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"Finanztest": Wie Bausparkassen ihre Kunden verschaukeln

Bauherren sollten ihren Bausparkassen nicht blind vertrauen. Den Prüfern von "Finanztest" wurden häufig Verträge mit schlechten Konditionen und versteckten Kosten angeboten. Nur vier Anbieter schnitten "gut" ab.

Von Gernot Kramper

Wenn Banken ihren Kunden Bausparverträgen verkaufen, ist die Qualität der Beratung erschreckend. Fast ein Viertel von absolvierten 154 Testberatungen der Zeitschrift "Finanztest" bekam die Note mangelhaft. "Gute Beratung wird so zum Glücksfall", moniert "Finanztest"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen. Von 22 Instituten schafften es nur vier ohne mangelhafte Beratung durch den Test zu kommen.

Angesichts der Lebensentscheidung "Hausbau" ist das Ergebnis niederschlagend. Die Folgen einer schlechten Beratung sind hier schließlich gravierender, als der Kauf eines minderwertigen Staubsaugers.

Der Testkunde der "Finanztest" war ein einfacher Standardfall, und dennoch wurde alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte. Angaben und Wünsche des Kunden wurden oft nur ungenügend in den Sparplan aufgenommen . In der Folge stimmten Sparraten und Darlehensbetrag nicht mit seinen Vorstellungen überein. Häufig wurde auch ein falscher Tarif gewählt, sodass das Angebot unnötig verteuert wurde.

Fehler zugunsten der Bank

Neben diesen ärgerlichen Problemen, die man auch auf einfache Schlampigkeit zurückzuführen kann, tauchten auch Fehler auf, die den Kunden schädigen und zugleich im Interesse der Bausparkasse liegen. So etwa in den Fällen, in denen der günstige Bausparkredit erst weit nach dem gewünschten Beginn der Bautätigkeit zugeteilt werden könnte. Bemerkt der Kunde den falschen Termin nicht, wäre eine teurere Zwischenfinanzierung fällig geworden plus weitere Gebühren.

Überhaupt scheint es nicht unüblich zu sein, den Kunden über die anfallenden Gebühren im Unklaren zu lassen. Wenn gleich vier Berater der LBS Hessen-Thüringen die Angebote an die "Finanztest" ohne jeden Hinweis auf Abschluss- und Kontogebühren erstellen, fällt es schwer, an ein Versehen zu glauben.

Noch dreister ging es laut der "Finanztest" bei der BHW zu: Ein Sparplan zeigt eine erste Einzahlung von 288 Euro und ein Guthaben von 288 Euro an. Der unbedarfte Kunde musste vermuten, es fielen gar keine Gebühren an. Tatsächlich hätte er als erste Rate nicht 288 sondern 800 Euro überweisen müssen. 512 Euro Gebühren wurden stillschweigend übergangen.

Bei vielen Banken konnte die Finanztester keine einheitliche Qualität der Beratung feststellen. Es ist dann ein reines Glücksspiel, ob der Ratsuchende ein gutes oder ein schlechtes Angebot erhält. In diesen Fällen wurden die betroffenen Institute stärker abgewertet als der bloße Mittelwert der einzelnen Noten.

Markführer Wüstenrot ist Testsieger

Nur vier Bausparkassen schafften es, bei den Testgesprächen keine mangelhafte Beratung abzuliefern. Die Landesbausparkassen (LBS) Bremen, Baden-Würtemberg und Nord erhielten die Gesamtnote "Gut". Gut schnitt auch der Testsieger Wüstenrot ab. Der Marktführer siegte gleichzeitig in den finanziell letztlich entscheidenden Kategorien "Qualität des Angebots" und "Kosten der Finanzierung".

Besonders schlecht waren dagegen die Angebote der Deutschen Bank Bausparkasse. Vier ihrer Angebote waren teurer, als eine reine Darlehensfinanzierung mit einem Zinssatz über 10 Prozent schreibt die "Finanztest". Selbst Bauen mit Dispositionskredit wäre billiger.

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