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Hotels in der Toskana: Eintauchen ins Glück

Edel oder rustikal, familiär oder schick: Die Autoren von "Geo Saison" haben neue Unterkünfte in der Toskana entdeckt - darunter viele Adressen unter 100 Euro die Nacht.

Von K. Dietrich, R. Frädtke und A. Rübensamen

Montepetriolo: Borgo die Conti Resort

Wir wollten schon immer mal wissen, wie der umbrische Hochadel wohnt. Der ehemalige Stammsitz der Familie Rossi Scotti bietet dazu neuerdings Gelegenheit. Der 2012 zum Luxushotel umgebaute Borgo in den Hügeln südwestlich von Perugia präsentiert sich als neogotisches Landschloss mit Spitzbogenfenstern, das in einem großen Park mit uralten Lärchen und Korkeichen steht. Eingerichtet ist es mit einer gelungenen Mischung aus modernem italienischem Design (Lampen von Flos, Sessel von Poltrona Frau) und englischem Clubhouse-Stil mit Chesterfield-Sofa und Bibliothek.

Die Fußböden sind aus gebleichtem Eichenholz, die Bäder aus Marmor, es gibt Räume mit bemalten Holzdecken und Fresken. Der Küchenchef Alceo Morini bietet in der ehemaligen limonaia, der Orangerie, aufwendige Menüs wie Rindercarpaccio mit Pfirsich- und Portweinsauce, Pecorino-Flan und Milchlamm mit Honig-Aprikosen-Sugo. Und wer es sportlich mag: Der große Pool gefällt auch Langstreckenschwimmern.

Adresse: Perugia, Loc. Montepetriolo 26, Tel. 075-60.03 38, www.borgodeicontiresort.com ; DZ/F ab 190 €. 46 Zimmer und 12 Suiten, 8 Apartments; großer Spa und Pool, Tennisplatz, Billardraum; Restaurant für Externe nur nach Vorbestellung geöffnet.

Mercatale: Terzo die Danciano

Zu den Gästen zählen Architekten, Künstler, Fotografen- moderne Ästheten, die zu schätzen wissen, was der 46-jährige Luca Francia aus der robusten alten Villa mit angegliedertem, ehemaligem Gebäude für Seidenraupenzucht gemacht hat. Kein gewöhnliches B & B, vielmehr ein Ort, in dem Alt und Neu, Kunst und Natur auf überraschende Weise zusammenfinden. In der Eingangshalle verliert sich zwischen der vier Meter hohen Gewölbedecke und dem ausgetretenen alten Steinboden ein rotes Sofa, von der dezent getünchten Wand springt ein überdimensioniertes, abstraktes Kunstobjekt aus Stahlblech ins Auge, und im abgebeizten Bücherregal stehen die Tragödien des Sophokles.

Die geräumigen Gästezimmer liegen in der Villa mit ihren Nischen, Kapitellen und verblassenden Fresken, die sich mit den Designerlampen und Flohmarktmöbeln recht gut zu vertragen scheinen. Im riesigen Anbau finden Workshops, Meditationskurse, Ausstellungen statt. Wer Kreativurlaub schätzt, wird sich hier wohlfühlen.

Adresse: Cortona, Loc. Mercatale, Val di Pierle 58, Tel. 0575-61 93 58, www.terzodidanciano.it; DZ/F ab 90 €. 6 Zimmer (davon eines als Apartment nutzbar), Garten, Pool; Nov. bis Mitte März geschlossen.

Collevalenza: Torre San Giovanni

"Ich bin religiös!", betont Rosary Pecoraro noch an der Rezeption – für den Fall, dass man das schwere Kreuz auf ihrer Brust nicht bemerkt haben sollte. Auch viele Heiligenbilder und Madonnenstatuen sind in dem kleinen Hotel zu sehen, das die Mittsechzigerin mit dem grauen Kurzhaarschnitt in den Mauern des alten Schlosses von Collevalenza eingerichtet hat.

Dass die Devotionalien dennoch kaum auffallen, liegt an Rosary Pecoraros üppig-bürgerlichem Einrichtungsstil: Die Gästezimmer sind voller Zierkissen und Blumenstickerei, Schmuckteller und Spitzendeckchen, Troddeln und Trockengestecken. Das muss man mögen. Aber vielleicht ist es gerade das altmodische Dekor, das die warme Atmosphäre des Hauses ausmacht – die nicht nur gläubigen Seelen guttut. Was dagegen die fleischliche Dimension betrifft: Jeden Abend steht Signora Pecoraro in der Küche und bereitet gekonnt Tagliolini mit Sommertrüffel, gebratenes Lamm mit Steinpilzen und andere umbrische Spezialitäten zu.

