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Einzelhandel: Supermärkte behaupten sich

Der Erfolg von Aldi, Lidl und anderen Discountern macht den klassischen Supermärkten schwer zu schaffen. Und die Discounter setzen Standards, an denen der traditionelle Handel nicht mehr vorbeikommt.

Der Erfolg von Aldi, Lidl und anderen Discountern macht den klassischen Supermärkten schwer zu schaffen. Nach jüngsten Erhebungen der GfK ist ihr Marktanteil von 23,3 auf 16,2 geschrumpft; längst sind die erfolgreichen Discounter mit 38,2 Prozent Marktanteil vorbeigezogen. Scheinbar unaufhaltsam schreitet die Konzentration in der Branche voran. "Aldi und Lidl setzen Standards, an denen der traditionelle Handel nicht mehr vorbeikommt", sagt Michael Kliger von der Unternehmensberatung McKinsey. "Dazu zählen kleinere Sortimente, übersichtlichere Regale und der schnellere Einkauf."

Nicht alle leiden gleich stark

Tatsächlich aber kommen die Supermärkte unterschiedlich gut klar mit der Herausforderung durch Aldi und Co. Die einstmals schwer angeschlagene Tengelmann-Gruppe ist heute wieder genesen, während Spar seit Jahren tiefrote Zahlen schreibt und als Verkaufskandidat gilt. Die französische ITM-Gruppe hat Milliardenbeträge mit ihrem 85-Prozent-Anteil an Spar verloren und soll angeblich die Hoffnung aufgegeben haben, mit dem Engagement die Gewinnzone zu erreichen. Doch ein Käufer für die gesamte Gruppe ist nicht in Sicht, höchstens für lukrative Teile.

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Spar hofft weiter

Spar selbst hofft weiterhin, im nächsten Jahr die Verlustzone zu verlassen. "Wir setzen einerseits mit unseren Netto-Märkten auf die Discountschiene, andererseits auf die Belieferung der selbstständigen Spar-Einzelhändler", sagt Spar-Sprecherin Christina Werthner. Auf eigene Filialen mit Vollsortiment möchte Spar dagegen sobald wie möglich verzichten. "Regionale Kompetenz findet sich bei selbstständigen Händlern stärker als in einem Konzern."

Edeka geht es gut

Ganz ähnlich sieht es die genossenschaftliche Edeka-Gruppe, die immer wieder als mögliche Aufkäuferin von Spar gehandelt wird. Edeka behauptet sich seit Jahren als Nummer eins im Lebensmittel-Einzelhandel und hat auch das abgelaufene Jahr mit einem Umsatzplus von 2,9 Prozent in Deutschland abgeschlossen. "Der Supermarkt ist ein Erfolgsmodell für die Zukunft", sagt Edeka-Chef Alfons Frenk. Das gelte vor allem für die Märkte, die von selbstständigen Einzelhändlern geführt werden und nicht im Verbund eines großen Konzerns. Die größeren selbstständigen Edeka-Märkte erzielten im vergangenen Jahr flächenbereinigt einen beachtlichen Umsatzzuwachs von fünf Prozent.

Discounter wachsen im Non-Food-Bereich

Die Supermarkt-Ketten sehen sowohl den Erfolg der Discounter als auch die Empfehlungen von McKinsey durchaus kritisch. So sind die Umsatzzuwächse bei Lidl und Aldi zum Teil auf den so genannten Non-Food-Bereich zurückzuführen, das sind Produkte von Bekleidung bis Computer. Dieses Konzept stößt an seine Grenzen: Längst gibt es keine Käuferschlangen vor Aldi-Filialen mehr, wenn ein neuer Computer im Angebot ist. Im Gegenteil, die Discounter bleiben auf vielen Non- Food-Artikeln sitzen und müssen sie dann verramschen.

Keine öde Einkaufswüste zu erwarten

Der "Geiz-ist-geil"-Trend geht irgendwann zu Ende, hoffen die Supermärkte. Wenn die Konjunktur anspringt und die Konsumneigung wieder steigt, sollen sich die Verbraucher auf die Vorteile des Supermarktes besinnen. "Ein Discounter hat 800 Artikel, ein Vollsortimenter dagegen 12.000", sagt Marliese Kalthoff von Edeka. "Der Wettbewerb lebt von unterschiedlichen Vertriebsmodellen." Eine öde Einkaufswüste, in der nur noch der Preis zählt, sei nicht zu befürchten.

Eckart Gienke / DPA