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Barcelona: Eine Augenweide für Freunde des Jugendstils

Barcelona ist ein bleibendesVermächtnis großer spanischer Künstler: Picasso, Gaudi und Miro. Eine Entdeckungsreise jenseits von Szene und Strand.

Von weitem wirken die hohen Glockentürme fast wie die einer Kathedrale aus dem Mittelalter. Die Filigran-Struktur der Turmspitzen lässt auf kunstvolle Steinmetzarbeit schließen, wie sie bei großen Sakralbauten üblich ist. Nähert man sich jedoch der Sagrada Familia in Barcelona, wird schnell deutlich, dass man es hier mit einer völlig anderen Architektur zu tun hat. Dominiert wird dieser unfertige Rohbau von den verspielten Elementen des Jugendstils, der auch das Stadtbild der katalanischen Metropole maßgeblich prägt.

Allein die Anzahl der bereits vollendeten und noch geplanten Kirchtürme sprengt alle herkömmlichen Vorstellungen: Ganze zwölf sollen es rund um die Fassaden sein - gemäß der Zahl der Apostel. Acht sind bislang fertig gestellt, und von den gut 100 Meter hohen Osttürmen hat der Besucher einen grandiosen Ausblick auf die Stadt. In der Planung befinden sich auch noch das zentrale Kuppelgewölbe zu Ehren Jesu und ein weiterer Turm der Jungfrau Maria. Schon seit 1882 wird an der Sagrada Familia gebaut. Sie ist das künstlerische Vermächtnis des Architekten Antoni Gaudi, der wie kein anderer dem katalanischen Jugendstil seine besondere Note verliehen hat.

Gotik wohin das Auge schaut

Dabei ist der Ausgangspunkt der Gotik unverkennbar, der ersten architektonischen Glanzzeit im nördlichen Spanien. Deshalb sollte sich der Barcelona-Besucher vor allem in zwei Stadtteilen gründlich umsehen - dem Barri Gotic rund um die mittelalterliche Kathedrale und dem Viertel Eixample, einem wahren Freilichtmuseum des Jugendstils mit rund 150 interessanten Gebäuden dieser Art. Die gotische Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert ist der Schutzpatronin der Stadt, der heiligen Eulalia, gewidmet, die unter dem Hochaltar begraben liegt. An sie erinnern auch die ihr heiligen Gänse. An einem Brunnen mitten im Kreuzgang machen sie häufig mit lautem Geschnatter auf sich aufmerksam.Beeindruckende gotische Kirchen gibt es im mittelalterlichen Stadtkern viele. Erwähnt sei noch Santa Maria del Mar unweit des Hafenviertels. Sie wird von Kennern oft als schönster Kirchenbau in Barcelona bezeichnet - nicht zuletzt wegen ihrer großartigen Glasfenster, die teilweise aus dem 15. Jahrhundert stammen. Nicht weit davon entfernt befindet sich das Picasso-Museum. Damit wird der Besucher wieder in die Zeit um 1900 zurückgeführt, als sich Barcelona zum europäischen Zentrum der modernen Kunst entwickelte und zum Treffpunkt zahlreicher Genies wurde.

Eine Fassade voller Seerosen

Aus eben dieser Zeit stammen die Prachtbauten des Jugendstils im Stadtteil Eixample nördlich des gotischen Viertels. Praktisch alle Barcelona-Besucher ziehen zu Gaudis Casa Batllo. Dieses einstige Wohnhaus einer reichen Familie ist beispielhaft für die Verbundenheit des Architekten zur Natur, die in allen seinen Bauten zum Ausdruck kommt. Die Fassade wirkt wie ein Teich voller Seerosen. Das nahe gelegene Casa Mila, auch La Pedrera genannt, ist dagegen wesentlich schlichter. Doch die geschwungenen Schornsteine auf dem Dach haben ebenfalls etwas Wellenförmiges an sich.Von der Sagrada Familia lohnt sich ein Abstecher zum Hospital de Sant Pau, einem Krankenhaus aus dem Jahre 1902. Dessen Pavillons mit bunt verzierten Kuppeln sind ebenfalls eine Augenweide für Freunde der Architektur. Der Garten bietet nach einer ausgiebigen Besichtigungstour entlang der Sehenswürdigkeiten einen willkommenen Platz der Ruhe - ideal, um sich für das Nachtleben von Barcelona zu regenerieren. Seien es die zahlreichen Bars entlang der Hauptstraße La Rambla und ihrer Seitengassen, die Restaurants an der Placa Reial oder das Hafenviertel Barceloneta - die Stadt hat für jeden Geschmack genug zu bieten.Am nächsten Morgen kann dann die Spur berühmter Künstler wieder aufgenommen werden. Neben dem Picasso-Museum lohnt sich ein Besuch in der Stiftung Joan Miro, dessen Gemälde und Skulpturen wegen ihrer bizarren Formen häufig Heiterkeit auslösen, aber auch zum Nachdenken anregen. Das Miro-Museum liegt auf einem Hügel unweit vom Olympischen Dorf des Jahres 1992 und vom Nationalpalast, einer weiteren eindrucksvollen Kunstgalerie. So präsentiert sich Barcelona in mannigfacher Vielfalt und wird damit selbst zum großen Gesamtkunstwerk.

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Annedore Smith, AP / AP

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