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Rennrodlerin und Bobfahrerin Was macht eigentlich ... Susi Erdmann?

Sieben Weltmeistertitel gewann Susi Erdmann. Was macht sie heute?
Die siebenmalige Weltmeisterin Susi Erdmann, 49, heute. Sie ist geschieden und wohnt mit ihrem Lebensgefährten in München
© Marek und Beier
Sie gewann insgesamt sieben Weltmeistertitel im Eiskanal – erst als Rennrodlerin, dann beim Bobfahren.

Sie mussten früher im Eiskanal immer diese hautengen Rennanzüge tragen. Hätten Sie manchmal Lust, wieder in so ein Ding hineinzuschlüpfen?

Nein (lacht). Für ein Fotoshooting hatte ich letztens mal einen Rennanzug an. Dabei habe ich aber festgestellt, wie eng und unbequem das doch ist. Häufiger tragen würde ich den definitiv nicht.

Sie wurden zwischen 1989 und 2004 siebenmal Weltmeisterin, gewannen drei olympische Medaillen. An welchen Sieg erinnern Sie sich besonders gern?

An die Bob-WM 2004 am Königssee. Das war für mich ein Heimrennen, viele Freunde waren gekommen, um mich anzufeuern. Da steht man natürlich unter einem gewissen Druck. Nach dem ersten Renntag lag ich nur auf Platz zwei und sollte zudem disqualifiziert werden, weil mein Bob wegen einer Fehlinformation zu spät zur Materialkontrolle kam. Zum Glück beschloss der Internationale Verband, dass ich weitermachen durfte. Einige Nationen wollten meinen Start trotzdem verhindern und legten Protest ein. Letztendlich durfte ich dann doch starten und habe das Ding mit einem Hundertstel Vorsprung gewonnen. Das war emotionaler Wahnsinn.

Sie haben Ihre sportliche Karriere 2007 beendet. Was machen Sie heute?

Ich bin Berufssoldatin und arbeite als Sportfeldwebel an der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München. Dort bin ich für die Sportausbildung der Sanitätssoldaten zuständig. Es ist ein sehr vielseitiger Job: Ich bin verantwortlich für das betriebliche Gesundheitsmanagement und die Materialbeschaffung, leite Kurse für Functional Fitness und Rückenschule. Zudem organisiere ich Sportveranstaltungen, Bergmärsche und die Skiausbildung.

Nebenbei bieten Sie für Privatleute und Firmenkunden Fahrten mit Ihnen im Viererbob an. Ihr lustigstes Erlebnis?

Einmal wollte ein Mann seine Freundin mit einem ganz besonderen Heiratsantrag überraschen. Es sollte eine gemeinsame Fahrt ins Glück werden: Während wir den Eiskanal runterrasten, warteten unten schon Freunde des Paares mit Champagner, über der Ziellinie hing ein Plakat: "Willst du mich heiraten?" Als wir ankamen, kniete er sich vor sie hin und machte ihr den Antrag. Sehr süß!

Ende 2016 wurde bekannt, dass Sie an einem Hirntumor leiden. Wie geht es Ihnen heute?

Danke, momentan gut! Es war zum Glück nur ein kleiner gutartiger Tumor an der Hirnanhangdrüse, der medikamentös behandelt werden konnte. Bislang ist er zwar nicht verschwunden, aber ich muss mittlerweile keine Medikamente mehr einnehmen. Das ist natürlich toll.

Die Diagnose war sicher ein Schock.

Ja, klar! Allerdings war ich auch erleichtert, als eine Ärztin endlich herausfand, was mit mir los war. Vor der Diagnose litt ich jahrelang unter Schlaflosigkeit, Schweißausbrüchen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Konzentrations- und Sehschwäche. Ich bin sehr froh, dass diese Beschwerden verschwunden sind.

Als Sie sich aus dem Eiskanal verabschiedeten, waren Sie 39. Viele Frauen haben in diesem Alter den Wunsch nach einer Familie. Sie auch?

Ja, ich hätte mir schon Kinder gewünscht. Das hat meine Krankheit aber leider nicht zugelassen. Fürs Adoptieren war ich auch schon zu alt. Da ich gerne Verantwortung übernehmen wollte, haben mein Lebensgefährte und ich jetzt drei Kater. Das sind wunderbare kleine Jungs, die viel Spaß machen.

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Interview: Sabine Hoffmann

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