HOME

Touristen aus Fernost: Chinesen im Urlaub: Mal schnell durch Europa

Die Chinesen haben nur wenige Tage Urlaub im Jahr. Und den verbringen sie gern in unseren Breiten. England, Frankreich, Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Italien – los geht’s.

Von Stephan Maus

Erster Tag: London  Am Vorabend in Heathrow gelandet, hat die Gruppe nun einen Tag für den Buckingham Palace, Westminster und das British Museum

Erster Tag: London

Am Vorabend in Heathrow gelandet, hat die Gruppe nun einen Tag für den Buckingham Palace, Westminster und das British Museum

Massentourismus ist knallhart kalkuliertes Geschäft. Und da der Kapitalismus gerade besonders gut in der sozialistischen Volksrepublik funktioniert, haben chinesische Unternehmen das Geschäft mit der Reise als Ware perfektioniert. Fotograf Jeremy Suyker hat es sich aus der Nähe angeschaut. Im April 2015 hat er eine chinesische Reisegruppe begleitet. Zehn Tage Europa für 2000 Euro pro Person.

Europa-Tour im Schnelldurchlauf

Mona Lisa, Eiffelturm, Big Ben, Canal Grande: Weiter! Schnell weiter! Viel Zeit ist nicht. Chinesen haben nur zehn Tage Urlaub im Jahr. In rasender Hatz werden die Kunden von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit gekarrt. Wichtig ist nicht so sehr die Erfahrung in der Fremde, sondern der Moment, wo man mit den Handyfotos zurück in die Heimat kommt. Erinnerung wird zur Beute und zum Statussymbol. Weltkulturerbe wird Selfie-Kulisse. Der Nachmittag im Louvre zur Trophäe, so wie ein Chanel-Flakon und ein Seidentuch von Hermès. Shoppen ist fast noch besser als Fotografieren.

2015 reisten zwölf Millionen Chinesen nach Europa. Und das ist erst der Anfang: Denn momentan besitzen nur rund fünf Prozent der Chinesen überhaupt einen Reisepass. Ein riesiger Wachstumsmarkt, von dem jeder gern ein Stück hätte.Frankreich und Großbritannien haben die Visavergabe an Chinesen schon erleichtert.

Chinesische Power-Shopper zu Besuch

Komfortable Direktflüge sind der Schlüssel zu den chinesischen Power- Shoppern. Air France hat immer größere Flugzeuge auf den Hauptrouten nach China eingesetzt. In französischen Luxuskaufhäusern gibt es inzwischen separate Eingänge für chinesische Reisegruppen. Diese Reisenden möchten umschmeichelt werden. In den Schweizer Alpen ist man auf dem richtigen Weg: Jeremy Suyker fand ein Fotostudio auf dem Gipfel des Berges Titlis, das mit chinesischen Werbebanderolen um Kundschaft wirbt.

 

Den ungekürzten Text von Stephan Maus finden Sie im stern, Heft 39/2016.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity