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Gewinner der Vierschanzentournee: Was macht eigentlich ... Sven Hannawald?

Der gebürtige Sachse war einer der erfolgreichsten deutschen Skispringer. 2002 gewann er die Vierschanzentournee. Dann bekam er ein Burnout und beendete seine Karriere 2005. Aber was macht der ehemalige Profi-Skispringer eigentlich heute?

Vor fast 16 Jahren gewannen Sie alle vier Springen der Vierschanzentournee, als bisher Einziger. Wissen Sie noch, wer Zweiter wurde?

Ich habe viel aus meiner Sportlerzeit verdrängt, beschäftige mich nicht mit vergangenen Zeiten, sondern lebe im Hier und Jetzt. Die Siege sah ich mir später nicht noch mal an. Wichtig war nur, meinen Traum erfüllt zu haben. Sobald der Wettkampf beendet war, habe ich mich mit dem nächsten Springen beschäftigt.

Welches Ereignis ist Ihnen trotzdem in bester Erinnerung geblieben?

Meine Erfolge habe ich alle gleich genossen und nicht übereinander gegliedert. An der Spitze steht jedoch klar der alleinige Grand Slam der Vierschanzentournee. Weltmeister und Olympiasieger werden viele.

Die Fans liebten Sie, es gab einen riesigen Hype um Sie. 2005 beendeten Sie wegen Burnout Ihre Karriere. War die Krankheit bei all dem Trubel programmiert?

Nicht die Öffentlichkeit war schuld, mein eigener Antrieb und die Erwartungen an mich selbst haben mich kaputt gemacht. Ich konnte meine Siege nicht mehr feiern, grübelte über Fehler nach und überlegte, wie ich noch besser werden konnte. Mir fehlte der Mut zur Pause.

Wie hat sich Ihr Burnout gezeigt?

Die Müdigkeit ging nicht mehr aus meinem Körper heraus. Zusammen mit der Unruhe ist das unerträglich. Im Endstadium wachte ich nachts mit Weinkrämpfen auf. Die Ärzte konnten mir keinen Grund für das innere Chaos nennen. Mein Blutbild war in Ordnung. Erst nach eineinhalb Jahren hat ein Psychosomatiker den Burnout erkannt. Ich ging acht Wochen zur Therapie in eine Klinik mit anschließend jahrelanger Reha.

Wie verhindern Sie heute die Gefahr einer neuen Erschöpfung?

Sobald ich Nervosität spüre, nehme ich das Gas raus. Ich akzeptiere Tage, an denen nicht immer alles funktioniert, und habe gelernt, mir Auszeiten zu gönnen.

Als Unternehmensberater für betriebliches Gesundheitsmanagement geben Sie jetzt Führungskräften Seminare zur Bewältigung von Burnout.

Unsere Gesellschaft ist noch nicht so weit, Burnout freiwillig zuzulassen. Managern möchte ich das Bewusstsein schärfen, da das Thema in leitenden Positionen nach wie vor verschwiegen wird. Die Ansprüche und Erwartungen, die Führungskräfte erfüllen müssen, sind ähnlich wie im Leistungssport. In Seminaren berichte ich über mein Leben und finde es faszinierend, wie sich fremde Leute mir gegenüber öffnen.

Im vergangenen Jahr kehrten Sie als TV-Experte zum Skispringen zurück: Sie berichten bei Eurosport von den Wettbewerben, mit Ihrem früheren Rivalen Martin Schmitt. Gelingt die Zusammenarbeit?

Wir ergänzen uns gut. Vom Charakter sind wir zwar verschieden, haben uns aber immer gut verstanden. Und als Sportler sogar ein Doppelzimmer geteilt. Heute sind wir erwachsen, jeder hat ein Einzelzimmer.

Im Februar sind Sie Vater eines Sohnes geworden. Darf der später auf die Schanze?

Wenn Glen das Skispringen ausprobieren möchte, lege ich ihm keine Steine in den Weg. Aufgrund meiner Vorgeschichte achte ich darauf, dass er sich nicht übernimmt. Hauptsache, er hat Spaß.

2016 haben Sie Ihre Freundin Melissa standesamtlich geheiratet. Wann ist die kirchliche Trauung?

Im Sommer. Vor der Hochzeit steht im Frühjahr der Einzug in unser neues Haus in Gauting bei München an. Außerdem planen wir noch ein Geschwisterchen für Glen. Den Platz für ein zweites Kinderzimmer haben wir ja dann.

Interview: Tobias Ott

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