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Interview Handball-Star Pascal Hens: "Wir sind stark genug für eine Medaille"

Jetzt hat die Handball-WM auch für das deutsche Team begonnen: Im ersten Spiel trifft der Titelverteidiger (ab 17.30 Uhr im stern.de-Live-Ticker) auf Russland. Kurz vor dem Match sprachen wir mit Pascal Hens, dem Kopf der Truppe, über Leidensfähigkeit, Chancen der Deutschen und Privatsphäre.

Herr Hens, Sie waren lange verletzt. Wie viel Prozent fehlen Ihnen, um bei 100 anzukommen? Die Frage nach den Prozenten beantworte ich Ihnen nach der WM ... Nein, ernsthaft: Ich fühle mich fit und hoffe, ein gutes Turnier spielen zu können. Meine Form nähert sich dem dreistelligen Bereich.

Nach dem Abschied der alten Recken wie Baur und Schwarzer gelten Sie als der Hoffnungsträger im Team der deutschen WM-Mannschaft. Sind Sie sich darüber eigentlich im Klaren? Wir alle im Team sind Hoffnungsträger. Natürlich ist mir klar, dass ich mit meinen 28 kein Youngster mehr bin und viele Hoffnungen der Fans auf mir ruhen. Ich bin nach acht Jahren in der Nationalmannschaft jetzt der Zweit-Dienstälteste in der Mannschaft und meine Aufgabe ist es, Tore zu machen. Da wird man automatisch zum Hoffnungsträger.

Spüren Sie den Druck? Die Erwartungshaltung Ihnen gegenüber ist ja enorm ...

Über Druck von Außen mache mir überhaupt keinen Kopf. Als Sportler fühle ich viel größeren Druck durch den eigenen Siegeswillen und die Motivation, in jedem Spiel zu bestehen. Wenn man wie ich schon einige große Finals gespielt hat, dann nimmt man den Druck von Außen nicht mehr wahr.

Keiner weiß so richtig, wo die deutsche Mannschaft rein leistungsmäßig steht. Wie stark ist das Team gerade auch im Vergleich zur Weltmeistertruppe 2007? Wir sind eine relativ junge Mannschaft, viele aus dem Weltmeisterkader sind nicht mehr dabei. Daher verstehe ich nicht, woher der Druck auf uns kommen soll. Natürlich sind wir stark genug, um eine Medaille zu holen, aber selbst wenn wir Fünfter oder so werden, kann niemand sagen, dass wir versagt hätten. Wir stehen mitten im Neuaufbau.

Ein Erfolgsgarant 2007 war der überragende Zusammenhalt der Mannschaft. Das Gerüst dieses Teams von vor zwei Jahren gibt es 2009 nicht mehr. Wie ist die Atmosphäre heute? Wird sich ein "Kroatien-Spirit" aus dem Kader herausentwickeln können?

Wie schnell sich ein Team-Spirit entwickeln kann, hat man bei den Kroaten 2003 gesehen. Die verloren ihr erstes Spiel gegen Argentinien, waren zu Beginn eine ziemlich wilde, unhomogene Truppe. Am Ende wurden sie sensationell Weltmeister und neue Stars waren geboren. Wir haben bereits jetzt einen guten Teamgeist. Mit etwas Rückenwind können wir ganz nach vorne kommen.

Wer sind - abgesehen von Ihnen - die Chefs im Team? Eine Hierarchie ist ja wohl in jeder Mannschaft von Nöten, oder?

Natürlich stehen die älteren Spieler in der Hierarchie etwas weiter oben. Aber wir stellen unsere internen Positionen nach außen nicht zur Schau. Wir handeln nach dem Motto: der Star ist die Mannschaft.

Nach Olympia gab es Vorwürfe, es fehle an einem hochwertigen Unterbau in Handball-Deutschland. Wie stehen Sie zu solchen Vorwürfen?

Wir haben doch einen guten Unterbau, oder? Die Neuen im Team sind doch gute Leute.

Trainieren, spielen, regenerieren. Immer wieder. Und das in kürzesten Abständen. Kaum ein Sport ist so hart wie Handball. Sie selbst wurden schon oft von Verletzungen zurückgeworfen. Gab es bei Ihnen schon mal den Gedanken, alles hinzuschmeißen?

Ich war zwar oft verletzt, aber von den ganz großen Blessuren wie Kreuzbandriss oder Ähnlichem bin ich verschont geblieben. Es gibt Kollegen, die haben Schlimmeres durchgemacht. Hinschmeißen? Niemals! Natürlich ist man niedergeschlagen, wenn man bei Olympischen Spielen zweimal wegen Verletzung in der Vorrunde ausscheidet. Aber deswegen schmeißt man ja nicht seinen Beruf.

Wie geht Ihre Freundin damit um, dass Sie Deutschlands bekanntester Handballer sind? Ist ihr der Rummel um Ihre Person manchmal zuviel?

Der Rummel hält sich in Grenzen, zumal wir unser Privatleben meistens ziemlich ungestört genießen können. Es gehört zum Beruf eines Hochleistungssportlers, dass sich die Fans für ihn interessieren und ein wenig an seinem Leben teilhaben wollen. Angela und ich respektieren das Interesse der Öffentlichkeit. Wahrscheinlich werden wir deshalb auch von der Öffentlichkeit und den Medien respektvoll behandelt.

Das Interview führte Klaus Bellstedt

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