The Marmara Antalya Zeit, dass sich was dreht


Im Marmara Hotel Antalya muss der Gast seinen Raum mit einem Fenster nicht verlassen, um einen Rundumblick haben. Warum? Die Zimmer drehen sich.
Von Claudia Pientka

Der Architekt hat sich offenbar abgemüht, den hässlichsten Hoteleingang des Orients zu entwerfen: Ein verspiegeltes orangenes Fenster beißt sich mit einer pinkfarbenen Wand, darüber erhebt sich ein gleichförmiger Betonklotz, dahinter wartet drohend ein Metalldetektor. Die Besucher müssen das Kontroll-Tor zwar nicht durchschreiten - es soll nur ein Gefühl von Sicherheit vermitteln - aber besonders einladend wirkt es dennoch nicht. Ein typisch türkisches Fünf-Sterne-Hotel sieht anders aus. Warum das Marmara Hotel in Antalya trotzdem einen Besuch wert ist?

Vor allem wegen der Rotunde. Das kreisförmige Bauwerk steht im Garten des Marmara-Anwesens und beherbergt 24 der insgesamt 238 Zimmer des Hotels. In diesen erwachen die Gäste mit Meerblick und gehen mit Sicht auf die Berge zu Bett. Wie das geht? Der Turm, Loft genannt, dreht sich 360 Grad um seine eigene Achse. Eine Neuheit, die es nirgendwo sonst gibt auf der Welt. Das Fundament des 2705 Tonnen schweren Gebäudes schwimmt in einem unterirdischen Wasserbecken, Motoren lassen es rotieren. Nicht so schnell, das man ans Fenster gepresst wird, aber zügig genug, um dreimal täglich aufs Taurusgebirge zu blicken. Die Geschwindigkeit kann der Hoteldirektor beliebig einstellen, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass sie am angenehmsten ist, wenn das Loft drei Stunden und vierzig Minuten für eine volle Umdrehung braucht.

Schiff ahoi!

Ein bisschen fühlt man sich beim Aufenthalt im Dreh-Turm wie auf einem Schiff: Der Gleichgewichtssinn signalisiert, dass der Untergrund nicht feststeht; gelegentlich muss das Auge einen Punkt in der Ferne fixieren, um das mulmige Bauchgefühl zu vertreiben. Dafür aber hat man eine Sicht wie von einem Ausguck und das sogar noch aus der im Zimmer freistehenden Badewanne. Dafür zahlt der Gast auch etwas mehr als für die Räume im fest verankerten Hoteltrakt.

Das Hauptgebäude sieht man, wenn sich das Loft gen Westen gedreht hat. Dessen Zimmer haben so gar nichts gemein mit der tristen Fassade: weiße Holzfensterbänke, türkis gestreifte Tapeten, pinkfarbene Duschvorhänge. Und über allem leuchtet eine grau melierte Betondecke, die wirkt, als hätten die Handwerker den weißen Putz vergessen. Doch das Unfertige ist Konzept: ein farbenfroher Minimalismus, der durchaus gewöhnungsbedürftig ist. Das Haupthaus wird dominiert von der Hotelhalle "Tuti": Der französische Innenarchitekt Christian Allart hat ganz bewusst auf Lobby, PC-Raum oder Bar verzichtet und stattdessen alles in eines gepackt. So ist der acht Meter hohe Saal das Herzstück des Hauses. Acht Säulen tragen den lichtdurchfluteten Raum: eine dient als Bücherwand, eine als Internetstation, zwischen den mittleren hängen Schaukeln und an einer anderen Säule dürfen sich die Gäste verewigen - mit Filzstift und Grüßen. Anfassen ist hier erlaubt, benutzen gewollt. Der Raum dient als Speisesaal, als Bar, als Treffpunkt, und die Gäste genießen ihn. Sie lümmeln im Liegebett, knabbern beim Chatten Pistazien, plaudern am pinkfarbenen Billardtisch.

Der "Strand" ist in den Felsen geschlagen

Zurück im Loft, eine halbe Umdrehung weiter, darf der Blick dann in die Ferne schweifen. Bei gutem Wetter dominiert das Taurusgebirge den Horizont, das hier am Mittelmeer etwa 2000 Meter hoch ist und im Hinterland auf bis zu 4000 Meter Höhe anwächst. Das Marmara Hotel steht zwar direkt am Meer, aber einen Sandstrand hat es nicht. Stattdessen wurde eine Terrasse in die schroffen Falez-Klippen geschlagen. Um das Plateau zu erreichen, müssen die Gäste mitten im Hotelgarten einen Fahrstuhl besteigen, der in die Tiefe saust und seine Insassen in einem 70 Meter langen Tunnel ausspuckt. Mal ein anderer Strandweg. Im Sommer veranstaltet der Hoteldirektor hier weiße Nächte, Cocktailpartys mit Blick auf die Bucht von Antalya. Und noch im November ist das Wasser mit 20 Grad warm genug, um mit einem beherzten Satz ins Meer zu springen. Der künstliche Strand ist einer der Höhepunkte des Hotels: Im Rücken steile Klippen, vorn Postkartenaussicht.

Wer sich an die Bewegungen der Rotunde gewöhnt hat und nach stärkerem Wellengang sehnt, kann sich an einer anderen technischen Finesse austoben. Nach einer dreiviertel Umdrehung wird ein künstlicher 300 Meter langer Fluss sichtbar - samt einstellbarer Gegenstrom- und Wellenanlage. Hier leben sonst geplagte Geschäftmänner ihre Abenteuerlust im Kajak aus oder werden auf Teamgeist gedrillt. Ein Bedürfnis, das allerdings nur die wenigsten Gäste des Hauses teilen; sie ziehen lieber ihre Bahnen im 25 Meter langen Außenpool. Und auf dem Rücken treibend bleibt ihnen auch der Anblick des ausladenden Hoteleingangs erspart.

The Marmara Antalya

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