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WM-Touristen in Lebensgefahr: Wenn der Elefantenbulle auf Fußballfans zurast

Erst besuchen sie ein Fußballspiel im Stadion, am nächsten Tag gehen die WM-Touristen in Südafrika auf Safari. Bei der Löwenpirsch im Nationalpark verlassen manche völlig unbedarft ihren Leihwagen, um sich mit Wildtieren fotografieren zu lassen.

In Südafrikas Nationalparks schlagen Wildhüter die Hände über dem Kopf zusammen. Seit die Invasion der WM-Touristen in den Tierparadiesen des Landes begonnen hat, mehren sich haarsträubende Geschichten von unbedarften Urlaubern in lebensgefährlichen Situationen.

Im Krüger-Nationalpark wurden Touristen dabei beobachtet, wie sie aus ihren Wagen stiegen und vor einem Rudel Löwen fürs Erinnerungsfoto posierten. "Es ist seit zwei Wochen der helle Wahnsinn hier ... Die behandeln das hier wie einen Zoo", erklärte ein Parkranger Journalisten. Er habe mitten im Tierparadies einen Fan regelrecht in seinen Kleinbus schubsen müssen, weil der erst noch mal Wildtiere aus nächster Nähe fotografieren wollte.

Die Zeitung "The Star" veröffentlichte am Donnerstag ein Foto, das lateinamerikanische Urlauber im Pilanesberg-Naturpark lachend mit geöffneten Wagentüren vor einem anstürmenden Elefantenbullen zeigt. "Selbst als der Elefant einen Scheinangriff auf sie startete und gerade mal einen Meter vor ihrem Auto stoppte, lachten sie noch immer", zitiert das Blatt einen Augenzeugen.

Ein anderes Paar habe sich den heranstürmenden Bullen aus dem offenen Wagendach angeschaut - die Beifahrerin habe sich dann umgedreht, um ein Foto von sich und dem heranstürmenden Elefanten schießen zu lassen. "Die hatten keine Ahnung, wie nahe sie dem Tod waren - und traurigerweise fanden die das alle auch noch lustig", meinte Reiseleiter Bruce Munro.

Im Temporausch durch den Wildpark

Die Parkbehörde hatte nach zahlreichen tödlichen Unfällen mit Wildtieren in den vergangenen Jahren die Konsequenzen gezogen und versucht, die Regeln durch Geldbußen durchzusetzen. Sie sehen vor, dass Besucher wegen der großen Gefahr einer Wildtier-Attacke auf keinen Fall ihre Autos verlassen dürfen. Zudem wurden zur Haupt-Urlaubszeit Radarfallen im Naturpark installiert.

Viele Besucher waren oft mit einem wahren Affenzahn durch das Wildgelände gerauscht, ohne dabei Rücksicht auf kreuzende Tiere zu nehmen. Eine Radarfalle blitzte einen der Raser im Krüger-Nationalpark, Südafrikas größtem Tierparadies, statt mit erlaubten 40km/h Höchstgeschwindigkeit (50km/h auf Teerstraßen) mit Tempo 132. Die Parkbehörden haben bereits Hunderte Geldbußen verhängt, weil die Besucher entgegen der Regeln des Parks entweder die Wildtiere mit plärrender Musik aus den Autolautsprechern beschallt oder die Fahrzeuge verlassen hatten.

Jährlich kommen mehr als vier Millionen Besucher in die großen Wildparadiese des Landes - 1,3 Millionen davon allein in den Krüger-Nationalpark, das populärste Tier-Idyll des Landes. Der mehr als 110 Jahre alte Park war 1898 vom damaligen Präsidenten Paul Krüger als Sabie Game Reserve zum Schutz der Wildnis gegründet worden und hatte 1926 den Status Nationalpark und seinen heutigen Namen erhalten. Es ist das Kernstück des grenzüberschreitenden Limpopo-Nationalparks, der angrenzende Flächen in Mosambik und Simbabwe mit einbezieht.

tib/DPA / DPA

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