VG-Wort Pixel

Thailand Negative Hotel-Bewertung bei Tripadvisor: US-Amerikaner drohen zwei Jahre Haft

Insel Ko Chang: Thailands strikte Anti-Verleumdungsgesetze werden von Menschenrechtsaktivisten scharf kritisiert 
Insel Ko Chang: Thailands strikte Anti-Verleumdungsgesetze werden von Menschenrechtsaktivisten scharf kritisiert 
© Otto Stadler / Picture Alliance
Ein Aufenthalt im Urlaubsparadies Thailand wird für einen US-Bürger zum Albtraum. Weil er auf Tripadvisor ein Hotel negativ bewertet hat, drohen ihm nun bis zu zwei Jahre Haft.

Am 27. Juni dieses Jahres übernachtete Wesley Barnes im Sea View Resort auf der thailändischen Insel Koh Chang. Der Aufenthalt verlief für den US-Amerikaner, der als Lehrer in Thailand gearbeitet hat, nicht zufriedenstellend. Und so brachte er seine Unzufriedenheit in mehreren negativen Online-Rezensionen zum Ausdruck, unter anderem auf der Plattform Tripadvisor. Doch nun drohen ihm dafür bis zu zwei Jahre Haft, berichtet der US-Sender CBS News. 

Das Resort verklagte Barnes wegen Verleumdung. "Der Eigentümer des Sea View Resorts reichte gegen den Angeklagten eine Beschwerde ein, weil er auf der Tripadvisor-Website unfaire Bewertungen über sein Hotel veröffentlicht haben soll", erklärte ein Polizeivertreter gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Am 11. September wurde Barnes festgenommen, als er sein Visum erneuern wollte, schreibt "Thai Examiner". Gegen eine Kaution wurde jedoch wieder freigelassen.

Unter anderem hatte der US-Amerikaner in einer der Bewertungen das Hotel der "modernen Sklaverei" beschuldigt. Er habe beobachtet wie der Restaurant-Manager mit den Mitarbeitern umgeht und habe den Eindruck gehabt, dass diese eingeschüchtert seien, begründete Barnes seinen Vorwurf in einem Gespräch mit dem Blogger Richard Barrow. Der Eintrag ist inzwischen von der Website gelöscht worden. Außerdem hatte Barnes von "unfreundlichen Angestellten", die “sich verhalten, als seien Gäste unerwünscht" berichtet.

Urlaub in Thailand: Korkengeld löst Streit aus 

An dem Abend des Aufenthalts hat es nach Angaben von Barnes und des Hotels Streit gegeben, weil der US-Amerikaner und sein Begleiter im Hotel-Restaurant eine mitgebrachte Flasche Gin konsumieren wollten. Dafür verlangte der Kellner ein Korkengeld von 500 thailändischen Baht (umgerechnet ca. 13,50 Euro). Nachdem sich die Gäste jedoch bei dem Manager beschwert hatten, wurde der Betrag von der Rechnung genommen. 

Dennoch sah sich Barnes zu der Verfassung von negativen Bewertungen veranlasst. Das Hotel will diese jedoch nicht auf sich sitzen lassen. "Wir haben uns entschieden, eine Beschwerde einzureichen, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen, da wir verstanden haben, dass er sonst weiterhin Woche für Woche negative Bewertungen schreiben wird", erklärte das Hotel gegenüber der Zeitung "Bangkok Post". Man habe versucht, den ehemaligen Gast zu kontaktieren, bevor die Klage wegen Verleumdung eingereicht wurde. Doch er habe alle Anfragen ignoriert. 

Aufgrund der medialen Aufmerksamkeit, die das Resort aktuell erhält, hat die Plattform Tripadvisor die Bewertungsfunktion für die Unterkunft vorübergehend abgestellt. Grund sei ein "Anstieg an Bewertungseinreichungen, die keine persönlichen Erlebnisse widerspiegeln".

Thailands strikte Anti-Verleumdungsgesetze werden von Menschenrechtsaktivisten und Organisationen zur Verteidigung der Pressefreiheit scharf kritisiert. Die Gesetze würden von einflussreichen Akteuren dazu genutzt, Meinungsfreiheit zu unterdrücken.

Quellen: "Bangkok Post",CBS News, "Thai Examiner", AFP

ivi

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker