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Reportage

Sounds of the Dolomites: Dieses kostenlose Open-Air-Konzert hat seinen Preis: einen schweißtreibenden Aufstieg

Live-Musik an außergewöhnlichen Orten: Beim Festival "Sounds of the Dolomites" treten  Künstler von Weltrang hoch in den Bergen auf. Bei dem Konzert mit Avi Avital gab es sogar eine Uraufführung. Alle Freiluftkonzerte sind kostenlos.

Konzert vor alpiner Kulisse in 2100 Metern Höhe: Das herbeigewanderte Publikum lauscht den Mandolinen-Klängen von Avi Avital, der im Rahmen der Sounds of the Dolomites oberhalb der Refugio Contrin im Trentino auftritt.

Konzert vor alpiner Kulisse in 2100 Metern Höhe: Das herbeigewanderte Publikum lauscht den Mandolinen-Klängen von Avi Avital, der im Rahmen der Sounds of the Dolomites oberhalb der Refugio Contrin im Trentino auftritt.

Ein Bergseil liegt im Halbkreis auf der grünen Almwiese und markiert die Mini-Bühne: Mitten in der Natur sitzt im Schatten einer Lärche der Weltklasse-Musiker Avi Avital auf einem einfachen Holzstuhl mit seiner Mandoline in der Hand. Vor ihm ein Notenständer mit iPad und ein Publikum, das einen schweißtreibenden Vormittag hinter sich hat. Denn nur zu Fuß gelangt man zu diesen Konzertsaal unter freiem Himmel.

"Ich habe noch nie ein Konzert vor einer so schönen Kulisse gegeben", sagt der 40-Jährige Musiker, der in Israel geboren wurde und in Mailand studiert hat, in fließendem Italienisch. Hinter ihm ragen die bis zu 3000 Meter hohen Felsgipfel der Dolomiten in den blauen Sommerhimmel.

Allen Zuhörern gemeinsam ist die Tatsache, dass sie ihre Eintrittskarte zu diesem Event hart erarbeitet haben. Zwar sind die Plätze auf der grünen Wiese kostenlos, doch der Aufstieg zum Refugio Contrin hat es in sich. Es gibt keinen Parkplatz neben der Hütte, keinen Shuttle-Service im Geländewagen oder eine Seilbahn. Jeder, der in den Genuss des Konzertes kommen möchte, muss von Alba di Canazei, das im Tal auf 1517 Meter liegt, die 500 Höhenmeter bis zur Schutzhütte auf einem Weg mit steilen Kehren zurücklegen. Das erfordert mindestens zwei Stunden reine Gehzeit und schweißt zusammen.

Natura e cultura

Es ist High Noon in den Bergen, auf einer begrünten Natur-Arena am Ende eines Seitentals des Val di Fassa oberhalb der Contrin-Hütte. Das Solo-Konzert gehört zu den Höhepunkten des diesjährigen Konzertprogramms der Reihe "I Suoni delle Dolomiti". Bei den zwei Dutzend Freiluftkonzerten der Reihe "Sounds of the Dolomites" treten Ensembles, Solisten, Jazz-, Rock-, Klassik-, Folk- und World-Musiker im Hochgebirge auf. Die Veranstaltungsreihe existiert seit 1995 und ist im deutschen Sprachraum nur Insidern bekannt.

Avi Avital hat auf seinem iPad  nicht nur alle Noten, er fotografiert damit auch das Publikum und die Landschaft, um seine Bilder und Clips später auf Facebook und Instagram hochzuladen.

Avi Avital hat auf seinem iPad  nicht nur alle Noten, er fotografiert damit auch das Publikum und die Landschaft, um seine Bilder und Clips später auf Facebook und Instagram hochzuladen.

Schon nach dem ersten Stück, einer Sonate von Johann Sebastian Bach, zieht Avital seine Fließjacke aus und setzt die verspiegelte Sonnenbrille ab. Nähe entsteht bei diesem Konzert nicht nur zur Natur, sondern auch zwischen Musikern und Publikum. Jeder nimmt auf der gerade erst von Kühen abgegrasten Weide Platz, wo er möchte.

