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Luzern: Frühstück bei Tschaikowsky

Festivalglanz, sonnenüberflutete Seeterrassen und weltberühmte Dirigenten: Luzern lädt jedes Jahr zum Musik-Festival und spielt das Spiel der Hochkultur vor der malerischen Kulisse der Zentralschweizer Alpen.

Von Marina Kramper

Es gibt Städte auf der Welt, die sind so nichts sagend, dass man sich fragt, wer dort eigentlich leben will. Und es gibt Städte, die sind so schön, dass allein der Gedanke ein wohliges Prickeln im Bauch verursacht. Luzern gehört eindeutig in die zweite Kategorie. Direkt an einem der großen Bergseen, dem Vierwaldstättersee gelegen, verbreitet Luzern auf Anhieb den Charme, der alle Ideale kultivierter Lebensart in sich vereint.

Es gibt Menschen, die mögen keinen Festivalglanz im Alpenglühen auf Cocktailterrasse, insofern ist es eine Frage des Geschmacks. Es gibt auch Menschen, die es sich nicht leisten können. Das ist dann eine Geldfrage. Wer Luzern im Spätsommer besucht, sollte in der Lage sein, ein Art Deco Badezimmer und die Alpen unter einen Hut zu bringen. Ist dieses finanzielle Thema geklärt, so kann auf hohem Niveau genossen werden.

Luzern im Spätsommer heißt Kunst, Kultur, vor allem aber Musik. Vom 10. August bis zum 16. September präsentieren sich jährlich in dem Konzertsaal am Seeufer internationale Künstler auf Weltklasse- Niveau. Angefangen hat alles im Haus Tribschen, dem ehemaligen Wohnsitz von Richard Wagner am Vierwaldstätter See. Toscanini gab hier 1938 ein erstes Konzert und seither geben sich die Dirigenten der berühmtesten Sinfonieorchester wie Sir Simon Rattle und Daniel Barenboim zum Luzern Festival die Taktstöcke in die Hand.

Beginnen wir den Festivaltag mit einem Frühstück im Zimmer, unser Art Deco Badezimmer gehört zu einem der prächtig ausgestatteten Doppelzimmer des Palace Luzern, einem der drei Fünfsterne Hotels am Ort. Uns erwartet am Abend das St. Petersburger Sinfonieorchester. Der Solist Nicolai Znaider, so flüstern es uns Insider, wird als einer der zehn besten jungen Geigensolisten gefeiert.

Hotelschick vor malerischer Kulisse

Das Palace bietet für Musikliebhaber und Festivalbesucher Übernachtungs- Arrangements "Palace Privilegien", zwei Nächte im Deluxe Doppelzimmer. Der Blick auf den See bringt mit Sicherheit unterhaltsameres als die Morgenzeitung, die vom Balkon der Nachbarsuite raschelt.

Das Hotel verfügt über eine Seeterrasse und ist es nur ein kleiner Schritt, wir mischen uns unter das Volk. Wie in jeder Stadt, die über einen maritimen Mittelpunkt verfügt, zieht es auch hier alle Einheimischen und Touristen an diesem schönen Spätsommertag an die Uferpromenade. Kinderwagen, Jogger, Boulespieler. Ein Teil der Seeterrasse ist für eine Hochzeit reserviert. Eine wunderschöne, cremefarben strahlende Braut und ihr Dreitage -Bart-Bräutigam verheißen glückliche Tage und atmen auch jetzt schon den Glanz einer finanziell gesicherten Zukunft.

Sind wir volkstümlich gestimmt, so entern wir erstmal die Planken der städtischen Badeanstalt. Vor dem Hotel liegt sie vertäut am Ufer wie ein Relikt aus der Zeit, als Thomas Mann in Venedig baden ging. Vier Franken kostet der Eintritt und bietet saubere Kabinen, Duschen, eine Piratenbar und ein Sonnendeck mit Aussicht auf Hotel, Berge und Konzertsaal. Und alles aus Holz. Der Einstieg in den selbstverständlich sauberen See, wir sind schließlich in der Schweiz, erfolgt über ein kleines Becken, gesichert mit Holzplanken. Von da aus schwimmen die Badenden durch zwei große Tore direkt in die Weite des Raumes und lassen sich panoramaversunken im Wasser treiben.

Vom Leben und Arbeiten zwischen Käufern und Küstlern

Uns steht der Sinn eher nach kulturell Hochwertigem, wir besuchen die Rosengart Stiftung. In einer ehemaligen Bank hängen Werkgruppen von Picasso, Klee, Chagall und anderen Meistern der klassischen Moderne. Bilder, die man als kunstliebender Mensch von Abbildungen kennt und erstaunt ist, sie hier als Original anzutreffen. Angela Rosengart, die charismatische Leiterin des Hauses, hatte seinerzeit die Kunst des Galeriewesens bei Ihrem Vater erlernt. In einer Ausstellung alter Schwarz/weiß Fotografien wird das Leben und Arbeiten zwischen Käufern und Künstlern unter der Sonne des südlichen Frankreich plastisch. Picasso portraitierte Frau Rosengart gleich mehrmals.

