Alternative zum BaföG Letzte Frist für Erstsemester-Stipendien

Wer studieren will, braucht auch Geld - deshalb arbeiten fast 70 Prozent der Studenten
Wer studieren will, braucht auch Geld - deshalb arbeiten fast 70 Prozent der Studenten
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Selbst wer schnell studiert, braucht bis zu seinem Master-Abschluss etwa 40.000 Euro für Lebensunterhalt, Miete und Lehrmaterial - Studiengebühren exklusive. Reichen Nebenjob und Bafög nicht, gibt es noch eine Chance - das Stipendium.

Ein Studium kostet viel Geld: Selbst wer schnell ist und seinen Master-Abschluss in zehn Semestern schafft, braucht bis dahin rund 40.000 Euro für Lebensunterhalt, Miete und Lernmittel. Dabei schwankt der vom Statistischen Bundesamt ermittelte Monatsbedarf von knapp 700 Euro stark nach Studienfach und -ort. Zusätzlich müssen Studierende in den Bundesländern Hessen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und dem Saarland eine Studiengebühr von in der Regel 500 Euro pro Semester bezahlen.

Zwei Drittel müssen arbeiten gehen

Entsprechend haben fast 70 Prozent der Studenten nach jüngsten Daten des Deutschen Studentenwerks einen oder mehrere Nebenjobs. BaföG erhält derzeit gut jeder vierte der knapp zwei Millionen eingeschriebenen Studenten (Stand 2005), und eine kleine, aber wachsende Zahl nimmt auch einen Studienkredit auf. So vergab die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im vergangenen Jahr rund 19.000 Förderkredite.

Eine Finanzierungsalternative ist ein Stipendium. Die meisten der elf Begabtenförderungswerke in Deutschland fördern jedoch erst Studierende ab dem 2. Fachsemester. Wer kurz vor dem Abitur steht und zum Wintersemester 2007/2008 mit dem Studium beginnen will, kann sich nur noch bei der Konrad-Adenauer-Stiftung (www.kas.de, Bewerbungsschluss 1. Juli), der Hans-Böckler-Stiftung (www.boeckler.de, Bewerbungsschluss 31. Mai) und der Friedrich-Ebert-Stiftung bewerben (www.fes.de). Bei letzterer sind Bewerbungen laufend möglich, allerdings müssen Bewerber mit einer sechsmonatigen Bearbeitungsdauer rechnen.

Stipendien haben Obergrenzen

Die finanzielle Förderung ist bei allen Stipendien auf 525 Euro zuzüglich eines Büchergeldes von 80 Euro begrenzt. Mehr Geld gibt es für Studenten mit eigener Familie. Grundsätzlich richtet sich die Höhe des Stipendiums nach dem BaföG-Anspruch. Wer kein BaföG bekommt, weil das Einkommen oder Vermögen der Eltern zu hoch ist, geht auch bei den Stipendien mit Ausnahme des Büchergeldes leer aus. Im Gegensatz zum BaföG muss ein Stipendium aber nicht zurück gezahlt werden. Davon abgesehen bieten die Stipendienwerke zahlreiche Austausch- und Kontaktmöglichkeiten, und nicht zuletzt spricht ein Stipendium im Lebenslauf für überdurchschnittliche Leistungen und hohes Engagement.

Die Chancen auf ein Stipendium sind übrigens besser als häufig gedacht. Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung beispielsweise gehen jährlich rund 1800 Anträge ein, von denen 400 bis 450 erfolgreich sind. Bei der Auswahl der Stipendiaten achten alle genannten Stiftungen nicht nur auf die Schulleistungen, sondern mindestens ebenso stark darauf, ob der Bewerber zum Profil der Stiftung passt. Ein engagiertes Mitglied der CDU-Schülerunion sollte also ebenso wenig auf ein Stipendium der Ebert-Stiftung hoffen wie ein Jungsozialist auf Förderung durch die Adenauer-Stiftung. Die Böckler-Stiftung legt Wert darauf, dass Bewerber "gesellschaftspolitisch im Sinne gewerkschaftlicher Grundwerte" aktiv sind. Der Zeugnisdurchschnitt ist demgegenüber weniger wichtig.

Hendrik Roggenkamp/DDP DDP

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