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Reykjavik: Schlaflos unter Vulkanen

Eine Reise zur einsamen Vulkaninsel im Nordatlantik ist mehr als nur ein Ortswechsel innerhalb Europas. In den hellen Sommernächten wird durchgefeiert, Reykjaviks Clubs müssen die Fenster künstlich verdunkeln, und als Snack wird "Hákarl" aufgetischt, fermentierte Haifischwürfel.

Von Jochen Affeldt

Über Island kann man sich nur wundern. Das fängt mit den Bewegungen der einheimischen Miniaturpferde an. "Tölt" nennt sich diese für den Reiter so rückenschonende Spezialgangart. Wenn man einen groß gewachsenen Wikingernachfahren auf seinem Kleinstross im Viertaktschritt daher eilen sieht, wirkt das sonderbar. Unter sich, in der Herde, wenn die bemerkenswerte Mähne im kalten Islandwind flattert, geben diese Tiere ein beeindruckendes Bild ab.

Wundern kann man sich in den Sommermonaten, wenn die Sonne partout nicht untergehen will. Die Isländer arbeiten dann länger, weil es so schön hell und der Biorhythmus aus dem Takt geraten ist. Zu tun gibt es genug und die Arbeitslosigkeit liegt bei einem harmlosen Prozent. Gastarbeiter sind willkommen, ja sogar erwünschter als bei uns in den Siebzigern. Bei den mickrigen Stundenlöhnen kommen zumeist Polen, die auch ihre Familien nachholen und bleiben. Ins Ausland gehen fast alle jungen Isländer. Überall in der weiten Welt trifft man das reiselustige Völkchen, meist in warmen Ländern. Anders als bei Islandponys wird ihnen die Rückkehr nicht lebenslang verwehrt. Fast alle kommen wieder, denn zu Hause ist es eben doch am schönsten.

"We work hard and we party hard!"

So umreißt es die in ein knallenges Krankenschwester-Minirock-Outfit aus Gummi gezwängte Isländerin und wirft sich zurück in die Tanzmeute. Ein ambulanter Notfall vielleicht. Sie sah übrigens tatsächlich aus wie Björk. Im Ernst. Die DJs der berüchtigten Clubszene Reykjaviks ziehen zur Mittsommernacht die Gardinen zu, damit in der Bar auch Nightlife-Stimmung aufkommen kann. Draußen sieht es auch um zwei Uhr nachts immer noch wie an einem verkaufsoffenen Sonntag aus. Vielleicht erklärt sich durch die beachtliche Feierlaune das Durchschnittsalter werdender Mütter: Mit etwa 22 Jahren hat man seinen ersten Stammhalter in der Karre. Im Schnitt. Vierzehn Geburten pro 1000 Einwohner, in Germanien kommt man mit Ach und Krach auf neun. Die Lebenserwartung der Insländer beträgt 81 Jahre im arithmetischen Mittel. In Deutschland ist mit 79 Schluss. Von Überalterung auch keine Spur: 35 ist das Durchschnittsalter auf der Insel im Atlantik, satte 43 bei uns.

Jung ist auf Island eigentlich alles. Sogar der Boden auf dem man steht. Gerade mal 20 Millionen Lenze zählen die ältesten Plätze. Island ist in der Klasse der Erdgeschichte noch ein Jugendlicher, Europa ist dagegen wirklich steinalt.

Selbst abgeklärte Wissenschaftler können auf Island einen zweiten Frühling erleben und mehrere geologische Phänomene gleichzeitig beobachten. Man befindet sich in Island direkt auf dem beweglichen mittelatlantischen Rücken, genau zwischen der nordamerikanischen und eurasischen Platte. Die große Verschiebung der Erdbodenverkleidung unseres Planeten hat die Insel mit viel Dramatik aus dem Meer gespuckt.

Die alte Platte

Island teilt sich diesen unruhigen Wohnort mit den Azoren, den Inseln St. Peter und St. Paul, Ascension, St. Helena, Tristan da Cunha, den Gough- und Bouvet-Inseln und Jan Mayen im Norden. Obwohl sie die Größte dieses elitären Vereins darstellt, wächst sie immer noch und das lässt buchstäblich die Wände wackeln. Auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten bebt es bis zu 24 Mal täglich.

1784 hätte die gern zitierte Richterskala für Island eine beeindruckende "8" angezeigt, wenn es sie schon gegeben hätte. 500 zerstörte Bauernhöfe sind aber auch dann eine deutliche Ansage, wenn man nicht weiß, was eine "plattentektonische Transformstörung" bedeutet. So etwas bringt unter anderem Wasser dazu, kochend heiß und wie beim berühmten "Strokkur" bis zu 35 Meter hoch in die Luft zu schießen. "Geysir" nennt sich das und der Namensgeber ist 25 Meter weiter rechts zu finden. Er hat sich allerdings unbeeindruckt von Touristenforderungen bis auf weiteres zur Ruhe gesetzt und spuckt nicht mehr.

