analyse Attacke von Norden


Mit Tiefpreisen drängt die schwedische Fondsgesellschaft Modern Funds jetzt auch auf den deutschen Markt. Ihr Konzept: Minigebühren und schlankes Management.

Die Geschäfte gehen gut. Clive Watkins und Jan Hugo Stenbeck blicken voller Zuversicht in die Zukunft. »Wir verzeichnen ein rapides Wachstum und arbeiten kostendeckend«, sagt Watkins, Fondsmanager von Modern Funds in Luxemburg.

Zweifel am Erfolg hat er nicht. Kunden, die ihn in seinem Büro besuchen, versucht er mit einer Frage zu ködern: »Im Hafen von New York kann man überall die millionenschweren Yachten der Top-Broker und Investment-Gurus besichtigen. Seither frage ich mich, wo denn all die Yachten von deren Kunden sind?« Hinter der in Deutschland weitgehend unbekannten Fondsgesellschaft steckt der schwedische Multimilliardär Stenbeck, der 1977 von seinem Vater den einstigen Holz- und Stahlkonzern Kinnevek übernahm und ihn gehörig umstrukturierte: In den vergangenen 22 Jahren investierte der Harvard-Absolvent Milliarden in den Umbau zum Telekommunikations- und Medienunternehmen. Heute ergänzen mehrere Fernsehsender, Radiostationen, Magazine und Zeitungen die Holding - und eben die Modern Funds.

Mit Kampfpreisen

drängt das Unternehmen seit dem vergangenen Jahr auf den Markt und versucht, Spitzenreitern wie Union, dit und Deka das Terrain streitig zu machen. Der Herausforderer will sich als Aldi unter den Fondsanbietern etablieren. »Aldi vereint Spitzenqualität mit niedrigen Preisen - das übertragen wir auf unsere Fonds«, sagt Watkins. Die Methoden der Preisbrecher: Der Vertrieb läuft ausschließlich über deren Homepage. Provisionen für Vermittlung fallen so nicht an. Auch Ausgabeaufschläge oder Depotgebühren entfallen komplett. An Managementgebühr sind 0,4 Prozent vom jährlichen Depotwert zu zahlen. Dazu kommen nur noch allgemeine Kosten von 0,35 Prozent. Mehr als diese zusammen 0,75 Prozent Kosten fallen nicht an. Das garantiert Modern Funds seinen Anlegern schriftlich. Andere sind teurer. Die deutsche Konkurrenz der Genossenschaftsbank DZ Bank etwa verlangt fast drei Prozent Gebühren; die Fondsgesellschaft Liberty Funds Europe kassiert satte 3,42 Prozent; der Frankfurter Anbieter Value Management & Research (VMR) arbeitet gar mit einer Quote von 5,47 Prozent .

Trotz tiefroter Zahlen

in der Branche haben die meisten deutschen Fonds-anbieter 2001 kräftig an der Kostenschraube gedreht: Union Investment beispielsweise, Tochter der Volks- und Raiffeisenbanken, verlangte beim auf deutsche Aktien spezialisierten Uni-Fonds 82 Prozent Gebühren mehr, die Dresdner-Bank-Tochter dit stellt für ihren Technologiefonds 100 Prozent mehr in Rechnung.

Die Schweden setzen dagegen auf Kostensenkung durch Standardisierung, indem sie nur reine Indexfonds anbieten. Insgesamt hat Modern Funds sieben europäische Indizes im Angebot, unter anderem auf den Dax, den britischen FTSE oder auf den FTSE Eurotop 100, der in die hundert meistgehandelten Unternehmen Europas investiert. Diese so genannten passiven Produkte beschränken sich darauf, Börsenbarometer wie den Dax abzubilden. Entsprechend der Gewichtung im Index kaufen die Geldmanager die Aktien von Allianz, BMW und Co. Damit lassen sie zwar alle Chancen sausen, besser abzuschneiden als der jeweilige Index, schalten aber auch das Risiko aus, schlechter zu sein. Eine für Aktien relativ konservative und wertorientierte Anlagestrategie. Seit 1990 ist der Dax um 190 Prozent gewachsen. 10000 Euro, damals in einen Dax-Indexfonds investiert, wären heute 29000 Euro wert.

Seit dem Tiefstand 2001

Mitte September hat der deutsche Paradeindex um 38 Prozent zugelegt. Anstatt nun direkt ein Dax-Indexzertifikat zu erwerben, sollte man ein Risiko einkalkulieren: Das Zertifikat ist lediglich eine Schuldverschreibung - echte Werte stehen nicht hinter dem Papier. Das kann folgenschwere Konsequenzen nach sich ziehen. Geht die Gesellschaft, für die das Zertifikat bürgt, in Konkurs, ist das Wertpapier über Nacht wertlos. Die Aktien des Fonds hingegen liegen sicher verwahrt bei der Depotbank. Eine Pleite ist bei einer großen Bank eher unwahrscheinlich, kleinere Fondsgesellschaften kann es aber gelegentlich treffen.

In den USA zählt das Indexinvesting längst zum Handwerkszeug der Profi-Anleger. Vor allem die kapitalstarken amerikanischen Pensionskassen und Versicherungen setzen auf Index-Tracking - wie es im Expertenjargon heißt. Jeder dritte Fondsdollar fließt so in Indexanlagen. Für Watkins eine optimale Anlagestrategie: »Es ist kein Geheimnis, dass viele Sparer besser dastehen würden, wenn ihr Fondsmanager einfach nur in einen Aktien-Index investiert hätte, anstatt wild zu spekulieren.«

Eine Untersuchung

der Bad Homburger Vermögensverwaltung Feri Trust zeigt, dass seit 1997 nur jeder vierte Fonds die Börsenindizes geschlagen hat. »Das Gros der Fonds verliert gegen den Vergleichsindex«, sagt Feri-Fondsexperte Jens Wetter. Für diese klägliche Performance lassen sich die Anbieter allerdings fürstlich bezahlen. Was bei den Ausgabeaufschlägen beginnt, setzt sich bei den Managementgebühren fort. Bis zu zwei Prozent des Depotwerts sind jährlich fällig. Im Kleingedruckten lauert oft eine weitere Gebührenfalle: Die Aufwendungen für Wirtschaftsprüfer und Rechtsberatung, für den Druck von Fondsberichten, Werbebroschüren und aufwendige Anzeigenkampagnen werden dem Fondsvermögen nach und nach belastet. In homöopathischen Dosen verabreicht, bekommt kaum ein Fondssparer etwas davon mit; seine Fondsanteile sind dennoch den entsprechenden Betrag weniger wert. Kleine Zahlen, große Wirkung. Stephan Kühnlenz, Fondsexperte der Stiftung Warentest: »Selbst geringe Kostenunterschiede addieren sich über einen längeren Zeitraum zu einer beachtlichen Summe.«

Sven Scheffler


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker