Skisprung-Debakel Kreativpause für Hannawald


Ex-Überflieger Sven Hannawald steckt in der schlimmsten Formkrise seit langem. Im Einvernehmen mit Trainer Steiert lässt er die nächsten Springen sausen. Einen Rücktritt schloss der Bundestrainer allerdings aus.

Platz 22 beim Abschlusspringen in Bischofshofen, Gesamt-Platz 12: Sven Hannawalds Vier-Schanzen-Bilanz ist wahrlich niederschmetternd, sein schlechtestes Tornee-Ergebnis aller Zeiten. Völlig deprimiert sei er, jeder Zuschauer wäre besser gesprungen: Hannawalds Statements nach dem Springen artikulierten seine Ratlosigkeit. Aufkeimende Gerüchte über einen bevorstehenden Rücktritt bewahrheiten sich allerdings nicht.

Liegt die Kraft in der Ruhe?

Dafür soll eine Kreativpause dem einstigen deutschen Überflieger neue Energie einflössen. Am Weltcup-Springen am Wochende in Liberec wird er nicht teilnehmen. Darauf hatte sich der Hinterzartener im Gespräch mit Bundestrainer Wolfgang Steiert verständigt. "Ich bin von der Richtigkeit überzeugt, ihn nicht dorthin zu schicken. In dieser schwierigen Lage wäre es nicht gut, ihn gleich wieder bei einem Wettkampf starten zu lassen", begründete Steiert die gemeinsam getroffene Entscheidung.

Beredte Hilflosigkeit

Warum der so gut gestartete Hannawald gerade beim Saisonhöhepunkt so eklatant hinterherflog - für den umstrittenen Bundestrainer Steiert in erster Linie ein mentales Problem. "Er ist als Top-Favorit angereist und hat sich unheimlich unter Druck gesetzt. Wenn die Erwartungen dann nicht eintreffen, wird der Kopf müde. In solch einem Fall ist es schwer, während der Tournee seine Top-Form zu finden", sagte er.

Es handle sich hier eindeutig um ein "Kopfproblem". Wie dieses zu lösen sei, ist dem Trainer selbst ein Rätsel. "Wenn seine Form nicht zu 100 Prozent stimmt, ist er auch im Kopf nicht der Stärkste. Teilweise ist es dann sehr schwierig, ihn mit Worten zu erreichen", gab er ein wenig hilflos zu Protokoll.

Steiert gibt sich Mitschuld

Zum ersten Mal gab Steiert eigene Fehler zu: "Ich muss mir ganz klar an die Nase fassen, dass ich Hanni und Schmitt nicht in Form gebracht habe." Eine kurzfristige Kurs-Korrektur scheint auf jeden Fall kaum möglich.

Die Hilfe eines Psychologen lehnt der Bundestrainer jedoch ab. "Unser Betreuerstab ist groß genug. Ich bin selber Hobby-Psychologe, denn ich arbeite seit Jahren mit den Springern in diesem Bereich», erklärte Steiert, der immer noch auf seinen ersten großen Erfolg als verantwortlicher Trainer wartet. Tiefschürfende Ursachenforschung für Hannawalds Talfahrt will Steiert in einer internen Aussprache betreiben.

Vorzeitiger Saisonausstieg nicht ausgeschlossen

Keine leichte Aufgabe, denn der als sensibel bekannte Hannawald hat sich in sein Schneckenhaus zurückgezogen. "Wenn es bei mir nicht so läuft, ist das Tunnelgefühl noch extremer. Ich bin dann so sehr mit mir selbst beschäftigt, dass ich rundherum kaum etwas wahrnehme", erklärte der 29-Jährige. Steiert will daher nicht zu viel auf den verunsicherten Mannschafts-Olympiasieger einreden, zumal er erkannt hat: "Sven hört zu, aber ob ich ihn erreiche, weiß ich nicht."

Sollte der Misserfolg anhalten, scheint ein vorzeitiger Saison- Ausstieg Hannawalds nicht ausgeschlossen. Vor der Skiflug-WM Mitte Februar in Planica sei dies laut Steiert zwar kein Thema. Aber der Coach weiß angesichts des zuvor anstehenden Heim-Weltcups in Oberstdorf und Willingen auch: "Der Monat Februar wird eine unheimliche psychische Dauerbelastung." Einen völliger Rückzug aus dem Sport schließt Steiert aus. ""Die Planungen sind auf die WM 2005 und Olympia 2006 ausgerichtet", macht sich der Steiert Mut.

Eric Dobias/Christoph Marx

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