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Aufschwung: Chinas Wachstum ist nicht grenzenlos

Chinas Wirtschaft glänzt mit hohen Wachstumsraten, doch es werden zunehmend warnende Stimmen laut - und nicht nur der Ministerpräsident fordert deswegen ein langsameres Wachstum.

Chinas Wirtschaft glänzt mit hohen Wachstumsraten, doch es werden zunehmend warnende Stimmen laut. Wir stehen an einem "Scheideweg", sagt Ma Kai, Minister der mächtigen Kommission für Reform und Entwicklung. "Wenn es gut geht, können wir stabiles und schnelles Wachstum bewahren. Wenn wir scheitern, könnte die Wirtschaft eine ernste Krise nach einem außergewöhnlichen Aufschwung erleben." China erreichte im vergangenen Jahr 9,1 Prozent Wachstum, obwohl die Lungenkrankheit Sars das Land teilweise lahm gelegt hatte. Einige Beobachter glauben sogar, dass der Zuwachs noch höher war. Tatsache ist, dass Chinas Wachstum an seine Grenzen stößt, wie Regierungschef Wen Jiabao und Kommissionschef Ma Kai unermüdlich betonen.

 

Droht nach dem Aufschwung die Krise?

China trug im vergangenen Jahr vier Prozent zu den weltweiten wirtschaftlichen Aktivitäten bei, verbrauchte aber 7,4 Prozent des weltweit konsumierten Öls, 31 Prozent der Kohle, 27 Prozent des Stahls und 40 Prozent des verbauten Zements. Die Transportkapazitäten sind knapp. Vielen Provinzen mangelt es an Energie, die in China zu 70 Prozent aus der Kohle kommt. Immer wieder fällt der Strom aus. Chinas Ministerpräsident fordert deswegen ein langsameres, vor allem "ausgewogeneres" Wachstum, das bei sieben Prozent liegen soll.

Die Anlageinvestitionen wüchsen zu schnell, argumentiert Ma Kai. Mit dem wachsenden Verbrauch werde wiederum zu viel in die Expansion der Stahl-, Aluminium- und Zementindustrie und Baustoffbereiche investiert. Die Investitionen hätten sich hier 2002 verdoppelt. Es drohten Überkapazitäten. Der Regierungschef sucht eine "angemessene" makroökonomische Kontrolle, Ma Kai fordert eine "vorsichtige Feineinstellung": "Wir dürfen die Bremse nicht zu hart durchtreten."

 

Weniger Kredite

Das Wachstum der Kredite wird etwas gedrosselt, Produzenten etwa in der Stahlindustrie vor zu großer Expansion gewarnt. Unternehmer erhalten mehr Informationen über die Aussichten ihrer Branchen. Der Staatshaushalt steckt weniger Geld in Infrastrukturvorhaben, mit denen bisher die Konjunktur ankurbelt wurde. Dennoch werden neue Schienenwege für den Transport von Kohle gelegt. Der Bau der Ost-West-Gaspipeline wird beschleunigt. Auch die Kernenergie, die nur zwei Prozent Anteil an der gesamten Energie hat, wird ausgebaut.

  Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Wachstum, lautet der Balanceakt. Wären es weniger als sieben Prozent, könnte China nicht mehr genug Beschäftigung schaffen und die zahlreichen Probleme in der Umstrukturierung von der Staats- zur Privatwirtschaft lösen. Das könnte soziale Unruhe auslösen. Ma Kai betont: "Wenn wir bei sieben Prozent Wachstum in den nächsten Jahren bleiben und die Wirtschaft keine Einbrüche erlebt, werden wir das Ziel der Vervierfachung des Bruttoinlandsprodukts bis 2020 erreichen."

Andreas Landwehr, dpa / DPA
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