Naturgewalten sind in Island stets gegenwärtig. In der Eiszeit war Island komplett vergletschert und trotz messbaren Schmelzwetters lassen sich noch ganz erstaunliche Eisriesen bewundern. Über elf Prozent des Landes sind durch dicke Panzer gefrorenen Niederschlags vor den Blicken verborgen. 900 Meter müsste man sich senkrecht durch den "Vatnajökull" pickeln, um auf festen Grund zu kommen. Das ist einsamer Europa-Rekord.

Designerlabel und Schotterpisten

Bei "Feuer und Eis" denkt hier niemand an Willy Bogners Wintersportbekleidungsfilm mit Minimalhandlung. Designerlabel hat man in Reykjavik sowieso selber und um Längen ideenreicher. Bogners Kollektion weist garantiert keine Handtaschen aus Lachshaut auf und hat hier nichts verloren. Überhaupt sind die Isländer bewundernswert resistent gegen kulturelle Attacken. Außer einer angesichts 80 Prozent Schotterstraßen bedenkenswerten Vorliebe für dicke Schlitten und ein paar "Kentucky Fried Chicken" in Keflavík haben die bis 2006 hier stationierten amerikanischen Streitkräfte kaum etwas hinterlassen. Nicht einmal halb so viele Anglizismen wie man vermuten würde. Und dabei spricht hier fast jedermann lupenreines Englisch.

Ein selbstbewusstes Völkchen also, das anscheinend auch im 21. Jahrhundert ernsthaft an einheimische Geister, Feen und Trolle glauben will. Und darauf besteht, an Tankstellen Tütentrockenfisch und Hufeisen erwerben zu können. Wie kommt man nur darauf, schwarz gesengte Schafsköpfe (Nennen sich "Svið" und sind in ausgewählten Supermärkten zu finden) auf seinem Teller zu platzieren? Oder die fermentierten Haifischwürfelchen namens "Hákarl", die so riechen, dass sie anderswo die Gesundheitsbehörde auf den Plan rufen würden? Wer an so etwas geschnuppert hat, den wundert eigentlich gar nichts mehr.

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Infoteil

Geistermuseum

Im Örtchen Stokkseyri hat man dem Spuk auf über 1000 Quadratmetern Raum gewährt. Über ein tragbares Audiosystem wird man durch die Etappen des Museums geführt. Das kann schon unheimlich werden. Insbesondere, wenn plötzlich ein "Geist" unversehens aus der Requisite hüpft. www.draugasetrid.is

Fischleder

Reykjaviks ältestes Haus beherbergt heute exquisites Design. Von der edlen Lammfelljacke bis zur Fischlederhandtasche bietet Hall Bogadóttirs "Kraum"-Laden viele originelle Accessoires. Allesamt besonders ausgefallen und vor allem original isländisch - und teuer.
www.kraum.is

Laxness Museum

Nicht weit von Reykjavik entfernt findet sich der Wohnort des isländischen Nobelpreisträgers Halldór Laxness. Der unbeugsame Schriftsteller und lange Zeit überzeugte Kommunist wurde vor allem durch seine Bücher "Sein eigener Herr", "Die Islandglocke" und "Atomstation" bekannt. Sein Wohnhaus ist wie zu seinen Lebzeiten belassen und heute ein Museum.
www.gljufrasteinn.is

Blue Lagoon

Einst ein Sammelbecken für das Restwasser des geothermalen Kraftwerks, heute eines der besten SPAs der Welt mit viel Hightech und skandinavischem Edeldesign. Sechs Millionen Liter badewannenwarmes Wasser bieten einen blauen Kontrast zu schwarzen Vulkangestein. Da sich in dem Salzwasser keine Keime halten können, wird hier auf Chlorzusätze verzichtet. Alle 40 Stunden wird das ganze Wasser komplett ausgetauscht. Ein Muss zu jeder Jahreszeit bei jedem Wetter für jeden Island-Besucher.
www.bluelagoon.com

Nachtleben in Reykjavik

Rex

Einer der angesagtesten Bars der Stadt. In dem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert tanzt man in einer verspielten Mischung aus aristokratischer Kronleuchtereleganz, Edeldesign und Popkultur. Gute Cocktails.
www.rex.is

Thorvaldsen

Eher bodenständig und normal, aber definitiv ein guter Anlaufpunkt für Nachtschwärmer. Gleichzeitig Bistro, Bar und Restaurant.
www.thorvaldsen.is

B5

Leicht zu erkennen an der Lampe auf dem Pferdekopf im Schaufenster. An der Bar redet und trinkt man sich schon mal warm für die nächste Etappe. Mit Live-DJ.
www.b5.is

Hressingarskálinn

Die Live-Band schraddelt amüsant aus ihrem Achtziger-Fundus und man fühlt sich wie in der Dorfdisse, die an anderen Tagen wohl ein Fischlokal ist. An den Plätzen draußen darf geraucht werden, aber das Bier bleibt drinnen. Am Tresen gilt das umgekehrt.
www.hresso.is

Isländisches Fremdenverkehrsamt

City Center, Frankfurter Str. 181 63263 Neu-Isenburg Tel. 06102 - 254 484
www.visiticeland.com

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(