HOME

Tannheimer Tal in Österreich: Wanderer geraten in den Bergen in Not – jetzt wollen sie ihre Retter verklagen

Sie retteten Leben und müssen nun mit einer Klage rechnen: Zwei in Gefahr geratene Touristen wollen die Bergrettung Tannheim verklagen, weil sie zu viele Ressourcen eingesetzt haben soll.

Blick auf das Tannheimer Tal aus der ferne

Die Berge im Tannheimer Tal wären für zwei Deutsche beinahe zur tödlichen Falle geworden

Picture Alliance

Der 3. Februar war einer dieser Tage, an denen die malerischen Berge im Tannheimer Tal zur tödlichen Falle werden können. Im dichten Schneetreiben, bei hoher Lawinengefahr, verirren sich Wanderer schnell – so wie auch zwei Deutsche, die an jenem Februartag von der Bergrettung Tannheim in Sicherheit gebracht werden mussten. Mit insgesamt 15 Einsatzkräften wurden die Männer schließlich gefunden – erschöpft, durchnässt und stark frierend. Vor Ort wurden sie mit warmen Getränken sowie trockener Kleidung versorgt.

Doch statt Dankbarkeit drohen die geretteten Wanderer jetzt mit juristischen Schritten. Sie haben angekündigt, die Bergrettung verklagen zu wollen. Der Grund: Der Suchtrupp sei deutlich größer gewesen als nötig und damit die Rechnung von 2261 Euro für den Einsatz zu hoch. Das berichtet die österreichische "Kronen-Zeitung".

Klageandrohung: "Bewusst überhöhte Kosten für Touristen"

Demnach argumentierten die beiden Deutschen, von denen einer Rechtsanwalt in Augsburg ist, zwei Bergretter mit einer Lampe hätten ausgereicht. Für den aus ihrer Sicht unverhältnismäßig hohen Aufwand wollen sie nicht bezahlen. Dabei beziehen sie sich laut "Bild" auf das Konsumentenschutzgesetz. Es seien "bewusst überhöhte Kosten für Einsätze bei Touristen" angesetzt worden, zitiert die Zeitung aus dem Schreiben des Anwalts.

Die Bergretter sind aufgebracht über so viel Unverfrorenheit. "Jemand, der sich in einer alpinen Notlage befindet, hat nicht zu entscheiden, wie die Rettungsorganisation ihren Einsatz anlegt", sagte Bergrettungs-Landesleiter Hermann Spiegl der "Kronen-Zeitung". Schon bei der Rettung hätten sich die Wanderer nicht gerade kooperativ gezeigt und sich nicht an die Aufforderung gehalten, an einem Ort zu bleiben. Zuvor hatten sie sich trotz Lawinenwarnung auf den Weg zum 1688 Meter hohen Grasberg Schönkahler gemacht.

Tannheimer Bergretter arbeiten ehrenamtlich

"Ich habe kein Problem mit leichtsinnigen Personen, die ihren Fehler einsehen und für den Einsatz geradestehen. Aber sich erst retten lassen und die Kosten dann auf eine dermaßen unsympathische Weise abzulehnen, dafür habe ich genau null Verständnis", so Spiegl. Wie die Bergwacht mitteilte, arbeiten alle Bergretter in Tirol ehrenamtlich und bekommen kein Gehalt. Mit den Einnahmen der Bergwacht wird der finanzielle Aufwand für Ausrüstung und Schulungen gedeckt. 

Quellen: "Kronen-Zeitung" / "Bild" / "Die Presse"

Zugspitze: Hier entsteht eine neue, gigantische Seilbahn
epp
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity