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Erschreckende Studie: Jedes vierte Mädchen im Südsudan denkt an Selbstmord

Hunger, Vertreibung, Gewalt: Im Südsudan leiden Millionen Menschen seit Jahren unter den Folgen des Bürgerkriegs. Vor allem die Situation von Mädchen und jungen Frauen ist einer Studie zufolge dramatisch.

Kinder in einem Flüchtlingslager im Südsudan

Kinder in einem Flüchtlingslager im Südsudan. Zwei Millionen Mädchen und Frauen droht offiziellen Schätzungen zufolge in dem Bürgerkriegsland sexualisierte Gewalt.

AFP

Im wütet seit fast vier Jahren ein Bürgerkrieg. Inzwischen sind vier Millionen Bewohner des jüngsten Staates der Welt auf der Flucht - das ist etwa ein Drittel der gesamten Bevölkerung. Der Krieg stürzte das ostafrikanische Land auch in eine Hungerkrise, sechs Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Doch ein Ende des Machtkampfs zwischen Anhängern von Präsident Salva Kiir vom Volk der Dinka und den Unterstützern seines ehemaligen Stellvertreters Riek Machar vom Volk der Nuer ist nicht in Sicht.

Mädchen massiv von Hunger und Gewalt betroffen

Hauptleidtragender des Konflikts ist die Zivilbevölkerung, und am härtesten trifft es, wie so häufig, die . Sie stellen mehr als die Hälfte der Geflüchteten. Vor allem Mädchen sind massiv von Hunger, Traumatisierung und Gewalt betroffen, wie die Studie "Heranwachsende Mädchen in Krisenregionen: Stimmen aus Südsudan" des Kinderhilfswerks Plan International zeigt. Zwei Millionen Mädchen und Frauen droht offiziellen Schätzungen zufolge sexualisierte Gewalt.

Für die Studie wurden laut Plan International im vergangenen Jahr an fünf Orten im Südsudan insgesamt 249 Mädchen und junge Frauen im Alter von zehn bis 19 Jahren befragt. Zudem seien 28 Diskussionsrunden mit jeweils etwa zehn Teilnehmerinnen aus der Fokusgruppe organisiert worden. In 32 Interviews seien Gemeindeoberhäupter und andere Vertreter der Zivilgesellschaft angehört worden.

26 Prozent der befragten Mädchen und jungen Frauen gaben demnach an, im letzten Jahr an gedacht zu haben. Jedes dritte Mädchen sagte, aufgrund der eskalierenden Gewalt schon einmal körperlich verwundet worden zu sein. Und 13 Prozent der Befragten hatten eine Entführung überlebt.

76 Prozent gehen häufig hungrig ins Bett

Um einer drohenden Zwangsverheiratung gegen Brautgeld zu entgehen und um ihre Familie finanziell zu entlasten, müssen manche Mädchen der Untersuchung zufolge über ihre körperlichen Grenzen hinweg arbeiten, beispielsweise indem sie Feuerholz sammeln und verkaufen. Die größten Sorgen der Interviewten seien Angst vor Frühverheiratung und Gewalt - bis hin zu Todesängsten gewesen. 76 Prozent gaben außerdem an, häufig hungrig ins Bett zu gehen. Ebenso berichteten sie, dass ihre Familien kein Geld hätten, um ihnen Menstruationsprodukte wie Binden zu kaufen.

Vermeidbare Katastrophe: Südsudan: Der Kampf um Leben und Heimat
Die Gesichter zeigen Erschöpfung und Verzweiflung: Nach mehreren Tagen Fußmarsch durch das Sumpfgebiet des Sudd hat eine Gruppe von Frauen und Kindern das Dorf Ngueny erreicht, wo Helfer der Vereinten Nationen Posten bezogen haben

Die Gesichter zeigen Erschöpfung und Verzweiflung: Nach mehreren Tagen Fußmarsch durch das Sumpfgebiet des Sudd hat eine Gruppe von Frauen und Kindern das Dorf Ngueny erreicht, wo Helfer der Vereinten Nationen Posten bezogen haben


"Das Ausmaß an Leid, das bei dieser Studie zutage kam, ist alarmierend", sagte die Vorsitzende der Geschäftsführung von Plan International Deutschland, Maike Röttger. "Die humanitäre Hilfe im Südsudan muss besser auf die Bedürfnisse von heranwachsenden Mädchen zugeschnitten werden, sonst sind sie Gewalt und Traumatisierung schutzlos ausgeliefert. Mädchen müssen auch in Krisenregionen sicher zur Schule gehen können und davor geschützt werden, dass ihre Eltern sie aus Not zur Einkommensquelle machen."

Die Bildungsrate in Südsudan ist eine der niedrigsten der Welt. Nur 16 Prozent der Mädchen über 15 Jahren können lesen und schreiben. Aufgrund des Konflikts ist auch die Wirtschaft des ölreichen Landes stark eingebrochen. Steigende Lebensmittel- und Treibstoffpreise setzen die Bevölkerung weiter unter Druck.

Der Südsudan war 2011 vom Sudan unabhängig geworden. Etwa 13.000 Blauhelmsoldaten bemühen sich um eine Stabilisierung des Landes.

mad