Altersvorsorge Rentenkassen spüren Aufschwung

Die Rentenkasse steht in diesem Jahr so gut da, dass die Rentenbeiträge womöglich nicht im erwarteten Maß angehoben werden. Die Rentenreform hat daran aber laut Verbandspräsident Herbert Rische nur einen geringen Anteil.
Von Karin Spitra, Berlin

Nach Einschätzung der Rentenkassen hat die Anhebung des Rentenalters von 65 auf 67 Jahre bis 2029 möglicherweise einen geringeren Einfluss auf die Höhe der Rentenbeiträge, als von vielen erwartet. Dies sagte der Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, Herbert Rische, am Mittwoch in Berlin. "Die Rentenversicherung hat berechnet, dass im Jahr 2030 der Beitragssatz der Rentenversicherung nur um 0,5 Prozentpunkte unter dem Wert läge, der gelten würde, wenn die heutige Altersregelung bestand hätte."

Rische sieht Gleichbehandlungsgrundsatz verletzt

Bedenklich findet Rische die Rente nach 45 Beitragsjahren, die seiner Meinung nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz widerspricht. Gerade körperlich hart Arbeitende würden aus gesundheitlichen Gründen kaum 45 Beitragsjahre zusammen bekommen. Frauen treffe das noch stärker, weil sie nur in den seltensten Ausnahmefällen die Bedingungen für 45 Beitragsjahre erfüllen - selbst, wenn Erziehungszeiten mit angerechnet würden.

"Alle diejenigen, die bereits vor Erreichen des 65. Lebensjahres - beispielsweise aufgrund der gesundheitlichen Belastungen des Berufslebens - erwerbsunfähig werden, hätten nicht die Möglichkeit des abschlagsfreien Rentenbeginns. Sie müssten im Gegenteil unter Umständen sogar höhere Abschläge als bisher vorgesehen hinnehmen, wenn sie zwischen dem 60. und dem 63. Lebensjahr erwerbsunfähig werden", sagte Rische. Man müsse die Rahmenbedingungen für alle verbessern, sodass schwer körperlich Arbeitende nicht benachteiligt würden. Eine Lösung für diese Problem bot Rische auch an: "Vorstellbar wäre etwa, dass bei der Anhebung des Rentenalters das Eintrittsalter für die abschlagsfreie Erwerbsminderungsrente nicht ebenfalls angehoben wird." Verbesserungsbedarf sieht Rische auch in einer anderen Frage: Es sei erstrebenswert , dass auch Selbstständige in den Kreis der Beitragszahler aufgenommen werden. "Schließlich werden ja auch Selbstständige bei Altersarmut mit den Rentenbeiträgen aller Arbeitnehmer unterstützt.

Gesundheitsreform als Unsicherheitsfaktor

Einen Unsicherheitsfaktor für die Rentenkasse stellt die Gesundheitsreform dar. "Eine Erhöhung des Beitragssatzes zur Krankenversicherung um einen halben Prozentpunkt bedeutet für die Rentenkasse Mehrkosten von etwa 500 Millionen Euro", sagte Rische. Ob sich dies auf den Rentenbeitrag auswirkt, wollte Rische nicht vorhersagen. Die Rentenkasse ist schon jetzt mit 13,7 Milliarden Euro der größte Beitragszahler der Krankenkassen, weil sie die Hälfte der Versicherungsbeiträge der Ruheständler zahlt.

Dennoch steht die Deutsche Rentenversicherung nach der teils dramatischen Finanznot der vergangenen Jahre im laufenden Jahr deutlich besser da. Die Rentenschätzer schließen nicht einmal aus, dass der Beitrag 2007 nicht so stark erhöht werden muss wie angekündigt. Anfang nächsten Jahres ist eine Anhebung des Rentenbeitrags von heute 19,5 auf 19,9 Prozent geplant, auch weil die Bundesagentur für Arbeit den Rentenkassen weniger überweist. Falls die Konjunktur so gut laufe wie prognostiziert, werde womöglich eine Erhöhung auf 19,7 Prozent ausreichen, sagte Finanzexperte Jürgen Genzke. Derzeit sei abzusehen, dass die Finanzentwicklung der Rentenversicherer etwas besser laufe als erwartet.

Rentenkasse hat Rücklagen

Entlastet werden die Rentenkassen auch durch den vorgezogenen Zahltermin für die Sozialbeiträge. Da deshalb dieses Jahr einmalig 13 statt zwölf Beiträge fällig sind, kamen im ersten Halbjahr 9,3 Milliarden Euro oder 14,2 Prozent mehr herein als von Januar bis Juni 2005. Die Rentenversicherung hatte 7,2 Milliarden Euro als "liquide Mittel" auf der hohen Kante, das entspricht 0,46 Monatsausgaben. Zum Jahresende werden 6,6 Milliarden Euro erwartet. Vorgeschrieben ist eine Rücklage von mindestens 0,2 Monatsausgaben oder 3,2 Milliarden Euro.

Mitarbeit: Thomas Krause

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