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Reise-Rücktritte: "Wir hatten London schon so lange geplant"

Trotz der Terroranschläge in London fliegen die meisten deutschen Reisenden ungerührt in die britische Hauptstadt. Die Veranstalter verzeichneten kaum Reiserücktritte.

Die Terroranschläge von London sind ohne spürbare Auswirkungen für das deutsche Tourismus-Geschäft geblieben. Ungeachtet der mehr als 50 Toten und Hunderten von Verletzten verzeichneten die großen Reiseveranstalter keinen Rückgang bei der allgemeinen Reiselust. Auch von der Möglichkeit zu Umbuchungen oder Stornierungen von Städtereisen nach London wurde bis Freitagnachmittag nur in geringem Maße Gebrauch gemacht. Als Ursache für das weitgehend unveränderte Verhalten der Urlauber wird in der Branche ein "Gewöhnungseffekt" gesehen.Bei Dertour sind bis zum nächsten Wochenende 2.000 Flüge nach London gebucht. "Nur vier davon wurden bis Freitagvormittag gecancelt", sagte Dertour-Sprecherin Anke Dannler. Überrascht sei sie schon, aber die Reisenden seien sich wohl bewusst, dass solche Anschläge überall passieren könnten. "Offenbar leben die Leute heute mit dem Risiko eines Anschlags", fügte die Sprecherin hinzu.Ähnlich verhält es sich bei German Wings. "Es wurden ein paar Umbuchungen vorgenommen, aber von einer Massenhysterie kann nicht die Rede sein", berichtete Sprecher Heinz Joachim Schöttes. Offensichtlich habe die Londoner Gelassenheit auf die Reisenden aus Deutschland übergegriffen, vermutete er.

Nicht mehr Umbuchungen als "normal"

Der Sprecher der Lufthansa, Thomas Jachnow, bezweifelte sogar, dass die vorgenommenen Umbuchungen überhaupt mit den Anschlägen in Zusammenhang stehen: "Wir hatten einige Umbuchungswünsche, aber nicht mehr als normal", erklärte er. Das Geschäft gehe weiter, meinte Jachnow. "Die meisten Reisenden waren Geschäftspassagiere, die ihre Termine wahrnehmen müssen", lautete der Erklärungsansatz.Auch die British Travel-Agentur berichtete, dass alle ihre Gäste am Freitag planmäßig geflogen seien. Übereinstimmend sagten die Sprecher, beim heutigen Flugbetrieb nehme alles wieder seinen gewohnten Gang.

Terror wird zur Gewohnheit

Der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) ist laut Zimmermann zu der Einschätzung gekommen, dass die Menschen inzwischen akzeptierten, dass das globale Lebensrisiko größer geworden ist. "Offenbar setzt bei den Reisenden so etwas wie ein Gewöhnungseffekt ein", sagte der TUI-Sprecher.

AP, DPA / AP / DPA

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