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"Schwarzer Mittwoch": Mitten in der Hochsaison: Italiener wollen Züge, Schiffe und Autobahnen mit Großstreik lahmlegen

Das letzte Zugchaos in Italien ist erst ein paar Tage her, da droht neues Ungemach: Für Mittwoch ist ein Großstreik im Transportwesen angekündigt. Er trifft das Land mitten in der Hochsaison. Worauf Urlauber sich einstellen müssen.

Gestrandete Reisende am Hauptbahnhof in Mailand

So wie hier am Hauptbahnhof in Mailand dürften am Mittwoch viele Reisende mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr weiterkommen

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Wer derzeit in Italien Urlaub macht, braucht am Mittwoch an vielen Orten des Landes mehr Geduld: Die Gewerkschaften haben zu Streiks im gesamten Verkehrssektor aufgerufen.

Dem Appell nach sollen alle Angestellten im öffentlichen Nahverkehr, bei Taxi-Unternehmen, bei der Bahn, an Autobahnen und im Schiffsverkehr zeitweise ihre Arbeit niederlegen. Die heftigsten Auswirkungen werden dadurch in größeren Städten wie Mailand, Rom oder Bologna erwartet, aber auch in Tourismuszentren wie Florenz und Venedig. Die Tageszeitung "La Repubblica" spricht sogar von einem "schwarzen Mittwoch".

Streiks an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten

Gestreikt wird jeweils zu unterschiedlichen Zeiten. Im Nahverkehr sollen die Mitarbeiter vier Stunden lang die Arbeit niederlegen. In Neapel von 9 bis 13 Uhr, in Palermo von 9.30 bis 13.30 Uhr, in Venedig von 10 bis 13 Uhr, in Bologna von 11 bis 15 Uhr, in Genua von 11.30 bis 15.30 Uhr, in Rom und Bari von 12.30 bis 16.30 Uhr,  in Perugia von 17.30 bis 21.30 Uhr, in Mailand, Turin und Florenz von 18 bis 22 Uhr.

Bei der Bahn sollen zwischen 9 und 17 Uhr vor allem regionale Züge bestreikt werden. Die Eisenbahngesellschaft Trenitalia strich landesweit 20 Intercity-Verbindungen. Hochgeschwindkeitszüge sollen jedoch nicht ausfallen, hieß es. 

Betroffen vom Streik sind auch die Mautschalter an italienischen Autobahnen. Der Betreiber Autostrade per l'Italia erklärte, einige Schalter könnten geschlossen sein. Es seien aber die automatischen Kassen geöffnet.

Auch viele Fähr- und Frachtschiffe bleiben in ihren Häfen, die "essenziellen Verbindungen" seien jedoch gesichert, so die Gewerkschaft Filt Cgil. 

Der Flugverkehr soll erst am Freitag bestreikt werden: Zwischen 10 und 14 Uhr sollen die Angestellten dann ihre Arbeit niederlegen. 

In Italien ist gerade Hochsaison

Der Streik trifft das Land mitten in der Urlaubssaison. Im Juli und August sind in Italien Schulferien, auch viele Behörden, Firmen und Dienstleister machen kollektiv Betriebsurlaub. Millionen strömen ans Meer oder in die Berge. Hinzu kommt: Auch aus anderen europäischen Ländern reisen Urlauber nach Italien, allen voran die Deutschen. 

Verkehrsminister Danilo Toninelli appellierte daher an das "Verantwortungsbewusstsein" der Gewerkschaften mit Blick auf die "delikate Periode" der sommerlichen Reisewelle.

Dass Touristen unter den Auswirkungen des Streiks leiden müssen, wolle man vermeiden, erklärte ein Sprecher der Transportgewerkschaft Filt Cgil. Wichtige Verkehrsverbindungen sollen garantiert sein. Touristen aus Deutschland müssten "keine großen Probleme" befürchten, sagte Sprecher Guido Barcucci der Deutschen Presse-Agentur. 

Gewerkschaften fordern mehr "Bewegung" von der Regierung

Zu dem Streik aufgerufen haben die italienischen Gewerkschaften. Unter dem Slogan "Bringen wir das Land wieder in Bewegung" fordern sie von der Regierung in Rom unter anderem Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und ein klares Regelwerk zur Verhinderung "unlauteren Wettbewerbs". 

Ein Last-Minute-Treffen, um den Streik doch noch zu verhindern, war ergebnislos. "Die Gründe [für den Streik] bleiben", teilten die Verbände Filt-Cgil, Fit-Cisl und Uiltrasporti nach einem Treffen im Verkehrsministerium mit.

Letztes Zugchaos ist erst ein paar Tage her

Reisende in Italien haben gerade erst chaotische Zustände hinter sich: Am Montag brach nach einem Brand der Zugverkehr von Nord bis Süd quasi zusammen.

Schuld war ein Feuer auf der wichtigen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Florenz und Rom. An den Bahnhöfen waren Zehntausende Reisende gestrandet. Die Regierung geht von einem Sabotageakt aus.

Quellen: "La Repubblica"-Bericht, Nachrichtenagentur DPA