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Sicherheit bei Billigfliegern: Vogelschlag zerstört Ryanair-Flugzeug

Der Billigflieger Ryanair verbucht den ersten Flugzeugverlust in seiner Geschichte. Eine im November 2008 durch Vogelschlag und harte Landung ramponierte Boeing muss verschrottet werden. Damit verändert sich die Liste der sichersten Airlines des Jahres 2008.

Der Albtraum eines jeden Piloten: Am 10. November 2008 gerät eine Ryanair-Maschine im Landeanflug auf den römischen Flughafen Ciampino in einen Vogelschwarm. Dutzende Stare treffen die Boeing 737 wie Geschosse. Die beiden Triebwerke verlieren ihre Schubkraft. Das vom Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz eintreffende Flugzeug sackt durch. Dennoch erreicht die Maschine die Landebahn. Mit großer Wucht setzt Flug FR 4102 um 7.56 Uhr auf.

Bei dem Zwischenfall im November brach das linke Fahrwerk in sich zusammen und durchstieß die darüberliegende Tragfläche. Das Flugzeug kam von der Piste ab, den Piloten gelang es aber, die Maschine zurück auf die Landebahn zu steuern und zum Stehen zu kommen. Von den 172 Menschen an Bord wurden nach Angaben von Ryanair zehn Passagiere verletzt. Es war der bisher schwerste Flugunfall in der Geschichte der irischen Airline.

Ryanair muss neue Boeing verschrotten

Nach Auskünften des Hamburger Flugunfallbüros Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre (Jacdec) entschied sich jetzt die Firmenzentrale in Dublin, das Unfallflugzeug nicht mehr reparieren zu lassen. Zu stark seien die Beschädigungen, vermutet Jacdec-Gründer Jan-Arwed Richter. "Es sind wohl auch strukturelle Teile am Rumpf der Ryainair-Maschine in Mitleidenschaft gezogen", sagte er im Gespräch mit stern.de. Der Eigentümer des Flugzeugs und die Versicherung haben sich darauf geeinigt, die nur sieben Monate alte Boeing 737-800 zu verschrotten, so erfuhr es Richter von Ryanair. Damit verlor Ryanair zum ersten Mal ein Flugzeug und rutscht um einige Plätze im Sicherheitsranking auf der neusten Jacdec-Liste von Platz 8 auf Platz 16.

Die italienische Transportsicherheitsbehörde ANSV stellte am Mittwoch in einer Pressemeldung eine Parallele zwischen dem Unfall der Ryanair und der glücklichen Notwasserung eines Airbus A320 der Fluggesellschaft US Airways auf dem Hudson River in New York her. In beiden Fällen waren es Vögel, die die Turbinen desselben Herstellers außer Gefecht setzten. Die Untersuchungen zu beiden Unglücken, die auch leicht in einer Katastrophe hätten enden können, werden noch Monate andauern. Die Unfallexperten gehen jetzt der Frage nach, ob es eventuell eine Schwachstelle in der CFM-56-Turbine gibt. Wäre dies der Fall, müssten Tausende von Triebwerken auf der Welt überarbeitet werden.

tib

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