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Nach Unglück in Moskau : Suchoi Superjet-100 : Russlands Vorzeigeprojekt, das zum Fluch wurde

Der Flieger Suchoi Superjet-100 sollte Russland auf dem Markt der zivilen Luftfahrt wieder konkurrenzfähig machen. Doch der vermeintliche "Superjet" kämpfte von Anfang mit technischen Problemen.

Das ausgebrannte Wrack der Aeroflot-Maschine auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo 

Das ausgebrannte Wrack der Aeroflot-Maschine auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo 

AFP

Nach der Flugzeugkatastrophe in Moskau gehen die Ermittler verschiedenen möglichen Ursachen für das Unglück mit 41 Toten nach. Untersucht werde, ob die Piloten und das technische Personal ausreichend qualifiziert gewesen seien, teilte das staatliche Ermittlungskomitee am Montag in Moskau mit. Auch mögliche technische Ursachen an dem Suchoi Superjet-100 (SSJ100) sowie Wettereinflüsse werden nicht ausgeschlossen. Passagiere und Besatzung des Flugzeugs hatten von einem Blitzeinschlag berichtet. Danach seien Teile der Technik an Bord ausgefallen, hieß es.

Acht Jahre lang ist der Kurzstreckenflieger in Russland bereits im Einsatz. Der Jet ist die erste Neuentwicklung der russischen Flugzeugingenieure nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Er sollte die russische Zivilluftfahrtindustrie wieder auf die Beine bringen. Derzeit ist der Flieger das einzige russische Modell, das auch nach Europa exportiert wird. Doch von Beginn an wurde er zum Fluch der russischen Luftfahrtindustrie.

Ein technisches Problem nach dem anderen

Schon, als die Maschine am 9. Mai 2012 in Indonesien präsentiert wurde, zerschellte einer der Flieger dort in den Bergen. Seitdem rissen Meldungen über technische Probleme nicht ab. Erst im August letzten Jahres verkündete die Fluggesellschaft Jakutien, man erwäge, die SSJ100 wegen der "kritischen Masse an Problemen" aufzugeben. Das gravierendste Problem sei der häufige Ausfall der Treibwerke. Nur drei der fünf Flieger im Besitz der Airline waren im Sommer einsatzbereit. 

Im Winter 2018 stellte die russische Föderale Agentur für Lufttransport Fehlfunktionen bei den Geschwindigkeitsanzeigen aufgrund von Vereisung fest. Wie die russische Zeitung "Kommersant" berichtet, sei es allein in Moskau zu sieben solcher Vorfälle gekommen - innerhalb von zwei Tagen. 

Im Jahr 2017 wurden Mängel im Heckbereich des Flugzeugs gemeldet, berichtet die Zeitung "Vedomosti". Die russische Airline Red Wings lehnte es 2016 aufgrund technischer Probleme sogar ab, das Suchoi-Flugzeug überhaupt in Betrieb zu nehmen. 

Und erst wenige Tage vor dem Unglück in Moskau soll die russische Föderale Agentur für Lufttransport alle Fluggesellschaften, die in Besitz des Fliegers sind, gewarnt haben, dass 50 der Jets aufgrund von Problemen mit der Montage von Motoren und Klappen "potentiell gefährlich" seien, berichtet die russische Nachrichtenseite "Life".

Missglückte Landung die Ursache?

Ob das Unglück in Moskau auf technische Störungen zurückzuführen ist, müssen die Ermittler nun klären. Für den Luftfahrtexperten Thomas M. Friesacher sieht es aber so aus, als ob eher ein Fehler des Piloten zumindest zum Brand nach der Landung geführt haben könnte. "Für mich sieht es so aus, als ob die Piloten sich da in irgendwas hineingesteigert und zu schnell wieder gelandet sind - aus einem Grund, den ich nicht beurteilen kann", sagte der aktive Pilot und selbständige Gutachter für Flugzeugunfälle dem stern. "Da ist bei der Landung irgendwas schiefgelaufen."

Aufnahmen von der Landung würde ja zeigen, dass der Flieger mit der Nase nach unten angeflogen kommt und das Flugzeug dann nochmals am Boden oszilliert, also hin und her schwingt. "Da muss es zu einem Fehler in der Interaktion mit dem Flugzeug gekommen sein. Das mag ein Pilotenfehler gewesen sein. Kann aber auch sein, dass ein Steuerungselement nicht funktioniert hat."