America's Cup "Ein bisschen wie in Las Vegas"


Im Finale des America's Cup zwischen den Neuseeländern und den Schweizern steht es jetzt 2:2 unentschieden. Aber warum Alinghi das dritte Rennen gewonnen und das vierte verloren hat, weiß eigentlich niemand.
Von Roberto Lalli delle Malebranche, Valencia

Vielleicht sollte man sich dieser Tage beim Finale des America's Cup in Valencia an Nike halten, die Siegesgöttin aus der griechischen Mythologie. Über Sieg oder Niederlage wird in einem Augenblick entschieden, in dem man alles richtig oder falsch macht. Schon die Wahl der "falschen" Seite des Regattafeldes kann ein Rennen entscheiden.

Die Pressekonferenzen mit den Seglern sind ein Paradebeispiel dafür, wie wenig man manchmal den Verlauf eines Rennens erklären kann: Warum die eine Regatta verloren geht, während die andere gewonnen wird, scheint auch den Akteuren selbst nicht ganz klar zu sein. "Es war ein bisschen wie in Las Vegas", kommentierte Ernesto Bertarelli die Niederlage seines Teams am Dienstag und meinte damit einen ständig die Richtung wechselnden Wind, der den Neuseeländern am Ende eines denkwürdigen Rennens zum glücklichen Sieg verhalf: Und das, obgleich die Schweizer zuvor keinen einzigen nennenswerten Fehler gemacht hatten.

Der Schweizer Sieg am nächsten Tag war ebenso glücklich, wenn man bedenkt, wie viel Platz Alinghi den Neuseeländern auf dem Kurs ließ und damit auch die Chance, wie am Vortag von Winddrehern zu profitieren.

"Nichts anders gemacht"

Da hilft der Gedanke an die Göttin Nike, die die Schicksalsfäden in der Hand hält - für uns Sterbliche bleibt vieles nicht erklärbar. Brad Butterworth, Skipper der wieder siegreichen Schweizer und ein Segelphilosoph der ganz eigenen Art, war dennoch nicht um eine Antwort verlegen: "Nun, eigentlich haben wir im Vergleich zum Vortag, als wir verloren haben, nichts wirklich anders gemacht. Es ist ja so: Solange du gewinnst, ist es immer eines deiner besten Rennen," antowortete er lächelnd, als sei er ein Hohepriester der Nike, der das Geheimnis von Sieg und Niederlage nicht preisgeben darf.

Der America's Cup ist ein Milliarden-Spiel. Alle hier tun alles für den Sieg, alle kämpfen und hoffen, verzweifeln manchmal und machen dennoch weiter, noch einen Tag und noch einen. Aber wer am Ende die Silberkanne schließlich in Händen halten wird, ist jetzt, nachdem vier Rennen absolviert sind und es unentschieden steht, völlig offen. Nike wird es schon richten.


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