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Pembrokeshire: Jedes Haus hat seine Geister

Die Küste von Pembrokshire im Südwesten von Wales ist eine der schönsten und sonnigsten Ecken des Landes. Die Landschaft ist nicht nur geprägt von grünen Tälern und schroffen Steilküsten, sondern auch von mittelalterlichen Burgruinen und Geistergeschichten.

"This is not the boathouse", das ist nicht das Bootshaus, erklärt die Führerin Louise, "das ist die Garage, in die sich Dylan Thomas zurückzog zum Trinken und zum Schreiben." Die Besucher drücken ihre Nasen an die Fensterscheiben, um den heiligen Ort zu bewundern. Es ist rein gar nichts zu sehen, außer ein paar losen Brettern und zerrissenen Zeitungen.Der berühmte walisische Dichter, in 1914 in Swansea geboren, lebte mit Frau und drei Kindern im "Bootshaus" in dem kleinen Ort Laughharne. Das Holzhaus, heute ein Museum, wunderschön an einem Hang mit Blick aufs Meer gelegen, wurde zum Ruhepunkt in Thomas rastlosem Leben. Der kleine Ort ist wegen des wortgewaltigen Dichters heute zur Pilgerstätte der zahlreichen Fans geworden. Die Bewunderung für die Ikone der frühen Popkultur war so groß, dass ein gewisser Robert Zimmermann den Künstlernamen Bob Dylan annahm.

Im Pub "Browns Hotel" erinnern zahlreiche vergilbte Fotos an den Wänden an den Bohemien. Der heutige Besitzer, der 71-jährige Tom Watt, weiß viel zu erzählen, denn natürlich kannte er den starken Trinker persönlich. "Man sagt, er hätte sich zu Tode getrunken", erzählt er, "aber das ist nicht wahr. Er hatte zwar achtzehn Whiskys geschluckt, aber er ist daran gestorben, weil er zuckerkrank war. Das passierte in New York, wo er sich mit Stravinsky traf, um mit ihm eine Oper zu schreiben. Vor einiger Zeit hat mich 'James Bond' Pierce Brosnan, ein großer Bewunderer des Dichters, hier besucht. So erfuhr ich, dass sein Sohn Dylan heißt."

Die Musikerkarriere für Käse aufgegeben

Die Waliser waren schon immer besonders mit einem Hang zum Nonkonformismus wie auch die Schauspieler Richard Burton oder Anthony Hopkins. Im Llangloffan Farmhouse lebt ein weiterer Individualist, Leon Downey. "Als ich damals auf der Höhe meiner Karriere das Hallé Orchester verließ, wo ich viele Jahre Bratsche gespielt hatte, dachten alle ich sei verrückt. Als ich dann anfing die Käserei aufzubauen, war man fassungslos," erzählt Leon lachend. Heute ist sein Käse für die gute Qualität berühmt. So sehr, dass Leon und seine Frau Joan, die den Verkaufsladen führt, hohen Besuch bekamen. Per Helikopter flog Prinz Charles ein, um Farm und Käserei kennenzulernen.Die Menschen in Wales sind geprägt von der Natur und der Kultur, die hier eine besondere Symbiose darstellt. Die Küste von Pembrokeshire, dem südwestlichen Zipfel von Wales, ist eine der sonnigsten und schönsten Ecken des Landes mit endlosen Stränden, steiler Felsküste und malerischen Buchten. Es ist eine von Geschichte durchdrungene Landschaft mit grünen Tälern, mittelalterlichen Ruinen, romantischen Burgen, Dörfern mit keltischer Vergangenheit und Puppenstubenortschaften. Auf den sattgrünen Wiesen grasen zahlreiche Schafe, bei drei Millionen Walisern soll es 12 Millionen Schafe geben.

In einer Fischerbude gibt es den besten Tee

Tenby, umgeben von Sandstränden, ist ein Seebad mit Geschichte. In der Bucht thront auf einem Felssporn die Burgruine. Vorgelagert liegt St. Catherine's Island mit einem Fort aus der Zeit Napoleons. Die Insel ist zwar bei Ebbe zu Fuß zu erreichen, aber nicht zu besichtigen, da sie in Privatbesitz ist. Pastellfarbene Häuser umrahmen den Hafen von Tenby mit den Fischer- und Segelbooten. Hier werden nicht nur Fische verladen, sondern auch Tee getrunken, denn den besten Tee des Ortes gibt es hier bei den Fischern in einer einfachen Bude. Die Altstadt des Ferienortes mit dem südländischen Flair ist von einer dicken Stadtmauer umschlossen. Zahlreiche Touristen schlendern durch die Geschäfte, sitzen in Cafés und Restaurants. Aus den Pubs dröhnt laute Musik und fröhliches Gelächter.

Tenby ist guter Ausgangspunkt für weitere Sehenswürdigkeiten. Ein Naturereignis ist eine Wanderung auf dem Pembrokeshire Coast Path, einem 270 km langen naturgeschützten Klippenpfad entlang dem wild zerklüfteten Küstenstreifen, die Robben und Seevögeln ihren Lebensraum geben. Besonders eindrucksvoll ist der "Path" zwischen Stackpole und St. Govan's Head wegen der gewaltigen Natur mit seinem reichen Vogelleben. Dort schäumt und brodelt das Meer in natürlichen Höhlen und nagt an der Küste aus Sand- und Kalkstein. Eine kleine Kapelle auf einem Felsen trotzt seit dem 13. Jahrhundert den Naturgewalten.

Pembroke Castle, der schönste Ort in Wales

Pembroke ist eine kleine Stadt mit engen Altstadtgassen, die überragt wird von Pembroke Castle, grandios auf einem Kalkfelsen über dem Fluss gelegen. Die Burg ist eine der mächtigsten und wichtigsten Burgen von Wales. Sie war die Geburtsstätte des späteren Königs von England, Henry Vll., der Begründer der Tudordynastie. Als "most pleasant spot in Wales", der schönste Ort in Wales, wird gern das Manorbier Castle bezeichnet. Die romantische Burg, Efeu bewachsen und einsam am Meer gelegen, wurde zwischen dem 12.-14. Jahrhundert erbaut. Ein weiterer geschichtsträchtiger Ort ist St. David's, mit seinen 1600 Einwohnern die kleinste City, also Kathedralstadt Großbritanniens. Ungewöhnlich ist, dass das sakrale Gebäude in ein Tal gebaut wurde, anstatt wie sonst üblich auf einer Anhöhe. Die mächtige Kathedrale, im Mittelalter ein wichtiges Pilgerziel, ist dem Schutzheiligen von Wales gewidmet. Nach so viel Historie lockt ein sinnliches Vergnügen. Im "Sampler Coffee House" sind hausgemachte Süßigkeiten eine Versuchung wert.Wenn es das Wetter erlaubt und das Meer nicht zu wild erscheint, lohnt eine Bootsfahrt zur vorgelagerten Insel "Ramsey Island". Der frühere Piratenstützpunkt ist heute Zuflucht zahlreicher Robben.

Jedes Haus hat seine Geister

Passend zum Thema regnet es am Abend in Strömen, was nicht hinderlich sein sollte, an einer Geistertour durch Tenby teilzunehmen. Wie üblich hat jedes Haus in Wales seine Geschichte und seine Geister. Es sind unheimliche Geschichten von Tod und Teufel, von Verstorbenen, die als Geister durch die Straßen und Häuser irren. Am besten man begegnet den Geistern auf walisische Art, man kehrt ein in einen der übervollen Pubs, um bei viel Bier gemeinsam und lauthals den Geistern zu trotzen.

Gesine Unverzagt

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