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Traditionelles China: Jenseits der Megastädte

Bulldozer haben in den Städten das alte China längst platt gemacht. Aber in der Provinz Zhejiang gibt es noch alte Wasserdörfer, die von Chinesen gerade wiederentdeckt werden.

Von Gesine Unverzagt

Zeitreise in das 100 Kilometer südlich von Shanghai gelegene Wuzhen: Um in den historischen Kern des Ortes zu rudern, muss Eintritt gezahlt werden. Erst dann öffnet sich der Blick auf die opulenten Holzhäuser an den Kanälen, die einst von reichen Kaufleuten errichtet wurden. Im westlichen Teil des Ortes wohnen und arbeiten die Menschen, der Ostteil ist ein Freiluftmuseum, wo das alte Handwerk noch gepflegt wird: Die Besucher sehen Besenbindern bei der Arbeit zu oder erfahren, wie der Blaudruck von Textilien entsteht, Sojasoße und Reisschnaps hergestellt werden. Das Transportsystem funktioniert heute noch wie zur Gründungszeit des Dorfes. Es wird wie vor 1300 Jahren mit Muskelkraft gerudert.

Das Vorbild für Geldscheine

In Hangzhou, der Hauptstadt der Provinz Zhejiang, steht im Westsee die berühmte Steinpagode. Das Bauwerk ziert die Rückseite jedes chinesischen 1-Yuan-Geldscheins. Schon im 13. Jahrhundert beschrieb Marco Polo Hangzhou als die "schönste und großartigste Stadt der Welt". Der See gehört zu den bekanntesten Stadtgewässern Chinas. Mit seinen Inseln und geschwungenen Brücken ist er Schauplatz vieler Liebesgeschichten und Dichtungen. Deshalb flanieren zwischen den Trauerweiden, Pfirsichbäumen, Steingärten und bunten Pagoden auffallend viele Pärchen.

Auch Shaoxing, nur 65 Kilometer von Hangzhou entfernt, besitzt noch einen historischen Kern. In der international kaum bekannten Stadt spielt sich das Leben draußen ab, in verwinkelten Gassen und Kanälen. Auch hier erfolgt die Entdeckung der lebendigen Vergangenheit vom Wasser aus. Langnasen werden hier noch bestaunt, Englisch spricht niemand.

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