Die Rosengart Stiftung hat ein besonderes Verhältnis zum Palace-Luzern. So hängen nicht nur Gemälde von Miro, Kandinsky und Chagall in der Suite of Arts, Frau Rosengart führt, wenn man Glück hat, sogar durch ihre Sammlung. Wir hatten das große Glück und die Führung war wie ein Fall aus der Zeit und ein Sprung in eine andere Welt. Wann kann man schon mal Persönliches über die großen Meister der Moderne erfahren? Chagall jedenfalls, so Frau Rosengart, war genauso verträumt und versponnen wie seine Bilder.

Wellness für Körper und Geist

Zurück zum Hotel und ab in den Spa. Gesichts- und Ganzkörperbehandlung, Hot Stone und Ayurveda. Hochqualifizierte Spa- Therapeuten betreuen die Gäste während ihres gesamten Aufenthaltes. Auch die Spa- Architektur wurde dem Ruhe- und Harmoniegedanken angepasst. Es gibt natürlich auch Menschen, die lassen sich lieber innerlich liften und gehen stattdessen in den Gottesdienst. Immerhin war der Luzerner Dom mal der Sitz des päpstlichen Nuntius und verfügt über eine eindrucksvolle Treppe zum Haupteingang. Ein sympathisch vergeistigter Pfarrer predigt über Hochmut und darüber, dass Jesus den Jüngern beim letzten Abendmahl schließlich die Füße und nicht den Kopf gewaschen hat. Gekrönt wurde der Gottesdienst von einer großartigen Orgel plus Trompete, und das alles ohne Eintritt.

Nun ist es, frisch geläutert, doch an der Zeit, sich umzuziehen für das abendliche Konzert. Ein Aperitif an der Bar oder auf der sommerabendlichen Terrasse bietet den Blick auf die Abendroben. Der Dresscode ist festlich aber nicht streng. Selbstverständlich kann der ganz große Auftritt zelebriert werden, ein Hosenanzug tut es aber auch. Das Hotel verfügt über einen eigenen Bootshuttleservive, der die Hausgäste über den spiegelglatten See zum Konzertsaal hinüberführt. Die St. Petersburger Philharmoniker unter der Leitung von Yuri Temirkanov spielen Tschaikowskys Violinkonzert D-Dur op. 35. Violine: Nicolai Znaider. Das Publikum ist im besten Alter, der Jüngste im Saal sicherlich der Geigensolist. Das Violinkonzert galt lange Zeit als unspielbar und wenn man Herrn Znaider spielen hört und schwitzen sieht, dann weiß man spätestens, warum.

Stars der Sinfonie ganz weltlich beim Frühstück

´ Den anschließenden Prokofjew wird sich Herr Znaider dann vom Publikum aus anhören und fast hätte man ihn ohne Frack und mit Brille nicht wieder erkannt. Nach dem Konzert empfangen uns die Lichter der Stadt und begleiten uns glitzernd zurück über den See zum Hotel. Das Festival Dine-in findet im neu gestalteten Restaurant "Jasper" statt. Ein modernes Ambiente, geführt von Küchenchef Ulf Braunert, einem gebürtigem und inzwischen weitgereistem Thüringer. Aromareich aber nicht zu schwer ist die abendliche Küche, die sättigt, aber nicht die Lust auf den anschließenden Barbesuch vergällt.

Zum Frühstück am nächsten Morgen sollte man dann unbedingt auf das Bufett im "Les Artists" zurückgreifen. Wo sonst sieht man die Herren und Damen des vorabendlichen Sinfonieorchesters in derart weltlichen Posen! Der knurrige Posaunist speist zeitungslesend selbstverständlich am Einzeltisch, die stets blonden Harfenspieler flüstern engelsgleich, der Dirigent verschwindet in Wilhelm Busch Manier im anliegenden Frühstücksseparee und der junge Solist begegnet einem verschlafen im Lift und macht so ganz und gar nicht den Eindruck, als sei er schon bereit für schmeichelndes Lob.

Ach, und dann gibt es im Palace ja noch Werner Winkler. Herr Winkler nennt sich "Freizeit- Designer" und wenn man dann immer noch viel Zeit übrig hat, dann schneidert Herr Winkler dem Gast zwischen Kultur, Sport und Ausflügen seinen Tagesplan maß.

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