"Ich habe heute ein sehr breit gefächertes Programm ausgewählt", erklärt Avital, "und spiele als nächstes ein Stück, von dem wir wissen, dass es das älteste ist, was für Solo-Mandoline komponiert wurde." Er stimmt erneut sein Instrument mit den vier Saitenpaaren und setzt zur "Partita für Mandoline in C-Dur" des Komponisten Filippo Sauli an, ein Werk aus dem Jahre 1650.

What a special experience! Yesterday I played a recital under blue blue sky on the top of a mountain, at 2,018 meter. I...

Gepostet von Avi Avital am Donnerstag, 19. Juli 2018

Das Publikum sitzt oder liegt im Gras und lauscht den Klängen. Kinder kuscheln im Schoß ihrer Eltern, selbst die Hunde dösen friedlich vor sich hin. Keiner kramt im Rucksack und packt Lunch-Pakete aus oder holt die Trinkflasche hervor. Ein Picknick würde nur ablenken vom Hörerlebnis. Avital hat das Publikum mit seinem kleinen Instrument, das kaum größer als ein Schuhkarton ist, fest im Griff.

Uraufführung in den Dolomiten

Im Programm folgt das "neueste Stück, das für Mandoline geschrieben wurde. Giovanni Sollima hat es komponiert und mir die Noten erst vor drei Wochen zu geschickt", kündigt Avital an. Der italienische Cellist und Komponist hat das Werk eigens für ihn geschrieben.

Avital ist nicht nur der weltweit erste Mandolinist, der für einen Grammy nominiert war, sondern er hat für das Zupfinstrument auch den Weg zurück auf die Konzertbühnen des 21. Jahrhunderts geebnet. Indem er klassische Stücke für die Mandoline umschreibt oder von Gegenwartsmusikern neue Mandolinen-Stücke komponieren lässt. So kommt es zu der Uraufführung des Sollima-Werkes in 2100 Metern Höhe, mit der er das ungeheuer breite Klangspektrum seines Instruments ausschöpft.

Bach in den Bergen

Mit der bekannten "Partita Nr. 2 in d-moll" (BWV 1004), die eigentlich für die Violine von Johann Sebastian Bach gedacht war, beschließt der "Mando Man", wie ihn seine Fans auch nennen, das einstündige Mittagskonzert.

Val Contrin: Aufstieg zur Konzert-Arena
Ausgangspunkt des Schotterwegs zur Contrin-Hütte: Alba di Canazei auf 1517 Metern.

Ausgangspunkt des Schotterwegs zur Contrin-Hütte: Alba di Canazei auf 1517 Metern.

Am Ende hallt der Applaus durch das Tal. Ein kleiner Junge rennt nach vorne und überreicht ihm einen Blumenstrauß mit frisch gepflückten Wiesenblumen. "That is my son Hillel", sagt Avital auf Englisch und erklärt, dass er normalerweise auf einer Konzertbühne hinter dem Vorhang verschwindet und mehrmals wieder hervorkommt, bis er zur Zugabe kommt. Hier aber geht das nicht. Hinter ihm fällt es steil bergab.

Deshalb gibt er gleich die Zugabe, einen "Bucimis", einen bulgarischen Volkstanz. Hier zeigt Avital, wie mühelos und virtuos er zwischen den verschiedenen musikalischen Stilrichtungen wandeln kann. Er ist nicht nur ein Brückenbauer zwischen Welten - "Between Worlds" lautet der Titel einer seiner CDs, sondern zwischen den Dolomitengipfeln gelingt ihm auch die einmalige Verbindung zwischen Naturkulisse und Hochkultur.

+++ Lesen Sie auch:  "Schroffe Felsen und fahles Mondlicht - auf nächtlicher Wandertour in den Dolomiten" +++

Die Jungfraubahn am Fuße der verschneiten Eiger Nordwand.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.