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Wellness: Steg zur Ruhe

Frisch gepflückte Blumen, Strohballen als Tisch - im Seehotel am Neuklostersee ist jeder Winkel nett gestaltet

Kann man von einer Massage eigentlich besinnungslos werden? Wie das duftet! Und dann diese Streichelstimme: "Ich bedecke jetzt Ihre Augen. Denken Sie an gar nichts mehr. Lassen Sie einfach nur los." Noch bevor das kalt gepresste Traubenöl, Duftnote "Riesling", über die gestresste Schulter- und Nackenpartie rinnt, fühlt sich das Hirn angenehm breiig an. Ist das die viel beschworene "Kraft heilender Hände"?

Sie tut gut, diese "Vinotherapie". So warm und weich. Die Folge: eine völlige Abwesenheit aller Gedanken. Keine Hektik mehr, kein Zeitdruck, kein Ärger und kein Muss.

Um das wirkliche Leben zu schwänzen, gibt es kaum einen besseren Ort als das Seehotel am Neuklostersee.

Das Besondere dieser Herberge liegt im vermeintlich Nebensächlichen. Sie lebt, sie atmet, in jedem Winkel gibt es etwas Schönes zu entdecken. All die liebenswerten Kleinigkeiten - von den hölzernen Bollerwagen, die am Parkplatz zum Koffertransport bereitstehen, über die Äpfel aus dem eigenen Garten, die statt Schokolade auf den Kopfkissen liegen, bis zu charmanten Einrichtungsideen wie den unter Plexiglas zu Couchtischen erhobenen Strohballen.

Für all dies ist Besitzerin Johanne Nalbach zuständig. Vor 13 Jahren hat die Berliner Architektin das Anwesen östlich von Wismar entdeckt, das nur 15 Kilometer von der Ostsee entfernt liegt. In dem ehemaligen DDR-Ferienheim "LPG Morgenröte" hat sie den Traum gefunden, den sie immer verwirklichen wollte.

Und so fühlt man sich in jedem Winkel des Hofes so willkommen und gut aufgehoben, als sei man zu Gast bei lieben Freunden. Manchmal, im Winter, liest Nalbachs Ehemann Gernot vor dem Kamin im Esszimmer Märchengeschichten vor. Im Sommer gibt es nichts Schöneres, als den Blick über den von Seerosen eingefassten Neuklostersee schweifen zu lassen - ganz entspannt, aus der Hängematte, einem Strandkorb oder den Liegestühlen auf dem Bootssteg.

"Zeit und Raum" haben die Nalbachs mit wasserfester Kreide an die Fenster des Ruheraumes der großen Badescheune geschrieben. Man findet sie hier tatsächlich, die Zeit und den Raum. Vor allem für sich selbst und längst verloren Geglaubtes.

Mareile Grimm / print

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