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Allianz: Allianz hat kaum Freude an der Baustelle Dresdner Bank

Eine ertragsstarke Bank und einen attraktiven Vertriebskanal für die eigenen Finanzprodukte wollte sich die Allianz 2001 mit dem Kauf der Dresdner Bank zulegen. Doch diese entwicklete sich zum Sorgenkind des Konzerns.

Eine ertragsstarke Bank und einen attraktiven Vertriebskanal für die eigenen Finanzprodukte wollte sich die Allianz 2001 mit dem Kauf der Dresdner Bank zulegen. Doch die Bankenkrise erwischte auch die neue Allianz-Tochter, und das Kreditinstitut entwickelte sich zum Sorgenkind des Versicherungskonzerns. Wenn die Allianz am Donnerstag (18. März) ihre Geschäftszahlen für 2003 vorlegt, wird die Dresdner Bank wieder tiefrote Spuren in der Bilanz hinterlassen. Mit Hochdruck arbeiten daher Michael Diekmann (49) und Herbert Walter (50), die neuen Chefs von Allianz und Dresdner Bank, an einer gemeinsamen Zukunftsstrategie.

Viertes Sparprogramm seit 2000

Walter, der vor einem Jahr aus dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank an die Spitze der Dresdner wechselte, beschloss im vergangenen Sommer ein neues Sparprogramm - für die Bank das vierte seit 2000. In diesem und im kommenden Jahr müssen noch einmal 4.700 Mitarbeiter gehen, nachdem die Beschäftigtenzahl bereits von einst mehr als 50.000 auf rund 35.000 gesunken ist. Vorgezogene Kosten für die Stellenstreichungen und der beschleunigte Abbau von Problemkrediten könnten den Verlust vor Steuern 2003 nach Einschätzung von Analysten auf einen ähnlich hohen Betrag wie im Vorjahr (1,146 Milliarden Euro) katapultieren.

"So bitter das auch ist: Je mehr Verluste jetzt anfallen, desto besser sind die Zukunftsaussichten der Bank", meint Analyst Jochen Schmitt von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Die Befreiung von Lasten helfe bei der Neuausrichtung. Einen radikalen Strategiewechsel hält er für wenig wahrscheinlich. Unumstritten ist, dass die Dresdner Bank sich ganz im Sinne des Mutterkonzerns auf das so genannte Retail-Geschäft mit Privatkunden konzentrieren soll. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) wird auf mittlere Sicht eigene Wege gehen. Zur Stärkung der Privat- und Geschäftskunden-Sparte berief Walter einen zusätzlichen Vorstand und teilte den Geschäftsbereich vor wenigen Tagen in zwei Segmente für unterschiedliche Kundengruppen auf.

Auslagerungen um Kosten zu senken

Außerdem treibt der Vorstandschef die Auslagerung von Bankprozessen voran, die hinter den Schaltern ablaufen. Die Abwicklung des Zahlungsverkehrs vertraute er der Postbank, die Verwahrung von Aktien der Deutschen Bank an. Die Wertpapierabwicklung soll vom Spezialisten dwpbank übernommen werden. Ziel ist dabei stets, die Kosten zu senken. Für eher bescheidene Ansprüche steht auch der Ausblick aus Walters Frankfurter Büro: Sein Arbeitszimmer liegt nicht in einem der beiden Wolkenkratzer der Bank, sondern in einem wenig repräsentativen Vorbau.

Den Analysten der HypoVereinsbank, einem Münchner Nachbarn der Allianz, geht das Konzept für die "Neue Dresdner" allerdings noch nicht weit genug. Sie legen Diekmann und Walter die Trennung vom kompletten Firmengeschäft der Bank nahe. Ähnlich wie die Postbank in den Filialen des Mutterkonzerns Deutsche Post untergeschlüpft ist, könnten Allianz-Vertreter bis in die Provinz hinein Produkte der Dresdner Bank anbieten und so das Massengeschäft kräftig ausbauen.

Kein Komplettverkauf der Bank

Ob solche Pläne realistisch sind, werden die Ausführungen der Konzern-Manager am Donnerstag zeigen. Einen Komplettverkauf des viertgrößten deutschen Geldinstituts schloss Walter im "Spiegel" hingegen aus. Die Dresdner Bank habe anders als manche Wettbewerber ihren "Zielhafen" schon erreicht, meinte er und fügte hinzu: "Oder glauben Sie, die Allianz kauft eine Bank wie Sie einen Kaugummi?"

Alexander Missal, dpa / DPA