HOME

Flug von Moskau : Sensationelle Notlandung: Wie den Piloten die Meisterleistung gelang

Es hätte in einer Katastrophe enden können: Kurz nach dem Start flogen Vögel in beide Triebwerke einer Ural-Airlines-Maschine. Die Motoren versagten. Doch den Piloten gelang eine sensationelle Notlandung. Experten erklären, warum es eine Meisterleistung war. 

Airbus-Notlandung bei Moskau: Augenzeugen schildern dramatische Szenen

Kurz nach Sonnenaufgang startete am Moskauer Flughafen Zhukovsky am Donnerstag ein Airbus A321 in Richtung der Urlaubsstadt Simferopol - mit mehr als 230 Menschen an Bord. Der Start um 6.15 Uhr verlief zunächst nach Plan. Doch schon nach wenigen Augenblicken in der Luft passierte das Unglück: Ein Schwarm Möwen krachte in beide Triebwerke der Maschine der Fluggesellschaft Ural Airlines erst in das linke, dann in das rechte. Auf einer Höhe von rund 230 Metern versagten daraufhin die Motoren. 

Die Piloten trafen in diesem Augenblick die Entscheidung, die sich im Nachhinein wohl als die einzig richtige erwies: Eine Notlandung mitten auf einem Maisfeld. "Die Motorleistung reichte nicht mehr aus, um den Flug fortzusetzen. Sie reicht nicht einmal mehr aus, um die Höhe zu halten", erklärte später der Kapitän des Flugs Damir Yusupov. "Nachdem das erste Triebwerk ausgefallen war, wollten wir noch zum Flughafen umkehren. Doch nachdem auch das zweite ausfiel, traf ich die Entscheidung, sofort auf gerade Linie zu landen", so der 41-Jährige.

Die Piloten schalteten die beiden Triebwerke aus und unterbrachen die Treibstoffzufuhr. Dadurch minderten sie die Gefahr eines Feuers bei dem Aufprall. Bewusst entschloss sich der Kapitän außerdem, das Fahrwerk nicht auszufahren. "Das Flugzeug musste so sanft wie möglich auf dem Boden aufkommen", erklärte er sein Vorgehen. Ohne das Fahrwerk sei die Notlandung sicherer gewesen.

Experte: "Es war eine Meisterleistung" 

Für den Luftfahrtexperten Thomas M. Friesacher steht fest: Die Piloten haben alles richtig gemacht. "Es ist auf jeden Fall eine Meisterleistung", sagte der aktive Pilot und beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Flugunfälle dem stern

"Ich fliege selbst Airbus. Und ich muss sagen: Ich will mich nicht in solch einer Situation wiederfinden. Geschweige denn auf dieser niedrigen Höhe. Die Piloten haben alles richtig entschieden. Wären sie in dieser Situation etwa noch eine Kurve geflogen, wäre die Angelegenheit ganz anders ausgegangen", so Friesacher. 

"Wenn auf dieser Höhe die Triebwerke ausfallen, hat man keine Zeit mehr, Fluglotsen oder sonst irgendjemanden um Rat zu fragen. Man muss schnell reagieren. Man darf nicht zögern. Sonst verliert man den Auftrieb. Wenn man da zu spät reagiert, dann fällt das Flugzeug schlicht steil aus dem Himmel", erklärte der Experte für Sicherheits- und Risikomanagement. "Dass in der Nähe zufällig ein Feld war, auf dem man landen konnte, war natürlich Glückssache. Aber das mindert die Leistung der Piloten nicht im Geringsten", betont er. "Das war eine sehr gute Leistung. Respekt vor den Kollegen", lautet daher sein Urteil. 

Im heiklen Moment Ruhe bewahrt 

Sein russischer Kollege Juuri Sytnik teilt diese Meinung. "Die Besatzung hat ganz nach dem Lehrbuch gehandelt," sagte der hochdekorierte Pilot und Mitglied der Präsidentenkommission für die Entwicklung der Zivilen Luftfahrt der Zeitung "Komsomolskaja Prawda". "Die Piloten haben die Motoren ausgeschaltet, die Treibstoffzufuhr unterbrochen. Sie haben es geschafft, das Flugzeug bei dem Anflug gerade zu halten, sind sanft auf dem Boden aufgekommen - und zwar zuerst mit dem Heck, wie es sich gehört." Gerade dieser Moment sei bei einer Notlandung besonders heikel. "Das Flugzeug darf nicht mit der Nase oder den Triebwerken zuerst auf dem Boden aufkommen, sondern mit dem Heck", so Sytnik. Passiere dies nicht, breche das Heck bei der Landung ab, erklärte Friesacher die Gefahr.

In Russland werden die beiden Piloten des Airbus nun als Helden gefeiert. "Heute ist unser zweiter Geburtstag", sagten die geretteten Passagiere laut der russischen Online-Zeitung "Gazeta.ru". Sie hätten ihr Leben nur den Piloten zu verdanken. 

Der 41-jährige Flugkapitän Damir Yusupov wird nach der Notlandung als Held gefeiert 

Der 41-jährige Flugkapitän Damir Yusupov wird nach der Notlandung als Held gefeiert 

Picture Alliance

Die "russischen Sullys"

Dabei stieg der 41-jährige Damir Yusupov erst vor einem Jahr in den Rang eines Flugkapitäns auf. Bevor er Pilot wurde, arbeitete er als Anwalt im städtischen Wohnungsbau- und Hypothekenfond in der südrussischen Großstadt Sysran. Doch er habe immer Pilot werden wollen, berichteten seine ehemaligen Kollegen "Gazeta.ru". Mit 33 Jahren schloss Yusopov schließlich seine Ausbildung zum Piloten mit summa cum laude ab. 

Sein Co-Pilot, der 23-jähriger Georgij Murzin, beendete erst vor Kurzem seine Ausbildung und hat erst 600 Flugstunden absolviert. 

Umso mehr Bewunderung bringt man den beiden Piloten nun entgegen. Premierminister Dmitry Medvedev hat bereits vorgeschlagen, die beiden Männer mit einem Orden zu ehren. In der Öffentlichkeit wurden sie auch schon mit einem Spitznamen geehrt: russische Sullys. Angelehnt ist der Spitzname an den Flugkapitän Chesley B. Sullenberger, der 2009 nach dem Ausfall beider Triebwerke durch Vogelschlag mit einem Airbus A320 eine Notlandung auf dem Hudson River durchgeführt hatte. Er wurde als "Sully" bekannt. 

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity