ASSEKURANZEN Nach Anschlägen drücken Versicherungen höhere Preise durch


Für die Versicherungen markiert der 11. September einen Wendepunkt: Jetzt hat die Branche gute Argumente, die seit langem geplante Preissteigerung duchzusetzen.

Einerseits haben die Terroranschläge auf das World Trade Center die schlimmsten Befürchtungen der Versicherungsexperten übertroffen und sämtliche Modellrechnungen zunichte gemacht. Doch zugleich lieferten die Anschläge der Branche gute Argumente, die seit langem geforderten Preissteigerungen endlich durchzusetzen. »Die Akzeptanz für risiko- und leistungsgerechte Preise steigt«, sagte der Chef des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück, Hans-Jürgen Schinzler in München. Während einigen kleinen Versicherern die Luft ausgehen könnte, dürften die Versicherungsriesen davon profitieren und nach den milliardenschweren Terrorschäden in diesem Jahr schon 2002 wieder mit Rekordzahlen glänzen.

Industrie: 40 % höhere Prämien

Gerade in Zeiten der Börsenschwäche und sinkender Einnahmen aus dem Aktienvermögen kommen Preissteigerungen den Versicherungen gerade recht. Mit leichten Anpassungen ist es allerdings nicht getan. Allein bei Versicherungen für Industriekunden rechnet die Münchener Rück künftig mit Preissteigerungen von mindestens 40 Prozent. Die Großkunden der Allianz müssen bei den bevorstehenden Vertragsverhandlungen je nach Risikolage sogar mit Preissteigerungen bis zu 200 Prozent rechnen. Zu den momentanen Konditionen sind die Risiken nach Worten des Allianz-Vorstandes Axel Theis nicht mehr tragbar. Die Risiken durch Terroranschläge und Computerkriminalität schließt die Allianz dabei generell aus. »Auch die Industrie hat nichts davon, wenn wir ständig drauflegen, weil wir uns sonst irgendwann aus dem Markt zurück ziehen«, sagte Theis in einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung« (Donnerstagausgabe).

Auch Rückversicherungen langen zu

Die Versicherungen ihrerseits werden künftig von den Rückversicherern sehr viel stärker zur Kasse gebeten. »So schrecklich die Umstände sind: Die Perspektiven für eine Rückbesinnung der Rückversicherungsmärkte auf gesunde versicherungstechnische Grundsätze waren lange nicht mehr so gut wie zurzeit«, beschreibt Schinzler die Stimmung der Branche. Nach jahrelangen Preiskämpfen wollen die Rückversicherer ihre Ertragskraft nun mit saftigen Preissteigerungen stärken. Im Schnitt rechnet die Münchener Rück mit Erhöhungen von mindestens 25 Prozent - Terrorrisiken exclusive. Diese wird der Konzern künftig nur noch auf ausdrücklichen Wunsch versichern und sich eine zweiwöchige Kündigungsfrist vorhalten. Bei einer Serie von Terroranschlägen kann die Münchener Rück die Verträge damit schnell kündigen. Ihren Erstversicherungskunden rät sie bei diesen Risiken zu einer Kündigungsfrist von einer Woche.

Den Rückschlag durch die Terrorschäden in Höhe von 2,1 Milliarden Euro will die Münchener Rück mit Hilfe der Preissteigerungen schon im nächsten Jahr wegstecken. Das Rekordergebnis von 1,75 Milliarden Euro aus dem vergangen Jahr soll nochmals übertreffen werden - sofern keine neue Katastrophe der Münchener Rück einen Strich durch die Rechnung macht.

Daniela Wiegmann


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