger" (im Webarchive), "La Vanguardia"

rw

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