Adresse: Collevalenza, Vocabolo Castello 26/G, Tel. 075-88 73 64, www.torre-sangiovanni.it; DZ/F ab 88 €. 14 Zimmer, Abendmenü ab 18 €/Pers.; Restaurant Mi und mittags geschlossen.

Poppi; Albergo San Lorenzo

Es gibt sie noch, die Bilderbuchstädtchen. Nehmen wir Poppi, wie es stolz über dem weiten Tal des Casentino thront: Kopfsteingassen, eine sympathisch asymmetrische Piazza mit einem Brunnen in der Mitte, Frauen, die mit gefüllten Einkaufsnetzen aus dem Lebensmittelladen treten, und über allem das wuchtige Schloss der Conti Guidi.

Das Bilderbuchhotel dazu liegt still am Fuße des Schlossbergs, es ist ein ehemaliges Kloster aus dem 12. Jh., nicht sehr groß, mit einem abfallenden Garten und einem Blick in die Weite. Auch drinnen umfängt den Gast das wohlige Poppi-Gefühl, aus der Gegenwart gefallen und in einer ruhigeren Zeit gelandet zu sein. Die gemusterten, alten Zementfliesenböden und Steinkamine, die zarten Deckenfresken und geschmiedeten Eisenbetten, auch die vom Gastgeber, einem Berliner, selbstentworfenen Esstische aus dickem Olivenholz schaffen eine Atmosphäre friedlicher Unvergänglichkeit.

Adresse: Poppi, Piazza Bordoni 2–5, Tel. 0575-52 01 76, mobil 348-403 18 11, www.poppi-sanlorenzo.com ; DZ/F ab 84 €. 9 Zimmer, ideal auch für Seminargruppen.

Arezzo: Casa Volpi

Giotto, der rote Kater, rollt sich nachmittags gern auf dem Sofa an der Rezeption zusammen und schnurrt der Ankunft neuer Gäste entgegen. Diese allerdings, statt gleich einzutreten, verweilen immer gern noch ein wenig auf der Terrasse: Zu schön ist die Aussicht von der alten, gelb gestrichenen Landvilla in den Hügeln vor Arezzo auf Campanile und Türme der mittelalterlichen Stadt.

Dabei gäbe es den Blick auch von vielen Zimmern aus zu genießen, die mit geschmiedeten Eisenbetten, rustikalen Holzmöbeln und Cottoböden klassisch toskanisch eingerichtet sind. Und in denen die Fenster keine Vorhänge haben - weshalb sollte man sich auch das Panorama zuhängen? Obwohl der Verkehr von der nahen Umgehungsstraße zu hören ist, gefällt uns alles am und im dreistöckigen Landhaus, das die junge Alessia Volpi und ihre Eltern in ein kleines Hotel mit viel Charakter verwandelt haben: der Garten mit Kastanien- und Kirschbäumen, das Restaurant, in dem abends Pappardelle mit Wildschwein und Taube mit Salbei serviert werden, die schlichten Zimmer, die Gastfreundschaft - und natürlich der Kater Giotto.

Adresse: Arezzo, Via Simone Martini 29, Tel. 0575-35 43 64, www.casavolpi.it; DZ/F ab 85 €. 15 Zimmer; Restaurant Mi und mittags außer So geschl. sowie 10 Tage im August.

Pienza: Il Giardino Segreto

Enea Silvio Piccolomini ließ, nachdem er zum Papst gewählt worden war, seinen Geburtsort Corsignano zur città ideale ausbauen und in "Pienza" umtaufen, nach seinem Papstnamen Pius (Nummer zwei). Eine "ideale Stadt", wenngleich eine kleine, ist Pienza bis heute, und zieht von Jahr zu Jahr mehr Besucher an. Manchmal ist der touristische Rummel zu arg.

Dann sehnt man sich nach einem Ruhepol wie dem "Giardino Segreto". Das Bed & Breakfast liegt hinter einer Mauer. Vom Trubel in der Stadt ist nichts zu hören. Signora Luisa vermietet ein paar einfach eingerichtete Gästezimmer und Apartments. Den "Geheimen Garten" mit Brunnen haben die Bewohner ganz für sich.

Adresse: Pienza, Via Condotti 13, Tel. 0578-74 85 39, mobil 338-899 58 79, www.ilgiardinosegretopienza.it; DZ ab 60 €. 2 Zimmer und 4 Apartments; Febr. geschlossen.

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